Zum Hauptinhalt springen
Page Banner

Objekt: Globus, 76.1899

Dr. P. Ehrenreich: Ein Ausflug nach Tusayan (Arizona) im Sommer 1898. 
173 
Fig. 23. Navaho-Reitergruppe. Originalaufnahme von P. Ehrenreich 
Oberkörper bedeckt ein enganliegendes Velvetinwamms 
ohne Knöpfe, nur mit einem Halsausschnitt versehen. 
Ein Gürtel aus aufgereihten, handgrofsen ovalen Silber 
platten umgiebt die Hüften. Enganliegende Beinkleider 
von mexikanischem Schnitt, d. h. vom Knie ab seitlich 
aufgeschlitzt, sowie lederne Mokassins bedecken die un 
teren Extremitäten, die der Reiter im Sattel noch mit 
einer seiner grellbunten Wolldecken einhüllt. 
Die starken, aus grofsen, kugelförmigen Silberperlen 
bestehenden Halsketten, an denen entweder Kreuze oder 
Halbmonde und eigentümliche Pulvermafse hängen, 
fehlen keinem. Sie bilden den höchsten Schatz des 
Navaho, von dem er sich nur im äufsersten Notfälle 
trennt. Nur wenn sie als verfallene Pfänder in die 
Hände des Traders geraten, sind sie im allgemeinen 
erhältlich und dann nur zu hohem Preise, 20 bis 40 
Dollars. (Fig. 23.) 
Die weibliche Kleidung erinnert im Schnitt ebenfalls 
an die Mokifrauen, so weit sie nicht durch abscheuliche 
Kattun-Kulturuniform verdrängt ist. Das sackartige, die 
linke Schulter freilassende Gewand besteht aus einem 
ungemein festen wollenen Gewebe. Ein von mir 
worbenes Exemplar ist von dunkel kirsch 
roter Farbe mit blauem Yorstofs oben und 
unten, sowie mit blauen Kreuzornamenten 
verziert. Der dazu gehörige Gürtel ist 
ebenfalls den Mokigürteln ähnlich, doch 
wird die rote Farbe bevorzugt. 
Die Unterschenkel der Frauen sind wie 
bei den südlichen Puebloweibern mit breiten 
Lederbinden umwickelt. Moderne Sonnen 
schirme waren sehr beliebt. Die Säuglinge 
wurden in schlittenförmigen Tragkörben 
auf den Pferden mitgeführt, während die 
gröfseren Kinder vor oder hinter der 
Mutter untergebracht werden. (Fig. 24.) 
Das uns zu Ehren gegebene Reiterfest 
begann gegen ein Uhr nachmittags. Es 
handelte sich im wesentlichen um ein aus 
Mexiko importiertes Spiel. 
Ein Huhn wird bis an den Hals in die 
Erde vergraben und die in schnellster Gang 
art vorübergaloppierenden Reiter suchen es 
aus der Erde herauszureifsen. Der Sieger 
mufs seine Beute gegen seine verfolgenden 
ivameraüen verteidigen. Es entsteht eine 
allgemeine Hetze, wobei der unglückliche 
Vogel, den einer dem anderen zu entreifsen 
sucht, schliefslich in Stücke geht. Diese 
gräuliche Tierquälerei wurde in unserem 
Falle dadurch vermieden, dafs statt des 
Huhnes ein geknotetes Strickende in den 
Boden gepflanzt wurde. Hierdurch wurde 
aber auch den Reitern ihre Aufgabe erheb 
lich erschwert, denn der Strick legte sich 
bei der leisesten Berührung auf dem Boden 
um und erforderte ein übermälsiges Nieder 
beugen der im sausenden Galopp heran 
sprengenden Reiter. Yiele berührten ihn, 
aber nur zweien oder dreien gelang es, 
ihn zu fassen. Eine ganze Anzahl stürzte 
und ein Pferd überschlug sich mit seinem 
Reiter. Als Schlufseffekt liefs sich eine 
unserer Damen, eine vortreffliche Reiterin, 
von 400 bis 500 Indianern über die Steppe 
hin verfolgen. Eine ganze Kodak-Batterie 
und einKinematograph verewigten am Ziel, 
wo plötzlich die ganze Meute Halt machte, 
das imposante Schauspiel. 
Am Spätnachmittage nahmen die Spiele ihren Fort 
gang. 
Es wurde zunächst ein Wettlauf angestellt, an dem 
sich mit Erfolg auch ein in dem Bostoner Hemenwey : 
Gymnasium ausgebildeter junger Amerikaner beteiligte. 
Die Indianer hielten dann noch für sich ein zweites 
Hahnenrennen, diesmal mit einem wirklichen Hahn ab, 
den sie sich gegenseitig abjagten und endlich noch ein 
gruppenweises nationales Rennen im weiten Bogen durch 
das Terrain, dessen Verlauf und Arrangement indes 
bei der grofsen Entfernung den meisten Zuschauern 
entging. 
Nachts wurden noch Geschenke an Kattun , Tabak 
sowie an Lebensmitteln unter die Navahos ausgeteilt, 
die sodann bis gegen Morgen hin an dem Lagerfeuer 
ihre von eintönigen Liedern begleiteten Reigentänze auf 
führten. 
Am 25. August wurde die definitive Rückreise an 
getreten, wobei die Überschreitung des mittlerweile 
angeschwollenen Colorado auf Schwierigkeiten stiefs. 
er- | Mit Hülfe des Drahtseiles brachten wir unser Gepäck 
Fig. 24. Navahofrauen zu Pferde. Originalaufnahme von P. Ehrenreich
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.