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Reisebilder aus dem nördlichen Syrien.
Die chinesischen Bäckereien erzeugen unter anderem ein
sehr seines Brot, dem man trotz seiner schönen Außenseite
gleichwohl mit Mißtrauen entgegenkommt. Mehr Anklang
finden die Verkäufer der chinesischen übersüßen Zuckersachen.
Ebenso genießen Vertrauen die chinesischen Händler mit
gesalzenen und ungesalzenen Enteneiern und mit jenen ge
dörrten sardinenartigen Fischen, welche TinapL, Tiok oder
Tuyo genannt werden. Viele Chinesen beschäftigen sich
auch mit dem Schweineschlachten, wie sie denn selbst das
Schweine- dem Rind- und Büffelsleisch vorziehen.
Die chinesischen Zimmerleute arbeiten ungemein rasch
und sind pünktlich und verläßlich, doch sagt man ihnen nach,
daß sie schleuderhaft vorgehen und eben deswegen die von
ihnen ausgeführten Bauten und Werke bald einer Reparatur
bedürfen. 2m Kriegshasen Cavite werden aus diesem
Grunde nur eingeborene Arbeiter verwendet, welche zwar
langsamer und theurer aber solider arbeiten. Sonst werden
alle Lieferungen für den Staat, die Behörden u. s. w.,
welche öffentlich im Konkurrenzwege zu erstehen sind, auf
dem Wege des Unterbietend von chinesischen Konsortien er
standen. Dasselbe gilt von der Verpachtung gewisser Staats-
abgaben und Gebühren. Alles ist in den Händen von
Chinesen, welche, wenn cs sich darum handelt einen nicht
chinesischen Bewerber von der Konkurrrenz auszuschließen,
einen fest geschlossenen eisernen Ring bilden; nöthigeufalls
bieten sie einen so hohen Preis, daß sie anscheinend keinen
Nutzen oder gar Schaden nur aus dem Geschäfte ziehen
können.
Früher gab es keine chinesische Karrenführer und Last
träger, jetzt bilden erstere schon eine erhebliche Zahl, während
eingeborene Lastträger immer seltener werden. Doch muß
man, um gerecht zu sein, erwähnen, daß die chinesischen
Lastträger keinen Tadel, sondern nur Lob verdienen. Denn
sie gehen nicht nur sorgfältig mit dem anvertrauten Gut
um und begnügen sich mit einer geringeren Bezahlung
als die mit ihrem Lohne stets unbescheidenen und unzufriedenen
eingeborenen Lastträger, sondern sie verzichten sogar auf jede
Bezahlung, wenn eines der ihnen anvertrauten Stücke durch
ihre Schuld beschädigt wurde. Die Lastträger bilden ver
schiedene Kompagnien, von denen die einen an jene Orte
sich begeben, wo eine Beschäftigung zu erwarten ist, während
die übrigen in ihrem Vereinslokale, einer entsetzlich schmutzigen
und dunklen Stube oder Schenke, eiues Auftrages harren.
Die chinesischen Karrenführer und Lastträger tragen einen
weißen, oft ärmellosen Rock und blaue schmutzige Hosen.
Die Lastträger gehen barhaupt oder binden sich eine Art
Turban um den Kopf, die Karrenführer tragen einen in
ganz Ostasien verbreiteten Hut, der auf den Philippinen den
Namen Salacot führt. Beide Klassen genießen den Ruf
ehrlicher und fleißiger Leute, und sie unterscheiden sich hierdurch
Vortheilhaft von ihren übrigen Landsleuten. Das hindert
freilich nicht, auch in ihnen Feinde des Landes zu sehen,
denn durch sie sind viele Tausend Eingeborene, die demselben
Broterwerb nachgegangen waren, erwerblos geworden.
Der chinesische Kaffee- und Chokoladenmüller steht in
einem gewissen Kompagnieverhültniß zu den Holz- und Oel-
händlern. Sie verfertigen verschiedene Arten von Chokolade.
