Zum Hauptinhalt springen
Page Banner

Volltext: Arbeiten aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte, 25.1907

Agglutinin beladenen Bakterien zu Flocken erfolgt. Die augenblicklich oder wenigstens in kürzester Zeit erfolgende Bindung der beiden reagierenden Körper vorausgesetzt, ließ sich annehmen, daß sich das Stadium der Häufchenbildung auf mechanischem Wege, z. B. durch Zentrifugieren, erheblich beschleunigen lassen mußte, indem die Bakterien durch die dauernd in einer Richtung erfolgende Schleuderbewegung zunächst zu kleinsten, nur aus wenigen Individuen bestehenden Häufchen und diese dann wieder zu größeren Konglomeraten vereinigt werden. Diese Vermutung bestätigte sich in vollkommenstem Maße bei einer mit stark verdünntem Typhusimmunserum und in der Folge mit über 100 Patientenseris gemachten Untersuchungen, welche in folgender Weise ausgeführt wurden. Die zum Zentrifugieren bestimmten Röhrchen wurden mit 0,1 ccm des zehnfach verdünnten Patientenserums, 0,7 ccm physiologischer (0,85%) Kochsalzlösung und 0,2 ccm Typhus- resp. Paratyphusbakterienaufschwemmung beschickt, während ein zweites Gläschen zur Kontrolle mit 0,8 ccm Kochsalzlösung und 0,2 ccm Bazillen­ aufschwemmung gefüllt wurde. Beide wurden nach sorgfältiger Mischung 10 Minuten zentrifugiert und gelangten darauf zur Besichtigung. Mit weniger hohen Verdünnungen habe ich grundsätzlich niemals gearbeitet, da nach den neueren Erfahrungen das Serum noch in hundertfacher Verdünnung agglutinierende Eigenschaften besitzen muß, um für die Diagnose von maßgebender Bedeutung zu sein. Zum Vergleich wurden alle Sera von meinem Mitassistenten Herrn Dr. Fornet, dem ich an dieser Stelle meinen besten Dank ausspreche, in der bisher bei uns üblichen Weise untersucht, indem die Röhrchen 4—5 Stunden bei 370 C. und eventuell noch weitere 12 Stunden bei Zimmertemperatur gehalten und einhalb- bis einstündlich besichtigt wurden. Die 10 Minuten lang zentrifugierten Röhrchen hatten bei positivem Ausfall der Reaktion ein äußerst charakteristisches Aussehen. In dem Kont roll röhr che n war die Hauptmasse der Bakterien gleichmäßig suspendiert geblieben und nur ein verschwindend geringer Teil ausgeschleudert worden, welcher sich am Grunde des Gläschens gesammelt hatte und bei Betrachtung von unten als scharf umschriebener, ca. 2 mm im Durchmesser fassender Bodensatz sichtbar war. Bei drei- bis viermaligem Schütteln löste sich diese Masse vollständig auf, sodaß im hängenden Tropfen Zusammenhäufungen von Bakterien nicht nachweisbar waren. Auch in dem Serumröhrchen war ein Teil der Bakterien in Suspension ge­ blieben, während sich eine geringere Menge derselben am Grunde des Gefäßes an­ gesammelt hatte. Um diesen Bodensatz als Zentrum hatten sich aber in äußerst cha­ rakteristischer Weise die zu Flocken vereinigten Bakterien sedimentiert. Entsprechend der Agglutininmenge des Serums waren diese Niederschläge das eine Mal als punktförmige Häufchen sichtbar, das andere Mal bildeten sie eine zusammen hängende Masse, deren Umfang den Bodensatz des Kontrollröhrchens um das Zwei- bis Dreifache übertraf. Nach drei- bis viermaligem Schütteln blieben in der Mehrzahl der Fälle makroskopisch deutlich sichtbare Flocken in dem Gläs- chen^zurück. Nur wenn es sich um ein geringwertiges Serum handelte, welches bei ruhigem Stehen die Bazillen z. B. erst nach 5 Stunden agglutinierte, verschwanden die Flocken nach dem Schütteln und ließen sich erst mikroskopisch wieder nachweisen,
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.