Der Schliersee .
Von Julius Jaeger . München .
Die so schaffensfreudige Natur gefällt sich nicht selten in Doppelbildungen , die uns am Himmel wie auf Erden in den verschiedensten Formen begegnen . Sind es dort z . B . die Doppelsterne , welche um einen schaftlichen Schwerpunkt kreisen , allerdings verschieden in Größe , Farbe und Leuchtkraft , so treffen wir auch auf der Mutter Erde nicht selten Wiederholungen in der Gestaltung von Ländern , Bergen , Tälern , Flüssen und Seen . Die Dreiecksform der Erdteile von Südamerika , Afrika , Australien mit Neuseeland wie der südlichen Halbinseln von Asien und teilweise Europas , die gestalten von Bergen , wie z . B . der Säulen des Herkules an der Meerenge von Gibraltar , des Groß - Glockner und Groß - Venediger in den Tauern , des Hochfelln und Hoch - gern am Chiemsee , weiter gewissermaßen auch Täler mit Wasserscheiden für zwei Flüsse , z . B . das Pustertal für Rienz und Drau , das sog . Wipptal in Tirol mit paß für Sill und Eisack , dann das Zweistromland des Euphrat und Tigris , die , aus nahen Quellen entstanden , fast parallel nebeneinander her laufen , bis sie sich einigt in den Persischen Golf ergießen , ferner seen wie der Ammer - und Würmsee in den bayerischen Voralpen usw . — bei allen solchen Bildungen finden wir auffallende Ähnlichkeiten der Form bei großer schiedenheit im einzelnen . Wenn nun auch allen diesen Ähnlichkeiten tiefere kosmische oder geologische Ursachen zugrunde liegen ' ) , so ist es doch , als ergehe sich die Natur in solchen Wiederholungen , um dadurch eine höhte Wirkung zu erzielen , oder um ein gefälliges Bild mehr als einmal zu bringen , dabei aber in den Einzeln - beiten durch vielfache Abwechslung ihren Reichtum an Mitteln und Formen zu bewähren .
Ähnlich verhält es sich in unseren Alpen mit den Nachbarn Tegern - und Schliersee . Die Ähnlichkeiten liegen in der Entstehungsart , Längsrichtung , Trogform , in den umgebenden Gebirgsformationen , die heiten in der Größe , dem Landschaftsbilde , den Zuflüssen , der Tiefe , Temperatur usw . Die voi'geschichtliclxen und geschichtlichen Schicksale dieser zwei Gebiete zeigexx teils Übereinstimmung , teils Abweichung im Gange der Entwickelung . Da nun der Tegernsee zu Ende des vox'igen Jahres iix unserem „ Globus“ ( Bd . 88 , Nr . 28 ) behandelt wxxrde , so möchte es nicht ixnbillig sein , wenn wir uns heute dem kleineren , aber xxicht uninteressanteren Nachbar zuweixdexx , der mit seixxer Umgebung gleichsaxxx eine natürliche Ergänzung des durch mehrex’e gänge mit ihm eng verbundexxexx Tegernseegebietes dar - stellt . 2 )
1 ) Die Doppelsterne , wohl aus demselben Nebelfleck
entstanden , setzen vielleicht nur die in jenem bestandene gemeine Bewegung für sich fox't und unterliegen im übrigen den allgemeinen kosmischen Bewegungs - und Schweregesetzen . — Die Säulen des Herkules sind vermutlich die stehen bliebenen Eckpfeiler einer ehemaligen Landbrücke zwischen Europa und Afrika . Die eigentümliche Symmetrie des Hoch - gern und Hochfelln , von Norden her betrachtet , spricht für den früheren Zusammenhang der Gruppen nach A . rich , Jahrb . der k . k . Geol . Reichsanstalt Wien 1853 , S . 326 ff . Doppeltäler bilden sich dadurch , daß nach entgegengesetzten Richtungen von einer Höhe abfließende Gewässer durch Rückwäx’ts - Einschneiden auf der Wasserscheide treffen und dadui'ch zur Bildung von Pässen führen . Fx - hr . v . Richthofen , „ Führer für Fox - sehungsreisende“ , 1886 ,
S . 695 , § 288 und ff . , Geistbeck „ Seen der deutschen Alpen“ in den Mitt . des Vei’eins für Erdkunde , Leipzig 1883 , S . 256 .
