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Volltext: Tribus, 23.1974

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Barbara Frank 
Briten im geringsten ungewöhnlich. Anders ist es aber, wenn wir die frühere politische 
Autonomie aller Gemeinden oder Großdörfer der Ron, Kulere und Mama und den 
Kriegszustand zwischen ihnen bedenken — zusammen mit der Tatsache, daß die 
Handelsbeziehungen zwischen ihnen unter den unsicheren Verhältnissen der vor 
kolonialen Zeit sogar intensiver waren als heute, wo sie teilweise durch fremde 
Händler und Importgüter an Bedeutung verlieren. Wenn viele Nachbargemeinden 
potentielle Feinde sind, erscheint es sehr viel einfacher, selbst zu erzeugen, was man 
erzeugen kann, statt es aus der feindlichen Umgebung einzuhandeln. Ein Vergleich 
mit anderen Ethnien des Jos-Plateaus, über die wir in dieser Hinsicht unterrichtet sind, 
bestätigt das: die Ganawuri, Rukuba und Kofyar waren früher wirtschaftlich fast 
autark 42 43 ). 
Unter den Gütern, die die Ron nur von auswärts bezogen, sind lebensnotwendige 
wie öl, Salz, Getreide-Mörser, Koch- und Speisegefäße. Öl und Salz können sie 
nicht selbst erzeugen, für Mörser und Holzgefäße ist der Rohstoff knapp. Für die 
ebenfalls unentbehrlichen Worfeltabletts und Bierseiher mag der verwendete Rohstoff 
in Daffo selten sein, doch scheint es nicht zwingend, daß man sie gerade aus diesem 
machen muß. Nicht durch Rohstoffmangel zu erklären ist das Fehlen der Töpferei, 
da sie von Hausa in Bokkos seit der Kolonialzeit ausgeübt wird. Auch ist nicht 
anzunehmen, daß Kalebassenpflanzen nur in Muschere gedeihen, da man sie heute 
im Marktort Daffo über die Dächer ranken sieht, und da andere Kürbisgewächse 
allenthalben auf den Feldern stehen. Auffälligstes Beispiel für einen nicht not 
wendigen Handel sind die Regenumhänge für Männer. Das Material für sie wächst 
in Daffo, ihre Herstellungstechnik wird vielfach, auch für andere Gegenstände, 
angewandt, es gibt auch einige Spezialisten, die Umhänge hersteilen, aber die Mehr 
zahl wird doch von Muschere gekauft. Wir stellen also fest, daß verschiedene not 
wendige und nach den Rohstoffvorkommen durchaus mögliche Handwerke nicht 
zu den traditionellen Tätigkeiten der Ron gehören. 
Gibt es einen Grund für diese an sich unnötige Abhängigkeit von vielfach feind 
lichen Nachbarn? Über das ganze Ron-Gebiet verteilt gibt es zwei heute kulturell 
und sprachlich nicht mehr unterscheidbare Abstammungsgruppen, die Mapun und 
die Daress. Jeder Ron weiß, zu welcher er gehört. Die Mapun bilden die herrschende 
Schicht, d. h. das Amt des Chiefs (saf) und andere einflußreiche Ämter hat stets 
ein Mapun inne. Ihre Vorfahren sind aus dem Osten eingewandert; die letzte 
historisch feststehende Station, ehe Bokkos ihr Zentrum wurde, war Langkan im 
heutigen Sura-Angas-Grenzgebiet. Die Daress leiten sich von einem Ahnen ab, der im 
Lande selbst aus dem Boden hervorkam. Sie spielen eine untergeordnete Rolle in 
allen Ron-Gemeinden. Vieles deutet auf eine alte kulturelle Verwandtschaft der 
Daress zur Bevölkerung des Plateau-Randes hin, und es ist anzunehmen, daß charak 
teristische gemeinsame Kulturzüge der Kulere und Ron auf die Daress-Komponente 
bei den Ron zurückgehen 42 ). Die schon erwähnten Traditionen, daß die Bevölkerung 
42 ) Berthoud 1969; Müller 1972; Netting 1968, 123. 
43 ) Ausführlich ist das Problem der Daress und Mapun dargestcllt in Frank 1974.
	        
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