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Volltext: Globus, 61/62.1892

Dr.»Ed. Hawelka: Leichenbretter im Braunauer Ländchcn. 
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geschält. Die Rinde dient zum Dachdecken, und zwar nach 
weislich mindestens seit dem Ñ. Jahrhundert. Sie dient 
weiter zum Umwickeln des unteren Endes von Pfählen, um 
sie gegen Fäulnis I zu schützen. Wo die Eiche fehlt, wird 
mit Birkenrindenlohe gegerbt. Allerlei Geräte, Körbe und 
selbst Schuhe werden aus der Rinde geflochten. Ja im 
16. Jahrhundert und später hat man dieselbe zum Ersatz des 
Schrcibpapieres herangezogen, und gegenwärtig drehen finn- 
märker Lappen ihre Zigarretten ans Birkenrinde. Durch 
trockene Destillation wird aus der Rinde der nützliche Birken 
teer oder das Juchtenöl gewonnen, und die zurückbleibende 
Kohle findet im Gelbgießergewerbe Verwendung. Das 
Holz dient zu Schnitzarbeiten, die Zweige liefern Besen und 
Rute. Aus dem Saft des angebohrten Baumes wird ein 
alkoholisches Getränk gewonnen, auch dient er zur Würze 
einer besondern Suppe. Aus den Blättern gewinnt man 
Farbstoffe für die Wolle, und endlich hat dieser vielseitige 
Baum auch einige Heilmittel geliefert. Altnordische Ge 
setze regeln den Verkehr mit Birkenrinde. In südnor- 
wcgischen Gräbern, deren Anlage man ins 5. bis 7. Jahr 
hundert verlegt, finden sich häufig Gefäße aus Eibenholz, 
welche mit Birkenteer gedichtet sind. Auch in Schweden 
und Schottland ist die Birke ein wertvoller Baum. Über 
ihre Benutzung in Rußland berichtet Köppen. Im Gouver 
nement Kostroma waren 1870 mehr als 12 000 Menschen 
mit dem Einsammeln der Birkenrinde für fast 600 Teer 
hütten beschäftigt. Die Schälung geschieht dort alle 20 
Jahre, und wird bei der zweiten oder dritten Wiederholung 
der Bestand abgetrieben. Auch in Rußland werden Ge 
räte aus Birkenrinde gefertigt, auch dort war sie — wenig 
stens früher in Kurland — zum Dachdecken im Gebrauch. 
Die Maserknollen gelten als wertvolles Nutzholz. Aber 
auch in Mitteleuropa hatte die Birke früher ein größeres 
Ansehen als jetzt. Noch Chamisso -) hält sie für wertvoller 
als die Kiefer, und würdig, diese in den Wäldern des 
Sandbodens zu ersetzen. Auch Becker I rühmt ihren Nutz 
wert im Verhältnis zu ihrer Genügsamkeit. Eine Urkunde 
des brandenburgischen Markgrafen Waldemar aus dem An 
fang des 14. Jahrhunderts I rechnet die Birke zu den wert 
vollen Bäumen, nach Eiche und Buche, aber vor Esche und 
Kiefer. Ein 1859 bei Schwaan in Mecklenburg ausge 
grabenes Thongefäß, tvelches nach den darin enthaltenen 
Münzen ans der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts 
stammte, war mit Streifen von Birkenrinde ausgefüttert 5 ). 
Dagegen ist die Birke in den laubwaldrcichen westdeutschen 
Gegenden als „unfruchtbares" und „weiches" Holz schon 
im Mittelalter minderwertig gewesen. Über den wirtschaft 
lichen Wert der Birke im alten Gallien berichtet Plinius 
(XVI, 18): „(lallioa haec arbor mirabili candore 
atque tenuitate, terribilis magistratuum virgis, eadem 
circulis, item corbium (coi'bis, m. s. v. w. Korb) costis. 
Bitumen ex ea (lalli excoquunt.“ In Indien dient die 
Rinde von B. Bhojpattra als Schreib- und Packpapier, zu 
Sonnenschirmbezügcn u. dcrgl. mehr, in Kaschmir und 
Kunawar auch zum Dachdecken und wird massenweise aus 1 
1 ) Beispiele für die Haltbarkeit der Birkenrinde. Siehe 
bei Lisch, Jahrb. d. Vereins s. mecklenb. Geschichte u. s. w. 
XXVI, S. 244. 
2 ) A. v. Chamisso, Übersicht der nutzbarsten und schädlich 
sten Gewächse, welche wild oder angebaut in Norddeutschland 
vorkommen, 1827. 
