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Bibliographische Daten: Deutsches Jahrbuch für Volkskunde, 2.1956

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Albin Fritsch 
bis zu den Wechselhupftänzen und den Erweiterungen des Paartanzes, den Dreiertänzen, 
die er mit der Beschreibung in „Meier Helmbrecht“ (Wernher der Gartenaere) aus dem 
13. Jahrhundert und der Manessischen Liederhandschrift historisch belegt; bei der Behand 
lung der Scherz- und Geschicklichkeitstänze in diesem Kapitel weist W. nachdrücklich 
auf den Mißbrauch der Tanzscherze durch reisende Theatergruppen und sogenannte „Zug 
nummern“ für den Fremdenverkehr hin, durch die das Volkskunstwerk Tanz oft bis zu 
einem Zerrbild entstellt wurde. Ein von tiefer Verantwortung um Erhaltung und Leben 
des künstlerischen Volksschaffens zeugendes Nachwort beschließt dies wertvolle Buch, 
beschließt das reife Werk eines unermüdlichen Forschers, der den Stoff hierzu auf vielen 
Forschungsfahrten in rund dreißig Jahren und durch umfassendes Literaturstudium ziel 
bewußt und planmäßig gesammelt hat. Prächtige Bilder (zum Teil eigene Aufnahmen des 
Verf.s) unterstützen vortrefflich den Text, ein Sachregister und das Schriftenverzeichnis der 
wichtigsten Werke für die österreichischen Tänze und einiger Schriften zum Volkstanz in 
Europa (mit einer Zusammenstellung der Quellenausgaben österreichischer Volkstänze) 
ergänzen den Text. 
Trotz — oder gerade wegen -— der eminenten Bedeutung von W.s Buch besonders für 
die mit ähnlichen Schriften nicht allzu reichlich bescherte deutsche Volkstanzforschung 
kann der Rez. jedoch nicht umhin, auch kritische Einwände anzumelden. Diese beziehen 
sich in der Hauptsache auf einige von W. selbst als nicht gesicherte Deutungen bezeichnete 
Stellen, besonders aber auf den Abschnitt Gestaltende Kräfte im I. Kapitel. Hier widerspricht 
sich W. offensichtlich selbst: er geht einmal von der rein biologischen Auffassung eines 
triebhaften Ursprungs des Tanzes aus, die in der Behauptung gipfelt, auch das Tier kenne 
den Tanz. Und wenige Zeilen weiter nennt W. ganz andere Auslösungsantriebe, die er mit 
Leichen- und Trauertänzen, Waffentänzen usf. belegt, und kommt zu dem Schluß: „Es 
gibt kaum einen Bereich des Lebens, der tanzfrei bleibt.“ Hierbei gibt W. als Sinn dieser 
Tänze u. a. die Abwehr böser Gewalten, Steigerung des Mutes, magisches Herbeiführen 
des Sieges oder Erlangung vermeintlich überirdischer Kräfte an, also Funktionen des 
Tanzes zur Erhaltung und Sicherung der Existenz, soziale Funktionen des Tanzes als künst 
lerisch geformter Ausdruck naturwüchsiger Affekte. Das ist doch ein augenfälliger, ja 
qualitativ entscheidender Unterschied zu noch so tanzähnlichen Bewegungen bei Tieren. 
Es ist derselbe Unterschied, der die instinktive Ordnung eines „Ameisenstaates“ trennt 
von der bewußten gesellschaftlichen Staatsordnung des Menschen, es ist der entscheidende 
Unterschied, den einmal ein geistvoller Satiriker so treffend charakterisierte, indem er die 
Existenz eines „Ameisenstaates“ negierte, da er noch nie beobachtet hätte, daß Ameisen 
ihren „Staatsmännern“ Denkmäler setzten. 
Solche Einwände gegen einige Ansichten W.s wollen und können indes in keiner Weise 
den wissenschaftlichen Wert seines Buches für die Volkstanzforschung schmälern. Und 
wenn W. im Nachwort seines Buches abschließend feststellt: „So müßten wir Stein um 
Stein Zusammentragen, um das Mosaik zu vollenden“, so kann der Rez., so können seine 
Leser und Freunde feststellen, daß W. bereits einen Teil dieses großartigen Mosaiks der 
Volkskunst seines österreichischen Landes und auch Deutschlands zu schaffen begonnen 
hat. Es ist ihm die Beweisführung überzeugend gelungen, „wie reich wir im Grunde sind, 
wie gehaltvoll, schön und eigenartig die Überlieferung ist, die heute in unserer Hand 
ruht“. Deshalb muß man verantwortungsbewußt, in Österreich wie in Deutschland, W.s 
mahnenden Schlußsatz unterschreiben: „An uns wird es liegen, wieviel davon weiter 
gegeben wird zu künftigem Leben, oder ob wir die Fäden reißen lassen, die von Vätern 
und Vorvätern kommen bis in unsere Tage.“ Albin FRITSCH-Berlin 
von der Au, Hans: Heit is Kerb in unserm Dorf, Tänze rechts und links der Saar. Kassel 
und Basel, Bärenreiter, 1954, 81 und 54 S. 
Mit der vorliegenden Veröffentlichung hat uns Hans von der Au noch ein Jahr vor 
seinem Tode ein letztes großes Teilergebnis aus seinem ungewöhnlich reichen Sammelwerk
	        
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