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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 4.1872

    
   
  
  
  
  
  
  
  
     
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   
   
   
  
  
  
   
   
   
  
  
   
   
     
   
    
  
      
(3) Der Vorsitzende macht zur Ergänzung seines Vortrages in der letzten Sitzung 
folgende Mittheilungen aus einem Briefe des Hrn. Professor 0. Hjelt in Helsingfors 
über die Finnen und ihren Charakter. 
„Mit Erstaunen hatte ich die Hypothese von der Verwandtschaft der Preussen 
und der Finnen von Quatrefages gelesen, aber ich lachte herzlich über seine Auf- 
fassung des Charakters unseres Volkes, von dessen Wildheit und Rohheit er wahr- 
Scheinlich nur aus Kindermärchen etwas vernommen hat. KEinen tieferen Sinn als 
einen Versuch, die siegenden Deutschen herabzusetzen, suchte ich nicht in seiner 
Ansicht, Aber schon früher bin ich auf den Gedanken gekommen, eine Untersuchung 
über die Schädelform der Finnen anzustellen, dazu veranlasst durch die Gründung 
eines Vereins für die finnische Alterthumskunde, der im vorigen Jahre gegründet 
Worden ist. Ich fühlte mich um so mehr dazu aufgefordert durch Ihre Arbeit über 
»die altnordischen Schädel zu Kopenhagen“, welche auch finnische Schädel berührt. Von 
dieser Untersuchung bin ich jedoch durch ein& andere Arbeit bisher verhindert geworden. 
Seitdem ich durch Ihren Brief finde, dass eine solche Untersuchung jetzt auch eine grös- 
Sere Bedeutung haben kann, bin ich noch lebhafter dafür interessirt worden. Es ist gerade 
eine Pflicht für uns Finnen, Beiträge zur Erforschung der Cranienform des finnischen 
Volksstammes zu geben. Bisher sind aber noch keine systematischen Messungen bei 
"n$ vorgenommen, und die Messungen von finnischen Schàdeln, die man hat, sind 
Dur zufálig im Auslande gemacht. -Ich bin Ihnen wirklich dankbar, dass Sie meine 
Aufmerksamkeit auf dieses Feld gelenkt haben. Jetzt beschäftige ich mich mit einer 
Árbeit über die Syphilis in Finland und über die Maassregeln, der Ausbreitung die- 
Ser Krankheit vorzubeugen. Syphilis ist leider ziemlich verbreitet, nicht sowohl durch 
Unzueht, denn die Sittlichkeit steht in gewissen Gegenden noch sehr hoch, als 
dureh das Zusammenleben des Volkes, die gemeinsamen Badstuben, die Gast- 
freundlichkeit gegen herumtreibende Individuen, Bettler u. s. w. Man hat viel 
Versucht, um diesem Uebel Einhalt thun zu kónnen. Die Regierung hat grosse Geld- 
*Summern aufgeopfert, in allen grösseren Städten sind eigene Spitäler für Syphi- 
litische eingerichtet, Jeder geniesst freie Kur u. s. w. Diese Arbeit hat mir viel Mühe 
der Statistischen Angaben wegen gemacht, aber ich hoffe binnen 6—7 Wochen damit 
értig zu werden. 
„Ich schrieb schon, dass bisher eigentlich keine systematischen Messungen von 
‘innenschädeln vorgenommen sind. Man muss in dieser Hinsicht sehr vorsich- 
"B Sein, 1. An gewissen Strecken der Meeresküste wohnen schwedische Ansiedler, 
“le ihre Sprache noch beibehalten haben, und man muss eine sehr genaue Kenntniss 
Yon dem Lande besitzen, um nicht in Irrthum zu verfallen. 2. Das finnische Volk 
Scheint aus drei Stämmchen zu bestehen (Suomen, Jamen und Karelen), die zu ver- 
Schiedenen Zeiten eingewandert sind. Der ganze Typus, die Gesichtszüge und die 
Statur ist bei den letzten zwei Stämmchen verschieden, obgleich die Sprache nur 
locale Verschiedenheiten zeigt. Finland wird von den Einwohnern selbst „Suomi“ 
Car »das Sumpfland, das Seeland“ genannt und sie nennen sich selbst ,Suoma- 
lsia«. 
»Sie stellen, Herr Professor, noch einige Fragen über gewisse nationale Cha- 
lakterzüge bei dem finnischen Volke. Ueber diese Verhältnisse hoffe ich später 
9SSere Auskunft geben zu können. Soviel kann ich jedoch schon jetzt sagen, dass 
se. Finnen ihrer Rechtschaffenheit und Treue wegen (in Schweden Sogar sprichwürt- 
0 bekannt sind; sie sind beharrlich, gastfreundlich, mit Wenigom zufrieden und 
, - empfindlich für persönliche Freiheit und Unabhängigkeit; die Handhabung 
der Gesetze liegt dem Volke sehr am Herzen. Die Finnen sind aber sehr eigen- 
Verhandl. der Berl Ges, für Anthropol. etc. (7) 
  
 
	        
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