3 ) Beschreibung der Bäume und Sträucher, welche in 
Mecklenburg wild wachsen. 2. Ausl. 1805. 
Riedel, Novus Codex diplomat. brandenburg. A. VII, 
p. 308. 
5 ) Lisch, a. st. C. 
den Bergen in die Ebene ausgeführt, weil sie auch bei 
religiösen Gebräuchen der Hindus Verwendung findet. Die 
Rinde der B. acuminata ist dickblütteriger und wird nicht 
gebraucht — daraus erklärt cs sich, daß der altindogerma 
nische Name auf diese Art weniger angewandt wird. 
Zu welchen Schlüssen berechtigt nun vorstehendes hin 
sichtlich der Urheimat der Jndogermanen? Eigentlich nur 
zu der Annahme, daß diese Urheimat zil suchen ist innerhalb 
des Verbreitungsgebietes der Betula alba oder Bhojpattra. 
Wenn wirklich die arischen und europäischen Sprachen nicht 
mehr Pflanzennamen miteinander gemein haben, als bis 
jetzt sicher nachgewiesen sind, dann ist weiter zu schließen, 
daß in der Urheimat der Jndogermanen entweder neben der 
Birke (und event. Weide, die auch als Strauch gedacht 
werden kann) gar keine Bäume vorhanden, oder daß die 
vorhandenen weniger nützlich waren, oder daß nur noch 
Nutzbäume vorhanden waren, deren Kenntnis einem Teil 
der Stämme bald verloren ging, und deren Kenntnis auf 
sehr ähnliche nicht übertragen werden konnte. 
Lcichenbrctter im Braunaner Ländchcn. 
Von Dr. Ed. Hawelka. 
Der Gebrauch der Leichenbretter, den F. Kaiblcr in einem 
ausführlichen Aufsätze (Bd. BIX, S. 180) in dieser Zeit 
schrift besprochen, findet sich auch im Braunaner Ländchcn 
in Ostböhmen. 
Eingeschlossen im Westen vom Faltengebirge und dessen 
Fortsetzung, der Heuscheuer, im Osten von den Vorbergcn 
des Eulengebirges liegt ein fruchtbares Gefilde, die „Braune 
All", bewohnt von einer kernfesten deutschen Bevölkerung 
fränkischen Stammes, die seit dem 13. Jahrhundert hier an 
sässig, treu Sitten und Gewohnheiten ihrer Vorfahren be 
wahrt. Von diesem zähen Festhalten am Althergebrachten 
zeugt auch die eigentümliche Sitte der Leichenbretter, die seit 
vielen Jahrhunderten hier geübt, sich trotz mancher Verbote 
seitens der Obrigkeit bis zum heutigen Tage erhalten hat. 
Dieser Brauch findet sich zwar nicht mehr in der Stadt 
Braunau selbst, herrscht aber in den umliegenden Dörfern 
ungeschwächt fort. In letzteren wird die Leiche, bis der 
Sarg aus der Stadt ankommt oder vom Ortstischler gefertigt 
wird, auf ein neues Brett von entsprechender Länge (40 bis 
190 cm) gelegt. Nack) dem Begräbnisse schreibt der Tischler 
mit weißer, schwarzer oder roter Farbe den Namen des Ver 
storbenen und das Sterbedatnm darauf. Dazu kommt bis 
weilen die Bitte, für den Toten ein Vaterunser zu beten. 
Diese Bretter legt man längs des Weges, über Gräben, 
als Steg allf sumpfige Wiesen, überhaupt dorthin, lvo viele 
Leute vorbeigehen, die des Verstorbenen gedenken sollen. Ge 
funden werden sie überall im Braunaner Gebiete, besonders 
zahlreich aber bei den Dörfern Schönau, Dittersbach, Barz- 
dorf, Wcckersdorf. 
Bezüglich der Ausschmückung der Bretter herrschen zwei 
Grnndtypeu vor. Erstens: die Vorderseite des Brettes ist 
entweder mit drei, der Länge nach untereinander stehenden 
Kreuzäien von verschiedener Form versehen und die Auf 
schrift ist nach Thunlichkcit in den Zwischenräumen unter 
gebracht, und zwar wird hier immer der Name und das 
Sterbedatnm rc. voll ausgeschrieben — oder zweitens: die 
Vorderseite des Brettes enthält als figuralen Schmuck ein 
großes Kreuz auf einem Postamente aufgemalt. Zu beiden 
Seiten des Längsbalkens des Kreuzes stehen dann die Anfangs 
buchstaben des Namens, unter dem Postamente wird dann 
das Sterbejahr eingezeichnet.
	        
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