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Objekt: Anthropos, 31.1936

Das gezähmte Pferd im neolithischen u. frühbronzezeitlichen Europa? 123 
Funde besagen selbst dann nichts, wenn sich die Pferdeknochen unter Haus 
tierknochen finden. Soll man annehmen, daß die Bewohner dieser Plätze die 
Reste ihrer Mahlzeiten unter dem Gesichtspunkt: wilde Tiere, zahme Tiere 
sortiert hätten? Dazu kommt, daß die naturwissenschaftliche Forschung mit 
den bisherigen Aussagen der Archäologie als mit unanfechtbaren Daten 
rechnet. Hilzheimer, der die spärlichen neolithischen Pferdereste auf euro 
päischem Boden eher als Zeugnis für das Nichtvorhandensein der Zucht deuten 
möchte, gibt nur auf Grund der Halberstädter Trense die Möglichkeit einer 
Domestikation gegen Ausgang der Steinzeit zu 87 . Und wenn er annimmt, 
daß das Pferd während der Bronzezeit überall in Mitteleuropa heimisch war, 
so deshalb, weil man „seit Beginn der Bronzezeit aus Hirschhorn geschnittene 
Zaumstangen kennt“ 88 . Auch Antonius stützt sich bei der zeitlichen An 
setzung auf archäologische Beweise. 
Sieht man von diesen nicht der Naturwissenschaft entnommenen Argu 
menten ab, so ist zunächst die Tatsache festzustellen, daß Pferdeknochen im 
neolithischen und frühbronzezeitlichen Europa nur selten anzutreffen sind. 
Besonders lehrreich sind auch hier wieder die Untersuchungen Pira’s über 
die Höhle von Stora Karlsö, wo in mächtigen Kulturschichten ungeheure 
Massen von Tierknochen aufbewahrt sind. Das Pferd tritt in den ältesten 
Schichten, die ganz überwiegend aus Robbenabfällen bestehen, gar nicht auf. 
In den mittleren Straten bleibt es selten. In den jüngsten Schichten dagegen, 
die bis ins Eisenalter hinabgehen, wird es häufig. 
Auch auf festländischem Boden sind Pferdeknochen im Neolithikum und 
frühen Bronzealter nicht zahlreich. Die Liste der in den aufgeführten Kultur 
bezirken Südwestdeutschlands gefundenen Tierknochen aus dem Vollneolithi 
kum nennt für das Pferd folgende Ziffern 89 : 
Michelsberger Kultur . 
Hinkelstein-Kultur . . 
Süddeutsche Stichkeramik 
Schussenrieder Keramik 
Spiralkeramik .... 
Schnurkeramik . . . 
Megalithkeramik . . . 
Glockenbecherkeramik . 
Zonenbecherkeramik 
Aus den neolithischen und frühbronzezeitlichen Pfahlbauten ließen sich 
ähnliche Ziffern beibringen. Über einige Pferdegräber später. 
Hinsichtlich der Pferderassen ist es allseitig anerkanntes naturwissen 
schaftliches Faktum, daß innerhalb Europas im 2. Jahrtausend zwei, nach 
anderer Auffassung drei Pferderassen vorhanden waren. Die eine, ein warm 
blütiges Pferd, ist derselben Abstammung wie die meisten oder alle prä 
historischen Rassen Vorderasiens und Ägyptens; auch Indien und im Zusam 
87 Hilzheimer, a. a. O., 112—113. 
88 Daselbst, 113. 
89 Ernst Wahle: Die Besiedlung Südwestdeutschlands, 1920. Röm.-Germ. Komm., 
12. Bericht. 
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. 3 mal 
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