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Volltext: Die menschlichen Skeletreste aus dem Kämpfe'schen Bruch im Travertin von Ehringsdorf bei Weimar

A. Körper, 
D 
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Anthropoiden treffen, aber es ist doch nach Spuren einer solchen Bildung zu suchen. Sie finden 
sich auch tatsächlich. Ich erwähne hier einen Grönländerschädel aus Iwigtut, den ich Herrn 
FrRED EpwarpDs verdanke (Fig. 32, d), Bei ihm findet sich an der Rückseite des Kiefermittel- 
stückes ein Wulst von 11,5 mm Dicke (in senkrechter Richtung‘ gemessen), dem die Areae 
geniohyoid. und geniogloss. aufsitzen, die ersteren rück- und abwärts, die letzteren rück- und 
aufwärts gewendet. Dieser Wulst gehört nicht der Basis des Kiefers an, sondern liegt etwas 
oberhalb derselben. Ein zweiter Fall dieser Art wird weiterhin noch besprochen werden. 
Diluviale Kiefer. — Da wir sogar bei rezenten Menschen Anzeichen der Platte 
erkennen, so werden wir mit um so größerer Erwartung bei diluvialen Kiefern auf die Suche 
gehen. Beim Maurer Unterkiefer, den wir wegen seiner Vorzugsstellung bei keiner Frage außer 
acht lassen dürfen, ist ein solcher Wulst wohl aufzufinden, doch ist bei dem im Handel befind- 
lichen Abguß die betreffende Stelle zu wenig deutlich ausgefallen, um sich über dieselbe aus- 
zusprechen. Ich gehe daher gleich auf unseren Ehringsdorfer ein. 
Ehringsdorfer. — Bei dem Ehringsdorfer Erwachsenen treffen wir ein ‚ganz merk- 
würdiges Verhalten. Wir sehen rechts und links von der ansehnlichen noch zu besprechenden 
Area muscularis je einen Wulst, der unterhalb der Fossa sublingualis und oberhalb der Fossa 
digastrica liegt. Es hat sich also hier die Area muscularis in den ursprünglich einheitlichen 
Wulst s. z. s. eingefressen. Dies ist besonders anschaulich bei Oberansicht des Kiefers 
(Taf. V Fig, 1). 
So auffallend diese Bildung ist, und so sehr sie von dem Verhalten der Rezenten abweicht, 
so ist sie doch unter den Diluvialen nicht ganz isoliert. Das was BouLE vom Skelet von La 
Chapelle-aux-Saints beschreibt (1911—1913, S. 87, Taf. V, Fig. 2), ist ganz ähnlich. Bouıie 
bezeichnet hier die beiden seitlichen Wülste als bourrelets transversaux (im Plural) und gibt an, 
daß dieselben für den Kiefer von La Naulette durch Pruner-Bey und durch TorinarD und für 
den von Malarnaud durch Hamy beschrieben worden seien. 
Der Querwulst ist der „Torus transversus inferior“ von Hour ( 1919); die bourrelets 
transversaux der französischen Autoren sind die seitlichen Stücke dieses Querwulstes in solchen 
Fällen (bei diluvialen Kiefern), wo er durch eine mediale Scharte unterbrochen ist. Die morpho- 
ogische Frage ist zu stellen: was ist das Primäre, ein einheitlicher Wulst oder deren zwei? und 
da wir hierauf durch die Basalplatte der Anthropoiden die Antwort erhalten: ein einheitlicher 
Wulst! so fragen wir weiter: welche Umstände konnten veranlassen bzw. ermöglichen, daß der 
einheitliche Wulst in deren zwei zerfiel? Da es die Area muscularis ist, welche sich zwischen 
die beiden seitlichen Wülste schiebt, so können wir nur in ihr den Grund der Trennung sehen, 
wie ich es soeben schon mit den Worten ausdrückte: die Area muscularis hat sich in den 
ursprünglich einheitlichen Wulst eingefressen. Ursprünglich, wie wir es bei den Anthropoiden 
Äinden, stehen die für das Beißen erforderlichen Knochenverstärkungen so sehr im Vordergrunde, 
daß die auf ihnen angesiedelten Muskelansätze keinen Eindruck zu machen vermögen; später, 
mit dem Nachlassen der Beißmechanik und dem Abblassen der daraus auf die Erhaltung der 
Form hinwirkenden Kräfte gewinnen die angrenzenden Muskeln an Einfluß; die einst Mächtige 
wird von denen, die sie achtlos getragen hat, aufgelöst. 
Bei der Besprechung der Area muscularis wird auf diese Verhältnisse zurückzukommen sein.
	        
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