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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 41.1909

SKS Günther Tessmann: 
die Sache immer mehr zersplittern, bis jeder Sache, jedem Tiere, jedem 
Baum ein eigener Kult gewidmet wird. Wer denkt dabei nicht an die 
Zersplitterung der altägyptischen Religion! 
Wir haben also bei den Fang folgende Kulte: 
böse gute 
sso, Kult des Mondes - ndong-mba, Kult der Sonne 
unter dem Bild der Antilope sso 
bokung, ebenso elong, ebenso 
als Bild die Eule als Bild der Hahn 
schok, Kult des Wassers ngi, Kult des Feuers 
unter dem Bilde des Elefanten unter dem Bilde des Gorillas. 
Bokung und Elong werden meistens zusammengefasst, denn sie sollen 
den Sieg des Guten (elong) über das Böse (bokung) darstellen. Und nun 
wird die ganze Natur weiter eingeteilt in gut und böse folgendermassen: 
böse out 
Mond Sonne 
Nachttiere Tagtiere 
Erde Himmel 
Wasser Feuer 
Wassertiere Lufttiere (Adler, Raubvógel) 
Tod Leben 
weiss als Farbe des Todes, der rot als Farbe der Zeugung, des 
Trauer Lebens, der Freude 
Eule Hahn, Papagei 
Schimpanse Gorilla 
Elefant, Schwein, Schlange 
Regenzeit Trockenzeit 
Weib Mann 
links rechts 
Plante, weil die Früchte mond- Aframomum, weil die Friichte wie 
formig Flämmchen aussehen 
Gras esong (Pennisetum purpureum) Palme 
klein gross. 
Schlecht vor allem sind die Hórnertiere, besonders der Cephalophus 
castaneus (sso), der ja auch die áusserliche Maske für den Mondkult ab- 
gegeben hat. Freilich bringen die Pangwe es fertig, auch die Hôrner- 
tiere, die ursprünglich zweifellos schlecht sind, in bessere und schlechtere 
zu teilen, so von frei lebenden Tieren ist schlecht Neotragus Batesi, das 
Zwergbóckchen, gut: Limnotragus gratus, der Sumpfbock, von Haustieren 
schlecht: die Ziege, gut: das Schaf, Zwergbóckchen und Ziege, weil es vor- 
wiegend náchtliche Tiere sind, Sumpfboek und Schaf, weil sie mehr Tag- 
tiere sind, aber hier beginnt schon die Verwirrung, von der ich oben sprach. 
Was in den Kulten nun dargestellt wird, ergibt sich von selbst: Im 
Allgemeinen: Darstellung von Gut und Bóse in der Natur. Im Be- 
sonderen: Erstens, Einführung der Einzuweihenden in das grosse Ge- 
heimnis des Todes. Man lüsst die Neulinge offiziell sterben, damit sie 
leben. Sie sehen hier ganz deutlich die Psyehe des Naturmenschen. Wir 
JC 
A
	        
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