2 ) Die nächsten Alpenübergänge führen über den sog . Prinzenweg , dann über Gindelalp und Neureuth ; in gx’oßen
In der Studie über den Tegernsee wurde schoix der Übereinstimmung in der Gebirgsbilduixg gedacht , und daß beide Seeix dui'ch Flysch bis ixx die Kalkalpenzone dx’ixxgen ; weiter , daß eine axxsgesprochene Längsbucht das südliche Dolomitgehiet von dem Vorderzuge des Wettersteinkalkes und den noch nördlicherenFlyschbei’gen trennt , beginnend bei Anger im Isartale und über den Kühzagl nach Neuhaus am Schliersee sich erstreckend . Wie das Dolomitgehiet zwischengelagerte jüngex - e ten enthält , so lehxxen sich Streifen jüngerexx Gesteins bis zum Neocom axx die Erhebungen des Wettersteinkalkes , als dessen voxmehmstes Glied der westlich des tales sich ex’hebende und noch zum Panorama des sees gehöx'ige Wendelstein mit 1840 m Höhe zu nennen ist , während der südwestlich des Schliersees sich ex - hebende Bx'unstkogl gleicher Formation nxxr eine Höhe von 1249 m erreicht . Den eigentlichen Hintergruxxd für die schaft des Schliersees bildet dagegen die Dolomitkette , die sich zunächst westöstlich dehnt und in den essanten Höhen der Bx’echerspitze ( 1685 m ) , Jägex’kamp ( 1747m ) , Rotwand ( 1885m ) und Bodenschneid ( 1669m ) die Aussicht nach Süden begrenzt . Nur hinter dem zwischen Brecherspitze und Jägerkamp eingebetteten Spitzingsattel wird an hellen Tagen noch das schoix in Tirol gelegene hintere Sonnenwendjoch ( 1988 m ) bar .
Im Norden der ti’iadischen Kalkzone erheben sich mit runden Kuppen die Flyschbei’ge Schliers - xxnd Rhonberg , Gindelalp und Neureuth usw . in einer Höhe von etwa 1200 m — Glieder der großen , vom Algäu bis Niederösterreich den Alpen nördlich vorgelagerten Zoxxe , derexx Schichten bei der Alpenerhebung noch mit gerichtet worden sind uxxd hauptsächlich nur Meex - esalgen enthalten . Doch kommeix am Zementbruche dicht am Ufer des Sees große Inoceramen vor , wie im Flysche des Salzburger Beckens , was mehrfach Veranlassung gegeben hat , den Flysch noch zur Kreideformation zu rechnen3 ) .
Aus dem Flysche tauchen fexmer am sog . Wachsen - steiix uxxd Jägerhaus bei Schliersee Glaukonitschichten der Kreide — Inocex’amen führende Kalke — auf , die lich vom Fuße der Gindelalpe bis zur Nase am Schliex - - see sich ziehen und offenbar im Zusammenhänge stehexx mit den bei Gmund am Tegenxsee auftretenden lichen Schichten 4 ) .
Im Norden schließt sich daxxn im Schlierachtale die oligocäne Molasse mit ihrer älteren Braunkohlenbildung
— Pechkohle der Molasse — an , dei’en Mergel sächlich die brackischen Mollusken Cyrena und Cex’ithium
— daher Cyrenenmei’gel — führen und Kohlenflöze von wenigexx Zoll bis zu mehrerexx Fuß Dicke enthalten , voxx welchen 10 bis 12 Flöze abbauwürdig befunden worden sind und in den Bergwerken von Hausham und Miesbach ihre Förderung finden .
Diese Flöze , die sich vereixxzelt fortsetzen bis Uznach in der Schweiz , wei’den durch Auswaschungen vielfach zerrissen , wie denn auch die Flöze voxx Hausham wahrscheinlich mit den schwächeren in Miesbach unter
Umwegen über die Valepp und den Kühzagl bzw . die schneid , endlich im Vorlande der sog . Schuß von Hausham über Ostin nach St . Quii - in und Gmund . Näheres im Führer für Schliersee von Dreselly .
3 ) Gümbel , „ Geologie von Bayern“ , Bd . II unter „ Zeller Gebirgsstock oder Miesbacher Gebix - ge“ sub fine .
4 ) Ebenda unter „ Kreuter Gebirgsstock oder Tegernseer Gebix - ge“ , dann Bavaria I , 1 , S . 36 .
47 *