Buchbesprechungen
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Pieskes Ausstellung über die „gerahmten bürgerlichen Wandbilder“ abgrenzen
will (im ganzen Katalog ist übrigens kein einziges gerahmtes Wandbild ab
gebildet - aus aufnahmetechnischen Gründen oder fehlen die Rahmen gar auch
in der Ausstellung?).
Bei dem für diese Rezension zur Verfügung gestellten Raum ist es leider
auch nicht möglich, ausführlich auf die Unbehagen bereitende Verwendung so
ziologischer, kunstsoziologischer Termini wie „Bildungsbürgertum“, „weniger
begütertes Bürgertum“, ein „bestimmter [welcher?] Verbraucherkreis“, „Trivial
graphik“, „Kunstpopularisierung“ einzugehen.
Bei aller Anerkennung für die langjährige Sammel- und Forschungsarbeit der
Katalogbearbeiterin muß man doch feststellen, daß entscheidende volkskund
liche Fragen weiterhin unbeantwortet bleiben.
Stuttgart Hans-Ulrich Roller
1) Patriotischer und politischer Wandschmuck im 19. und 20. Jahrhundert.
Eine Ausstellung des Seminars für Kunsterziehung an der Pädagogischen Hoch
schule Rheinland, Abteilung Neuß. Sommersemester 1976. 44 S. m. 24 Abb.
2) Bilder nach Bildern. Druckgraphik und die Vermittlung von Kunst. Ausstel
lung und Katalog: Gerhard Langemeyer und Reinhart Schleier. West
fälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster, 21. März -
2. Mai 1976. Hrsg, vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe und dem West
fälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster 1976. XII,
328 S. m. 287 Abb.
3) Bilderwelt der kleinen Leute. Bilderbogen des 18. und 19. Jahrhunderts.
Ausstellung und Katalog Hermann Dettmer. Ausstellung im Drostenhof Wol
beck vom 20. Juni — 3. Oktober 1976. Hrsg, vom Landschaftsverband West
falen-Lippe und dem Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturge
schichte, Münster 1976. 53 S.
4) Bilderbogen des 18. und 19. Jahrhunderts. Text von Hermann Dettmer.
Hrsg, vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe und dem Westfälischen Lan
desmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster 1976. 16 S. Text, 34
Abb., darunter 4 Farbtaf.
Bei der Ausstellung über den patriotischen und politischen Wandschmuck im
19. und 20. Jahrhundert (1) war die Thematik weit weniger wichtig als das
Erlernen von Ausstellungstechnik im Rahmen einer Museumsdidaktik. Die zu
künftigen Kunsterzieher sollten hier Erfahrungen im Erstellen von Konzep
tionen und in Darbietung sammeln. So ist es zu verstehen, daß die Materie
nicht voll und nicht korrekt ausgeschöpft wurde. Bei der Beschreibung der 50
Exponate sind nicht nur sprachliche Ärgerlichkeiten (barockisierender Hocker!),
sondern auch inkonsequente Orthographie (Fotographie, Lithografie!) und man
gelhafte Zeichensetzung festzustellen. Der vorgeführte Wandschmuck ist vor
allem patriotisch, die politischen Blätter der Französischen Revolution und der
Achtundvierziger Jahre fehlen. Die einseitige Interpretation vermittelt keine
besonderen Erkenntnisse. Die Gliederung des patriotischen Wandschmuckes in
Historienbilder, personalbezogene Kultbilder und Personalgraphik hätte klarer
herauskommen müssen. Gerade bei den Reservistenbildern und Gefallenen-