Rahat, d. h. einem aus schmiegsamen Lederriemen bestehenden Röckchen,
aus. Die neue Zeit fordert von den Mädchen — Hosentracht! Das aber ent
stellt das Rild ganz außerordentlich und gibt ihm sogar eine peinliche Note.
Denn das Wesentliche besteht in einer Darbietung der Schönheiten des
weiblichen Körpers, und zwar im Spiel der Muskulatur. Hierauf beruht ein
wesentlicher Unterschied zwischen den Schönheitsbegriffen des Okzidents
und Orients.
Der europäische Sinn fordert Ruhe, der orientalische Stetigkeit in der
Bewegung.
Der ägyptische Sudaner weiß nun sehr wohl zu unterscheiden, was am
Körperbau und Tanz schön, und was unvollkommen, resp. unschön ist. Jeder,
der sich wirklich auf das Wesen des Orients eingestellt hat, wird den hervor
ragenden Leistungen bedingungslos den Ausdruck „Kunst“ gewähren. Der
ägyptische Sudaner ist in seiner Kritik sehr streng. Lauschen wir nun seinen
kritischen Bemerkungen, so lernen wir einen Ausdruck kennen, der sehr tief
(wenn natürlich auch nicht bis zu den Quellen der Entwicklungsgeschichte)
in die Vergangenheit und Tradition hineinleuchtet.
Die Kenner haben nämlich für die wirklich guten Tänzerinnen einen das
höchste Lob ausdrückenden Fachausdruck, der lautet: „Dies ist eine Bara-
mike!“ — Was das bedeutet? Es gibt in Aegypten (nicht im Sudan) eine
Sage, derzufolge die Töchter der Bermekiden (siehe Tausendundeine Nacht!),
nachdem Harun-al-Raschid die Macht dieser stolzen Familie gebrochen hatte,
zu Tänzerinnen wurden, und daß alle Tänzerinnen Aegyptens somit ihren
Stammbaum mit Recht auf den Waffengewaltigen Djaafr zurückführen.
Hieraus ist schon zu erkennen, woher die Volksüberlieferung die Ein
richtung der Ghawazi kommen läßt, und welche Wertschätzung die herrschende
Ansicht ihnen beilegt.
Reifezeremonien und Oeheimbund bei den
Babali-Negern vom Ituri.
Von P. H. Kawaters, Avakubi, Belgisch-Kongo.
Mit 2 Textfiguren und 5 Abbildungen auf Tafel 109 — 110.
Einleitung
von P. Schebesta.
Die Babali-Neger, welche zweifellos einer der urwüchsigsten Stämme des
Ituri-Waldes sind, wohnen längs des Ituri, und zwar der Hauptsache nach
an seinem linken Ufer. Auf der neu angelegten Autostraße Stanleyville-
Avakubi trifft man sie in der Gegend von Bavwaboli, wo sie die Bakumu
ablösen. Am Lumbuya sind sie noch ein wenig mit den Babeyru gemischt,
dann aber haben sie das ganze Gebiet bis Avakubi in geschlossenen Dorf-
schaften inne, wo sie mit den Bandaka Zusammenstößen, die bereits der
Wabudu-Gruppe angehören. Am rechten Ufer des Ituri, am unteren Ngayu,
wohnen Babali, die wieder zahlreich mit Babeyru gemischt sind. Sprach
lich und kulturell hängen die Babali-Neger mit den Balika zusammen und
weisen dann nach Westen nach der Ababua-Gruppe hin. Bei ihrer Einwan-