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Törichte über Leipzig-Stadt und Land gefunden, da der betreffende Berichterstatter erklärt, hier
über keine Angaben machen zu können."
. „Unter den 3135 an Influenza erkrankten Mannschaften des Armeekorps wurden in 53 Fällen
Recidive beobachtet, mithin in 1,7 % aller Fälle."
„Der Verlauf der Rekonvalescenz."
„Die allgemeine Erfahrung über den Verlauf der Rekonvalescenz nach der Influenza geht dahin,
daß dieselbe bei Kindern und jungen sonst gesunden und kräftigen Leuten und in nicht komplizirten Fällen
emen raschen Verlauf genommen habe, so daß die Krankheit dann binnen 8 bis 14 Tagen als ab
geschlossen hat erachtet werden können; daß aber auch im Gegensatze zu einem solchen raschen und
günstigen Verlaufe die Rekonvalescenz zumal bei älteren, durch die Krankheit geschwächten oder bei
zuvor schon schwächlichen Personen, oder in Folge von schweren Komplikationen eine langsame, sich
durch Wochen und selbst Monate hinziehende gewesen sei, so daß es vielfach noch im April und Mai
Personen gegeben habe, die sich noch nicht völlig erholt hatten, indem sie über anhaltende Mattigkeit,
Schwere in den Gliedern, Appetitlosigkeit, Bronchialkatarrh, neuralgische Beschwerden n. s. w. klagten."
„Einfluß der Influenza auf bestehende Krankheiten."
„Die überwiegende Mehrzahl der bezirksärztlichen Berichte spricht sich dahin aus, daß die
Influenza einen verschlimmernden Einfluß auf bestehende Krankheiten, namentlich der Athmnngsorgane
gehabt habe. In letzterer Beziehung wird insbesondere des verschlimmernden Einflusses der Influenza
auf den Verlauf einer bereits bestehenden Lungentuberkulose gedacht. So wird aus dem Medizinal
bezirke Pirna gemeldet, daß in 17 Fällen eine bis dahin chronisch verlaufende Phthtise durch Hinzutritt
der Influenza einen akuten Verlauf genommen und 15 mal rasch zum Tode geführt habe. Aus dem
Medizinalbezirke Dippoldiswalde wird bemerkt, daß im ersten Quartale 1890 die Zahl der Todes
fälle an Lungenschwindsucht gegen früher bedeutend zugenommen habe, indem diese Zahl, die tut ersten
Quartale im fünfjährigen Durchschnitte von 1886 bis 1889 nur 25,4 betragen habe, auf 45 tut ersten
Quartale gestiegen sei. Dieselbe Wahrnehmung wurde tut Medizinalbezirke Glauchau gemacht, wo
die Sterblichkeit an Lungenschwindsucht im Januar 1890 wesentlich höher als sonst war. Denn es
starben in diesem Monat tut ganzen Bezirke überhaupt 61 Personen an dieser Krankheit, während sonst
m vierjährigem Durchschnitte von 1886 bis 1889 nur 29,25 Personen im Januar daran gestorben
waren. Desgleichen wird aus dem Medizinalbezirke Chemnitz die sehr nngünstige Beeinflussung der
Lungenschwindsucht durch die Influenza ganz besonders hervorgehoben, indem in vielen Fällen, welche
zum Stillstand gekommen seien, die Tuberkulose rasch um sich gegriffen habe und dadurch ihr tödtliches
Ende beschleunigt worden sei. In auffälligem Gegensatz zu dieser, auch in der Mehrzahl der übrigen
Berichte bestätigten Beobachtung steht die in dem Berichte über den Medizinalbezirk Leipzig enthaltene
Thatsache, daß in den Verhandlungen der medizinischen Gesellschaft zu Leipzig betont worden sei, daß
die Jnfluenzapneumonie die Entwicklung der Lungentuberkulose tiicht beschleunigt habe."
„Auch auf bestehende chronische Herzleiden hat die Influenza nach mehreren Berichterstattern
einen verschlimmernden Einfluß ausgeübt; im Medizinalbezirke Löbau wurde ein Fall von Diabetes
beobachtet, der in Folge hinzngetretener Influenza einen raschen tödtlichen Verlauf nahm. Im Ganzen
wurde die Erfahrung gemacht, daß zahlreiche, schwächliche und kränkliche Personen durch die Influenza
hingerafft worden sind." '
„Es sind aber auch einzelne Beispiele mitgetheilt worden, in welchen das Gegentheil beobachtet
wurde, nämlich die Besserung, beziehentlich das völlige Verschwinden von jahrelang bestehenden Leiden
durch das Ueberstehen der Influenza. So wird aus Hainichen-Stadt berichtet, daß ein 65jähriger
Mann, der in Folge von chronischem Bronchialkatarrh und Bronchialerweiternng an hochgradigen
asthmatischen, ihm alle Nachtruhe raubenden Beschwerden jahrelang gelitten hatte, von letzteren vvll-
ltändig befreit blieb, als er von einer Jnflnenzapneunomie ergriffen wurde, und daß das Ausbleiben
tefer Beschwerden anhielt, solange wenigstens die ärztliche Behandlung und Beobachtung attdauerte.
^In gleicher Fall wird ans dem Medizinalbezirk Planen mitgetheilt, daselbst kamen außerdem 2 Fälle
in welchen die betreffenden Kranken durch das Neberstehen der Influenza jahrelang bestehende
Gaitralgien verloren."
Württemberg.
Beginn der Erkrankung.
beginn meist mit großer Abgeschlagenheit, körperlicher Ermattung, Unwohlsein, von leichtern
'' ehagen an bis znm Gefühl schwerster Erkrankung gesteigert, Appetitmangel, Schlingbeschwerdeit,
e elkeit und Schlaflosigkeit, mit lästigen Kopf-, Nacken-, Glieder- und Krenzschmerzen, Nasen- und
ugenkatarrh, zuweilen nur mit leichtem Frösteln, vielfach mit plötzlich eintretendem Schüttelfrost und