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Volltext: Sociologus, N.F. 18.1968

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Eberhard Fischer und Noa Zanolli 
gelegt wird, wie eine Monographie zustande kommt, solange nicht klar 
aufgezeigt wird, nach welcher Methode die Feldaufnahme durchge 
führt worden ist, und solange die Fakten, die zur Darstellung des Kul 
turbildes dienen, nicht einsichtig mitgeteilt werden, kann es sich nicht 
um eine überprüfbare * 4 Darstellung handeln. Einer solchen Arbeit muß 
wissenschaftliche Exaktheit abgesprochen werden, auch wenn sie inter 
essante Einzeldaten bietet. 
Die Überprüfbarkeit der dargelegten Daten ist nun für jede Art von 
Ethnologie 5 von größter Bedeutung. Solange nämlich verschiedenwertige 
Daten als vergleichbare Einheiten zueinander in Beziehung gesetzt wer 
den, sind alle Versuche des Kulturvergleichs fragwürdig. Zwar wurde 
von ethnologischer Seite mehrfach gefordert, daß jedes ethnographische 
Datum überprüfbar sein müsse 6 ; in bisherigen Kulturdarstellungen ist 
diese Forderung jedoch nie hinreichend erfüllt worden. Ursache hierzu 
scheint uns die Tatsache zu sein, daß eine zulängliche theoretische 
Grundlage für die Methode der Ethnographie fehlt 7 . Desgleichen fehlen 
allgemeine Darlegungsprinzipien für ethnographische Daten, die einer 
funktionalen, strukturalen, psychokulturellen oder historischen Analyse 
nicht vorgreifen. Unsere Arbeit soll einige Ansatzmöglichkeiten für 
decken wollen (Beattie, 1964 :84) und Einzeldaten nur als schmückendes Bei 
werk, als Illustration, ansehen (Evans-Pritchard, 1940:261; Beattie, 1964: 
74). Die Forderung, daß Ethnographie nicht auf die Herausstellung von Re 
geln — und mögen sie noch so wichtig zum Verständnis einer fremden Kultur 
sein — eingeengt werden darf, ist heute jedoch besonders wichtig, weil 
ethnographisches Material für alle Kultur-Wissenschaften von Bedeutung ist. 
4 Die Forderung, daß alle Daten überprüfbar sein müssen, stellen schon 
Graebner (1911 :9) und Mauss (1947 :5), wobei der eine (1911 :9) zur Auf 
findung der Daten Intuition fordert, der andere (1947 :5) jedoch strikt ab 
lehnt. — Daß die gesammelten Fakten mit dem Kulturbild aufgezeigt und 
von der Analyse getrennt mitgeteilt werden müssen, fordert vor allem Radin 
(1966 2 :104 f.). — Zum Problem wissenschaftlicher Überprüfbarkeit vergl. 
Jahoda (1956 2 :77). Die gesammelten Daten über eine Kultur durch Mittei 
lungen von deren Nachbarn prüfen zu wollen (Herskovits, 1954 :23) ist ein 
problematischer Vorschlag. 
5 Unter Ethnographie verstehen wir die Gewinnung empirischer Fakten 
über eine Kultur, unter Ethnologie die Bearbeitung dieser Fakten zu Daten 
für KulturdarStellungen. Jede weitere Verarbeitung der Daten, z. B. in einem 
Kulturvergleich, wird im folgenden ebenfalls Ethnologie genannt. Praktisch 
läßt sich die Aufgabe des Ethnographen von der des Ethnologen jedoch nicht 
trennen (vergl. Mühlmann, 1938 : 8). — Wir engen den Begriff „Ethnographie“ 
bewußt und nur für diese Abhandlung ein, um die beiden Methoden, Be 
schreibung und Analyse, schärfer voneinander zu trennen. Eine generelle 
Unterscheidung zwischen Ethnographie und Ethnologie gibt Lévi-Strauss 
(1967 2 :12). 
6 So z. B. Radin (1966 2 [1933] : 104 f.) ; Mühlmann (1938:108); Lindesmith- 
Strauss (1965 2 : 442). Vorliegende Arbeit ist in vielen Details durch Arbeiten 
von Mühlmann angeregt worden. 
7 Die bekannten Handbücher für Ethnographen, wie z. B. Notes and Que- 
ries, Royal Anthrop. Institute of GB. and I., 1965 8 , geben alle praktische An 
weisungen zur Feldforschung. Theoretische Grundlagen werden jedoch nicht 
explizit erwähnt. Sie fehlen auch bei Abraham, 1908; Mauss, 1947; Griaule, 
1957.
	        
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