Der westliche Hoka-Komplex
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(1) Südkalifornien
(2) Halbinsel Baja California
(3) Nordost-Arizona
(4) Unteres Coloradotal
(5) Sonora
(6) Sonora-Küste
(7) Nördliche Sierra Madre
(8) Fuerte-Yaqui-Tiefland
Diese Bezeichnungen sind geographische Bezeichnungen, d. h. sie beziehen sich
auf geographisch abgrenzbare Räume und sind nur bedingt als Kulturräume aufzu
fassen. Vergleichen wir sie mit dem Verbreitungsgebiet der Sprachen, so können wir
eine der sprachlichen Dichotomie entsprechende kulturgeographische Zweigliederung
nicht feststellen. Wir stehen vielmehr einer Vielzahl von — anscheinend — gleich
wertigen und gleichförmigen Teilräumen gegenüber. Dieses undifferenzierte Neben
einander läßt uns weder die kulturgeschichtliche Situation dieses Gebietes noch, wie
wir später sehen werden, eine ethnische oder ökonomisch bedingte Gliederung erken
nen. Erst wenn wir die geographischen Areale mit den Sprachen der dort lebenden
ethnischen Gruppen identifizieren — was sich in diesem Teil Nordamerikas in ver
tretbarer Weise durchführen läßt, weil innerhalb des relativ kleinen Raumes die
einzelnen Teilräume scharf voneinander unterschieden sind — erst dann erkennen
wir in diesen Arealen Teile jener Sprachverbreitungsgebiete wieder, mit denen wir
uns eingangs befaßt haben. Legen wir jqtzt die beiden Verbreitungskarten neben
einander, dann können wir folgende Einzelheiten erkennen;
(1) Südkalifornien mit Ausnahme seines nordwestlichen Teiles entspricht der vom
Großen Becken her vorgeschobenen Zunge schoschonischer Sprachen. Der nord
westliche Teil dieses Kulturareals wird von den Chumash, Esselen und Salinan
eingenommen, die zur Hoka-Sprachfamilie zählen.
(2) Die Halbinsel Baja California, die von Kroeber als einheitliches Kulturareal
betrachtet wird, ist weder geographisch noch ethnisch homogen. Vielmehr kann
man geographisch drei Landschaftsräume auf Baja California unterscheiden:
einen nördlichen mit Gebirgs- (San Pedro Märtir-Gebirge) und Steppencharakter
bis etwa 29 1 /2° n. Br., einen mittleren mit Halb- bis Vollwüste bis etwa zum
24. Breitengrad und einen südlichen, der durch seine zum Teil innerhalb des
Wendekreises liegende Zone zahlreiche Niederschläge erhält und dementspre
chend eine üppige Vegetation aufweist 6 ). Ethnisch muß man mindestens zwei
Bevölkerungen unterscheiden: Der nördliche und mittlere Teil der Halbinsel
wird von den Yuma sprechenden Diegueno und Cochimi eingenommen, denen
wahrscheinlich auch noch die weiter südlich wohnenden Waicurä zuzurechnen
sind; der südliche Teil wurde von den sprachlich völlig isolierten Pericu bewohnt,
deren technisches Inventar auf die Zugehörigkeit zu einer sehr alten Vorbevöl
kerung hindeutet, die von den von Norden einströmenden Hoka-Leuten immer
G ) Klute: 432 ff.; Merrill: 972 ff.