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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 111.1986

Sigrid Westphal-Hellbusch 
10.6.1915 — 1.2.1984 
Viel zu früh für Angehörige und Freunde, zu früh aber auch für die Wissen 
schaft ist am 1. Februar 1984 Sigrid Westphal-Hellbusch gestorben. Der Elan, 
mit dem sie nach ihrer Pensionierung für ihren Mann und sich einen neuen Le 
bensmittelpunkt schuf, die Lebendigkeit in der nie abreißenden fachlichen Dis 
kussion, die Anteilnahme, die sie auch während ihrer schweren Krankheit bis 
kurz vor ihrem Tode an Menschen wie an Fragen ihres Berufs zeigte, beweisen, 
daß ihre Lebensuhr im Grunde noch lange nicht abgelaufen war. Der Verlust hat 
uns alle, die wir in persönlichem Kontakt zu ihr standen, hart getroffen. 
Sigrid Westphal-Hellbusch wurde am 10. Juni 1915 als Tochter des Archi 
tekten und Diplom-Ingenieurs Erwin Hellbusch und seiner Ehefrau Martha, geb. 
Philippi, in Rendsburg geboren. Ihre Schulzeit verlebte sie in Berlin, wo sie im 
März 1934 die Reifeprüfung am I. Oberlyzeum in Neukölln ablegte. Politisch 
„unzuverlässig“, wurde sie nicht sofort zum Studium zugelassen. Nach einem 
halbjährigen Arbeitsdienst (Mai bis November 1935) wurde sie dann zum Winter 
semester 1935/36 an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin immatriku 
liert. Hier studierte sie die Fächer Ethnologie, Anthropologie, Psychologie und 
Geographie bei Richard Thurnwald, Diedrich Westermann, Eugen Fischer, Gott 
schalk und Norbert Krebs. 
Besonders Thurnwalds neue, unkonventionelle Ideen zur ethnologischen 
Theorienbildung, die mehr im angelsächsischen als im deutschsprachigen Raum 
Widerhall fanden, wie auch sein Bestehen auf dem Primat der Feldforschung 
prägten seine begeisterungsfähige und gleichzeitig nüchtern denkende Schülerin 
vor allen anderen. Bei ihm promovierte sie auch 1940 mit einer Arbeit über den 
„Einfluß der Jagd auf die Lebensformen der Australier“. 
Im nun schon zweiten Kriegsjahr trat sie am 1. 12. 1940 in den Dienst des 
Museums für Völkerkunde Berlin, zunächst als Volontärin, später als wissen 
schaftliche Hilfskraft in der Abteilung Südsee. „Von der Pike auf“ lernte sie hier 
die Museumsarbeit kennen, je dünner die Belegschaft wurde, desto intensiver. 
Daneben bereitete sie stetig ihre Habilitation vor. Als die Bedrohung durch den
	        
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