B. Referate. 3. Urgeschichte.
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von Finnland Besitz ergriffen haben. Was die Sitte der Leichenverbrennung
anbeträfe, deren Vorkommen in Finnland Montelius als einen sicheren
Beweis für germanische Besiedelung auffasste, so könne dieselbe leicht von
einem Volke auf das andere übergehen, wie das Beispiel der Liven in Liv
land, bei welchen Leichenverbrennung im 13. Jahrhundert geschichtlich
nachgewiesen ist, beweise. Auch die alten schwedischen Ortsnamen in
Nyland könnten kaum als Beweise für die Existenz einer schwedischen
Bevölkerung zur Heidenzeit herangezogen werden. Sie wären nämlich
höchstwahrscheinlich von den schwedischen Kolonisten des 12. bis
14. Jahrhunderts, den Vorfahren der jetzigen schwedischen Küstenbevölkerung,
eingeführt worden. Mag. phil. A. Hackman-Heising,fors.
127. Hj. Appelgren: Eine Fibel aus der Yölkerwanderungs-
periode, gefunden auf der Insel Tytärsaari. (Finnisch.)
Suomen Museo 1897. S. 75 — 76. (Derselbe Fund kürzer be
schrieben im Finskt Museum. 1897. S. 78.)
Die Fibel gehört einem skandinavischen Typus des 6. Jahrhunderts
an (vgl. Montelius, Antiquités suédoises Fig. 440). Bemerkenswert ist der
Fundort — eine Insel mitten im Finnischen Meerbusen, in der Nähe der
grossen Insel Hogland. Mag. phil. A. Hackman-Heising fors.
128. Hj. Appelgren: Ein Brandgrab auf dem Friedhofe von
Yliskylä (Öfverby) im Kirchspiel Bjerno (Houv. Abo.)
(Finnisch.) Finskt Museum 1897. S. 60—65.
Das Brandgrab, ein zerstörter Grabhügel, enthielt eine Menge Waffen
aus der Zeit um 600 n. Chr., sowie 850 Nietnägel. Die letzteren müssen
zu einem Fahrzeug gehört haben, in welchem die Leiche verbrannt wurde.
Mag. phil. A. Hackman-Helsingfors.
129. A. Hackman. Über Leichenverbrennung in Böten während
der jüngeren Eisenzeit in Finnland. (Finnisch.) Finskt
Museum 1897. S. 66—93.
Verfasser macht auf das zahlreiche Auftreten von Nietnägeln in
Gräberfeldern der jüngeren Eisenzeit im westlichen Finnland aufmerksam
und nimmt an, dass diese Nägel von Böten herstammen, mit denen die
Toten verbrannt wurden. Zu derselben Zeit war der Brauch, die Leichen
in Schiffen zu verbrennen oder mit dem Schiffe oder Boote zu begraben,
in dem skandinavischen Norden sehr verbreitet. (Die Funde von Vendel,
Sandefjord etc.) ln Finnland findet man die Spuren dieser Sitte zumeist
in Grabfeldern mit Resten von verbrannten Leichen und Beigaben, welche
in geringer Tiefe unter dem Rasen ohne Ordnung zerstreut oder mehr
gesammelt in flachen Brandgruben herumliegen.