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Full Text : Tribus, 20.1971 N.F.

Buchbesprechungen

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Anschein  hat)  gewidmet,  welche  sich  heute  im
British  Museum  befinden.  Sie  stellen  die
größte  an  einem  Orte  befindliche  Gruppe  solcher ­
  Objekte  dar.  Ihre  Veröffentlichung,  sowohl ­
  in  Zeichnungen  als  auch  in  sehr  guten
Farbbildern  kann  von  jedem  Fachmann  nur
begrüßt  werden,  um  so  mehr,  als  in  den  Anhängen ­
  A  und  B  sie  eingehend  beschrieben  sind
und  ihre  Geschichte  geschildert  wird,  die  sich
sicher  allerdings  meist  nur  bis  in  die  Mitte  des
19.  Jahrhunderts  zurückverfolgen  läßt.
Der  Haupttext,  der  für  den  Besucher  von
Interesse  ist,  bezieht  sich  dagegen  kaum  auf
die  Türkismosaike.  Hier  ist  das  Thema  die
Eroberung  Mexicos  durch  Cortes,  allerdings
unter  besonderer  Berücksichtigung  der  Geschenke ­
  und  Beute,  wie  denn  auch  der  Untertitel ­
  dieses  Teiles  „Wie  die  Türkismosaike  und
andere  aztekische  Schätze  nach  Europa  kamen" ­
  lautet.  So  interessant  dieser  Abschnitt
ist,  so  geht  er  doch  letztlich  am  Thema  vorbei,
und  man  vermißt  (wahrscheinlich  auch  als  Besucher) ­
  ein  Eingehen  auf  die  Technik,  die  soziologische ­
  Stellung  der  Mosaikarbeiter  usw.
Diesen  Fragen  soll,  wie  das  Vorwort  bezeugt,
eine  besondere  Abhandlung  gewidmet  werden,
doch  wären  wenigstens  einige  Andeutungen
sicherlich  am  Platze  gewesen.  ^  j-jaberland
URSULA  DYCKERHOFF:
Die  „Crónica  Mexicana“  des  Hernando
Alvarado  Tezozomoc.  Quellenkritische  Untersuchungen. ­
  (Dissertation.)  (=  Hamburger
Reihe  zur  Kultur-  und  Sprachwissenschaft,
Band  7.)  Herausgeber:  Arbeitskreis  anthropologischer ­
  Wissenschaften  an  der  Universität ­
  Hamburg.  Hamburg.  München:  Kommissionsverlag ­
  Klaus  Renner.  1970.
Don  Hernando  de  Alvarado  Tezozomoc,
Nachkomme  des  mexikanischen  Herrscherhauses ­
  und  Angehöriger  der  führenden  indianischen ­
  Familien  der  Kolonialzeit,  schrieb  am
Ende  des  16.  Jahrhunderts  die  Crónica  Mexicana, ­
  einen  umfangreichen  Bericht  über  die
Geschichte  der  Mexica-Tenochca  von  ihrer
mythischen  Herkunft,  über  ihren  Aufstieg  zur
Macht,  bis  zum  Beginn  der  spanischen  Eroberung. ­
  Die  Crónica  Mexicana  ist  eine  der
wichtigsten  Quellen  zur  aztekischen  Kultur
und  Geschichte.
Die  Verfasserin  der  vorliegenden  Dissertation ­
  hat  sich  die  Aufgabe  gestellt,  früherer

mexikanistischer  Forschung  über  diese  Quelle,
soweit  sie  den  völkerkundlichen  Bereich  betrifft, ­
  eine  analytische  Untersuchung  gegenüberzustellcn,
  die  sich  auch  auf  die  der  Crónica ­
  Mexicana  im  wesentlichen  parallellaufende ­
  „Historia  de  las  Indias  de  Nueva  España"
des  Diego  Duran  erstreckt.  Sie  sollte  „generalisierende ­
  Aussagen  über  die  Verläßlichkeit  der
beiden  genannten  Quellen,  vornehmlich  der
Crónica  Mexicana,  in  den  dahingehend  bisher
noch  nicht  ausgewerteten  völkerkundlichen
Aussagebereichen  gewinnen“  (S.  IX).
Wegen  der  Fülle  des  Materials  in  der  Crónica ­
  Mexicana  wurde  die  Untersuchung  auf
bestimmte  Bereiche  begrenzt:  die  exemplarische ­
  Untersuchung  der  Tracht  als  Ausschnitt
der  materiellen  Kultur,  die  Untersuchung  der
Berichte  über  das  Tlacaxipehualiztli-Fest  und
die  Bestattungsfeiern  für  die  Herrscher,  dazu
die  Totenfeiern  für  die  im  Kampf  verbliebenen ­
  Krieger.  Die  zum  Vergleich  herangezogenen ­
  Quellen  sind  1.  indianische  Quellen,  zu
denen  die  Verfasserin  das  aztekischsprachige
Material,  Codices  der  frühen  Kolonialzeit  und
spanische  Berichte  von  Autoren  indianischer
Herkunft  mit  überwiegend  indianischer  Materialgrundlage ­
  rechnet,  begrenzt  auf  etwa  ein
Jahrhundert  nach  der  Konquista  und  auf  den
engeren  Raum  des  Hochtales  von  México.
Dazu  werden  gelegentlich  Quellen  herangezogen, ­
  die  außerhalb  dieses  Raumes  entstanden ­
  sind;  2.  spanische  Quellen  der  gleichen ­
  Zeit,  soweit  in  ihnen  für  diese  Untersuchungen ­
  wichtiges  Material  zu  erwarten
war.
Ein  Abschnitt  der  einleitenden  Kapitel  ist
der  Stellung  der  Crónica  Mexicana  innerhalb
einer  Gruppe  von  Quellen  gewidmet,  die  eine
bestimmte  mexikanische  Geschichtsauffassung
tradiert,  und  für  die  schon  seit  langem  die
Existenz  einer  gemeinsamen  Grundlage  (die
„Crónica  X“)  postuliert  wird.  Wenn  ihre
Untersuchungen  zu  dieser  Frage,  wie  die  Verfasserin ­
  selbst  sagt  (S.  371),  auch  keine  wesentlich ­
  neuen  Ergebnisse  brachten,  so  Ist  dennoch ­
  die  klare  und  übersichtliche  Zusammenfassung ­
  zu  diesem  Thema  zu  begrüßen.
Die  „exemplarische  Untersuchung  eines  Ausschnittes ­
  der  materiellen  Kultur  in  der  Crónica ­
  Mexicana:  die  Tracht“  umfaßt  den  größten ­
  Teil  der  Arbeit.  Trotz  guter  Quellenlage
bringt  die  Bearbeitung  gerade  der  aztekischen
Tracht  erhebliche  Schwierigkeiten  mit  sich.

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