Die billigste Sorte ist mit Reis' und anderen Beimischungen
verfälscht. Sie werden auch in Privathäuser berufen, wo
man ihnen Cacao zur Chokoladebereitung übergiebt (den
Zucker bringen sie selbst mit). Für drei Liter Cacao
erhalten sie zwei Silberrealen, doch muß der Hausherr gut
aufpassen, sonst läßt der Chinese einen guten Theil des
Cacao in den Hülsen zurück, die er mit nach Hause nimmt.
Die von ihnen im eigenen Hause verfertigte Chokolade ver
kaufen sie an die Sari-sari- oder andere Lüden, oder sie gehen
auch damit von Haus zu Haus hansiren. Die Bereitung
der Chokolade geht in einer sehr unappetitlichen Weise vor
sich. Es sind übrigens arbeitssame Leute.
Seitdem Manila die Carriedo-Wasserleitung besitzt, ist
die Zahl der chinesischen Wasserträger bis auf einen kleinen
Rest geschwunden, und dieser trügt nur Nutzwasser, besonders
zum Baden, zu.
Die chinesischen Hausirer verkaufen allerlei Tand und
Zeug. Ihre Arbeitszeit währt von 7 x / 2 Uhr vormittags
bis Mittag und von 3 Uhr nachmittags bis zum Einbrüche
der Nacht. Man kauft bei ihnen billiger, als bei den seß
haften Krämern und bekommt alles, sogar Seidlitz-Pulver.
Die besseren Hausierer lassen sich ihre Waaren von einem
Laudsmanne nachschleppen. Am billigsten kauft man am
Montage, da sie da ihre Rechnungen abzuschließen pflegen.
Zahlreich sind auch die chiuesischen Gemüsegärtner,
welche durch ihre Düugmittel (Exkremente und faule Fische)
die Luft von Manilas Umgebung verpesten. Auch die
öffentlichen und Privatgärten stehen unter der Pflege und
Obhut vou Chinesen.
Zum Schlüsse sei noch der ärmsten der chinesischen
Klassen gedacht. Es sind dies jene schmutzigen, meist alten
Leute, welche Abfülle aller Art, Haare, leere Zündholz
schachteln und Flaschen, zerbrochenes Glas, Knochen n. dgl.
aufkaufen. Zu dieser Kategorie gehören auch die wandern
den Flickschuster.
Daß es, wo Chinesen wohnen, auch die bekannten chine
sischen Barbiere giebt, ist natürlich, neu ist aber, daß auch Ein
geborene anfangen, sich von ihnen die Ohrenwäsche vor
nehmen zu lassen.
So hat das Leben Manilas vielfach einen chinesischen
Anstrich bekommen, kein Wunder daher, daß die philippinische
Presse sich ständig mit der Chinesenfrage beschäftigt, ohne
aber bisher zu einer Lösung derselben gekommen zu sein.
Reisebilder aus dem nördlichen Syrien.
(M i t sieben
Von Antiochia wenden wir uns mit unserer Karawane
nordostwärts, und durch die schöne Gartenumgebung der Stadt
gelangen wir wieder hinab zu dem Orontes, den wir auf
einer vierbogigen Brücke überschreiten. Die Brücke ist uralt
und hat namentlich in den Kreuzzügen eine große Wichtigkeit
besessen. Nahe dabei liegt das Ansarieh-Dorf Dschiser-el-
II.
Ab b ild u n g en.)
Haddid („Eiserne Brücke"), in dessen Gegend eine franzö
sische Gesellschaft in ausgedehntem Maßstabe Ramienkultur
betreibt.
Jenseits des Stronies breitet sich eine weite Ebene aus,
die um diese Zeit sehr morastig ist, und in ihr stoßen wir
auf einige Beduiuenlager, neben denen sich große Heerden