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K . Th . Preuß : Der Ursprung der Religion und Kunst . 
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der Küste sehr verschieden sind . So fand ich in den feuchtheißen Urwäldern im Gebiete der Ribeira de Iguape zwei solcher Hügel , die fast einzig und allein aus den Gehäusen großer Landschnecken ( Bulimusarten ) , die dort überall häufig sind , bestanden , während ich am mittleren Laufe des Rio Iguassü , in Parana , in unmittelbarer Nähe von Porto Uniäo da Yictoria , einen solchen aus den dort im Flusse viel vorkommenden Uniomuscheln antraf , der entschieden auf ein sehr hohes Alter zurücksiebt . Die darin gefundenen Scherben aus gebranntem Ton und die äußerst primitiven Steinwerkzeuge und verkohlten stücke beweisen , daß sie von Menschen angelegt sind , also nicht Naturgewalten , wie Austrocknung des bettes , Erhebungen des Bodens oder Überschwemmungen ihr Entstehen verdanken . 
Überall ist an den Sambaquis die Tätigkeit des 
Menschen nacbzuweisen und durch die vielen Funde mit absoluter Sicherheit festzustellen , daß sie von Grund aus von ihm aufgebaut sind . Die Theorie einer natürlichen , nicht künstlichen , Entstehung derselben durch Hebung der auf dem Meeresboden abgelagerten Muschelmassen und andere Ursachen , wie sie von einigen Forschern vertreten wird , heißt jede Tatsache auf den Kopf stellen . 
Die kleinen Muschelanhäufungen , die von alten lagerungen herstammen , oder die im Laufe der Zeit vom Meer an den Strand geworfen werden , und auch solche , die man an unbewohnten , muschelreichen Flüssen Hilft und die von Fischottern und anderen Tieren lierrühren , kommen wegen ihrer Geringfügigkeit gar nicht in tracht und schließen einen Vergleich mit den Sambaquis ganz und gar aus . 
Der Ursprung der Religion und Kunst . 
Vorläufige Mitteilung von K . Th . Preuß . 
( Fortsetzung . ) 
VII . 
Der Analogiezauber und der Geisterglaube . 
Die gewaltige Macht , die der Analogiezauber im Leben der Primitiven darstellt , ist uns bereits in den Tänzen ( Kap . V , VI ) zum Bewußtsein gekommen . Er umfaßt eigentlich den Keim der dramatischen Handlung , eine Tätigkeit ohne reale Wirkungen , die aber überall zu Zauberzwecken angewendet und dadurch ins Leben gerufen wurde . Ohne ihn genau zu kennen , dürfen wir nicht hoffen , die Erscheinungen im Leben der völker , besonders natürlich in ihrem religiösen Leben , zu verstehen . 
Es ist anzunehmen , daß der Analogiezauber zum Teil von dem Glauben an die Mitwirkung der bloßen bewegung bei dem Gelingen einer Arbeit seinen Ausgang nimmt . Besonders war es der natürliche Rhythmus der Arbeitsbewegung , dessen bloßer Nachahmung ein Zauber zugeschrieben wurde . Die Tänze enthalten großenteils Arbeitsnachahmungen . Genau betrachtet , ist das aber alles kein reiner Analogiezauber . Denn in diesen lungen wiederholt sich nur , was man schon bei der realen Arbeit des Ackerbaues , der Jagd , des Krieges usw . als wirksam zu erkennen glaubt , nämlich die bloßen wegungen , Töne u . dgl . Die Darstellung eines Feindes , Jagdtieres oder sonst eines Arbeitsobjektes , sei es durch Personen , durch Nachbildung oder durch irgend welche zu dem Objekt gehörigen Dinge , wie Kleider und Abfälle des Feindes — ist bei dieser Zauberhandlung bloße sequenz . Es ist also auch aus dieser Betrachtung zu ersehen , daß die Anwendung von Bildern der Feinde , um diese in den Nachbildungen zu vernichten , durchaus nicht eine isolierte , besonders zu betrachtende Erscheinung ist ( vgl . Kap . V ) . Denn das Bild ist lediglich das Objekt der Analogiehandlung . 
Auch tritt der Analogiezauber manchmal unmittelbar zu den vom Körper des Menschen und besonders von seinen Öffnungen ausgehenden Zauberwirkungen hinzu . Einer aus der Büffelgesellschaft der Omaha z . B . nimmt unter zeremoniellen Tänzen der ganzen Gesellschaft Wasser in den Mund , um es als feinen Nebel in die Luft zu spritzen , damit Regen auf den welkenden Mais falle 203 ) . Bekannt ist in demselben Sinne das Rauchen 
S03 ) J . 0 . Dorsey , Omaha Sociology , III . Rep . Bureau of Ethnol . , S . 347 . 
der Moki zum Hervorbringen von Wolken . Fewkes zählt einmal , daß die Pfeife beim Weiterreichen ganz niedrig am Boden gehalten wurde , damit der Regen bis zum Boden herabsteigen und nicht auf halbem W ege aufhören solle 204 ) - Doch können wir solche Beispiele bereits dem Analogiezauber zurechnen , da dieser doch mit den Mitteln des Täters ausgeführt werden muß . 
Bei diesem Analogiezauber müssen wir uns aber wärtig halten , daß er als vollgültiges Zaubermittel neben den Glauben tritt , alle Naturphänomene : Wind , Regen , Sonnenwärme , Feuer usw . würden durch den Hauch , die Exkremente , den Gesang und sonstige vom Körper der Tiere und Menschen ausgehende Zauberwirkungen gerufen . Der Analogiezauber ist nach ursprünglicher Auffassung nicht etwa eine schwächliche Nachahmung gewaltiger Naturerscheinungen , wie wir das jetzt ansehen , sondern ebenso wirksam wie die Nachahmung von Tieren in den Tiertänzen . Wie diese kleinen Geschöpfe , so imitierte man die großen Naturerscheinungen und meinte dabei wohl , daß ebenso wie die Tiere auch z . B . die Wolken wirkungsmächtige Dinge seien . Später jedoch , als man Götter hatte , sank die Zauberzeremonie häufig zu der Bedeutung einer Mitteilung der menschlichen Wünsche an sie herab und wurde zu einer Art tischen Gebets . 
Auch die Götter treiben Analogiezauber . Die Moki sagen , die Tabakspfeife ist Omowuh , der Wolkengott , und die Rauchwolken sind die Regenwolken , und bei den Navaho heißt es , in alten Zeiten legten in einem Jahr großer Dürre die Götter Feuer an die Wälder . Der Rauch stieg in großen Wolken auf , und von ihnen fiel der Regen herab 205 ) . 
Den einfachsten Analogiezauber zeigen also z . B . die Navaho , die durch Erzeugen von Rauch Wolken und Regen verursachen wollen , denn das haben sie , nach der Sage zu urteilen , früher sicher selbst geübt — oder die Arapaho206 * ) , die bei einer Sonnenaufgangszeremonie ihres Sonnentanzes das die Sonne vorstellende heilige Rad mehrmals mit ausgestrecktem Arm und unter einer 
s04 ) Fewkes , Journal of Amer . Archaeol . and Ethnol . II , 
S . 124 . 
205 ) Noch heute wird ein darauf bezügliches Lied von den Navaho bei ihren Zeremonien gesungen . W . Matthews , The Mountain Chant , a . a . 0 . , S . 462 . 
206 ) G . A . Dorsey , The Arapaho Sun Dance . Field Colum - 
bian Mus . , Anthrop . Ser . IV , S . 13 , 139 . 
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