Besprechungen
445
Raymonde Wiener, Un sector al muzeülui etnografic in aer liber din Sibiu — Tehnici si
mestesuguri populäre folosite la prelucrarea pieilor, fibrelor animale si vegetale (Ein Sektor des
ethnographischen Freilichtmuseums in Sibiu — Die Bearbeitung von Fellen sowie tierischen
und pflanzlichen Fasern) [113 — 120]. Die Berichterstattung erstreckt sich auf 4 installierte
und 5 vor dem Aufbau stehende Einheiten und zeigt daran die thematische Feinstruktur
des kleinsten, aber interessanten Sektors, der 3 Abteilungen mit den zugehörigen Unter
gruppen umfaßt: 1. Technik, Methodik und Hilfsgerät zur Bearbeitung der Tierbälge,
2. Technik und Geräte bei der Bearbeitung tierischer Fasern (Schaf, Ziege, Seidenraupe),
3. Technik und Gerät bei der Herstellung von Textilien aus Pflanzenfasern.
Tancred Bänäjeanu, 0 ineditä forma de reclamä pentru desfacerea produselor de ceramicä
(Eine bisher unbekannte Art der Kundenwerbung in der Töpferei [121 — 126]. Die Töpferei
in Nordbuzäu ist ergologisch ergiebig durch technische Varianten beim Prozeß des Bren
nens, mehr aber noch durch anziehende Formen der „Reklame“. Diese nutzt auf dem Wochen
markt die dort stark auffallende Maske aus gebranntem Ton, die nur zur Erregung eines
„Spektakels“ getragen wird. Die Maskenausführung ist recht sorgfältig und ergänzt das
tönerne Gesicht durch echte Haare, Bart und Färbung, indessen handelt es sich um einen
singulären — nur von der „Konkurrenz“ hier und da aufgegriffenen Einfall.
F. H. Sonnenschein, Lebendige Technikgeschichte. — Das Westfälische Freilichtmuseum
technischer Kulturdenkmale (Istoria vie a tehnici. Muzeul westfalian in aer liber al monumen-
telor de culturä tehnice) [127 —136]. Das gleiche Jahr 1905, das dem Museum in Sibiu
einen ersten Vorläufer in der damaligen Ausstellung der rumänischen patriotischen Ge
sellschaft „Astra“ brachte, bewirkte auch eine erste Konzeption für das Museum in Hagen/
Westf., das etwa 1972/75 seine Tore dem Besucher öffnen wird und sich zur Zeit im zügigen
Aufbau befindet. Nur wird es, bei der geringen Ausbildung der rein bäuerlichen Technik
und deren Rezeption durch das „Bäuerliche Freilichtmuseum in Detmold“ im wesentlichen
die Handwerksgeschichte und die kleinindustrielle Technik der Manufaktur spiegeln.
Bibliografia generalä privind mestesugurile si instalatiile tehnice populäre in publicatiile
noi romanc§ti (Allgemeine Bibliographie über die Handwerke und bäuerlichen Industrie
anlagen in neuen rumänischen Veröffentlichungen) [145 — 147]. Den eindrucksvollen Band
beschließt eine Bibliographie mit 72 Titeln — und wenn sich bisher die Kritik erübrigte,
da alle Beiträge ihre Zielsetzung voll erreichten, so muß zu diesem Versuch allerdings ge
sagt werden, daß er mißglückt ist. Schon die Fußnoten des gleichen Bandes bieten weit
mehr! Wenn man der rumänischen Forschung sehr fern steht, kann man allenfalls sehen,
daß V. Butura oder C. Irimie zu den führenden Forschern gehören — aber jeder, der auch
nur ganz lose Kontakte mit den rumänischen Kollegen hat, kennt deren Arbeitspensum
besser, von dem zu schweigen, der aus enger Verbindung die enorme Weite der ethnogra-
phisch-ergologischen Sachforschung überblickt, so daß ihn die Lücken stark befremden
müssen. Richtig ist an dieser „bibliografia generalä“ nur der Grundgedanke: ohne biblio
graphische „Information und Dokumentation“ darf heutzutage eine wissenschaftliche Ver
öffentlichung vom Rang des Cibinium nicht mehr hinausgehen.
Abschließend scheint es mir angezeigt zu bemerken, daß diese vom Geleitwort bis zur
Bibliographie klar durchgehaltene Museums-Konzeption die Entschließung des Inter
nationalen Symposium Ochrana technickych pamdtek, Praha 27.9. — 1. 10. 1966 vorweg
nimmt: Dort wurde festgelegt, prinzipiell die „Ingenieurtechnik“ dem Museum für Technik,
dagegen die „Volkstechnik“ dem ethnographischen Museum zuzuweisen, wie das in den
Diskussionsbeiträgen von J. Pazdur-Warszawa und H. Wilsdorf-Dresden vorgeschlagen
wurde.
Helmut Wilsdorf, Dresden