Agglutinin beladenen Bakterien zu Flocken erfolgt. Die augenblicklich oder wenigstens
in kürzester Zeit erfolgende Bindung der beiden reagierenden Körper vorausgesetzt,
ließ sich annehmen, daß sich das Stadium der Häufchenbildung auf mechanischem
Wege, z. B. durch Zentrifugieren, erheblich beschleunigen lassen mußte, indem
die Bakterien durch die dauernd in einer Richtung erfolgende Schleuderbewegung
zunächst zu kleinsten, nur aus wenigen Individuen bestehenden Häufchen und diese
dann wieder zu größeren Konglomeraten vereinigt werden. Diese Vermutung bestätigte
sich in vollkommenstem Maße bei einer mit stark verdünntem Typhusimmunserum
und in der Folge mit über 100 Patientenseris gemachten Untersuchungen, welche in
folgender Weise ausgeführt wurden.
Die zum Zentrifugieren bestimmten Röhrchen wurden mit 0,1 ccm des zehnfach
verdünnten Patientenserums, 0,7 ccm physiologischer (0,85%) Kochsalzlösung und
0,2 ccm Typhus- resp. Paratyphusbakterienaufschwemmung beschickt, während ein
zweites Gläschen zur Kontrolle mit 0,8 ccm Kochsalzlösung und 0,2 ccm Bazillen
aufschwemmung gefüllt wurde. Beide wurden nach sorgfältiger Mischung 10 Minuten
zentrifugiert und gelangten darauf zur Besichtigung. Mit weniger hohen Verdünnungen
habe ich grundsätzlich niemals gearbeitet, da nach den neueren Erfahrungen das Serum
noch in hundertfacher Verdünnung agglutinierende Eigenschaften besitzen muß, um
für die Diagnose von maßgebender Bedeutung zu sein. Zum Vergleich wurden alle
Sera von meinem Mitassistenten Herrn Dr. Fornet, dem ich an dieser Stelle meinen
besten Dank ausspreche, in der bisher bei uns üblichen Weise untersucht, indem die
Röhrchen 4—5 Stunden bei 370 C. und eventuell noch weitere 12 Stunden bei
Zimmertemperatur gehalten und einhalb- bis einstündlich besichtigt wurden.
Die 10 Minuten lang zentrifugierten Röhrchen hatten bei positivem Ausfall
der Reaktion ein äußerst charakteristisches Aussehen. In dem Kont roll röhr che n
war die Hauptmasse der Bakterien gleichmäßig suspendiert geblieben und nur ein
verschwindend geringer Teil ausgeschleudert worden, welcher sich am Grunde des
Gläschens gesammelt hatte und bei Betrachtung von unten als scharf umschriebener,
ca. 2 mm im Durchmesser fassender Bodensatz sichtbar war. Bei drei- bis
viermaligem Schütteln löste sich diese Masse vollständig auf, sodaß im hängenden
Tropfen Zusammenhäufungen von Bakterien nicht nachweisbar waren.
Auch in dem Serumröhrchen war ein Teil der Bakterien in Suspension ge
blieben, während sich eine geringere Menge derselben am Grunde des Gefäßes an
gesammelt hatte. Um diesen Bodensatz als Zentrum hatten sich aber in äußerst cha
rakteristischer Weise die zu Flocken vereinigten Bakterien sedimentiert.
Entsprechend der Agglutininmenge des Serums waren diese Niederschläge das eine
Mal als punktförmige Häufchen sichtbar, das andere Mal bildeten sie eine zusammen
hängende Masse, deren Umfang den Bodensatz des Kontrollröhrchens um das Zwei-
bis Dreifache übertraf. Nach drei- bis viermaligem Schütteln blieben in der
Mehrzahl der Fälle makroskopisch deutlich sichtbare Flocken in dem Gläs-
chen^zurück. Nur wenn es sich um ein geringwertiges Serum handelte, welches bei
ruhigem Stehen die Bazillen z. B. erst nach 5 Stunden agglutinierte, verschwanden
die Flocken nach dem Schütteln und ließen sich erst mikroskopisch wieder nachweisen,