Sitzung
in Erinnerung an das 40 jährige Bestehen der Gesellschaft,
Sonnabend, den 20. November 1909.
(1) Der Vorsitzende, Hr. Karl von den Steinen, schilderte im
kurzen Zügen die Entstehung und Entwicklung der Gesellschaft, würdigte
vor allem pietätvoll die Bedeutung Rudolf Virchow’s und erórterte an
Hand einer Kurve die Bewegung der Mitglieder, die 1887 ihren Höchst-
stand von 610 erreichte, 1902 auf 495 herabgesunken war und in diesem
Jahre zum erstenmal wieder über die 600 emporstieg, um das bisherige
Maximum von 640 zu erklimmen. Die wichtigsten Aktenstücke aus der
áltesten Zeit und eine Anzahl Photographien waren zur Betrachtung aus-
gelegt. Die 14 Unterzeichner des Aufrufs zur Gründung eines ,Berliner
Lokalvereins* der ,Deutschen Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie
und Urgeschichte* — einer Mutter, die spüter auf die Welt kommen sollte
als die Tochter — und die Mitglieder des ersten Vorstandes und Ausschusses
sind mit vielen anderen dahingegangen. "Von den Mitgliedern, die in der
definitiv konstituierenden Sitzung vom 17. November 1869 zugegen waren,
leben heute noch und waren zum Teil anwesend: Paul Ascherson,
Wilhelm Dónitz, Gustav Fritsch, August Meitzen, Hermann
Munk, Wilhelm Schütz, sämtlich in Berlin, und Graf Adam Siera-
kowski in Waplitz, Westpreussen.
(2) Die Gesellschaft hat ihr 25jähriges Stiftungsfest vor 15 Jahren
gefeiert und wird ihr 50 jähriges im Jahre 1919 begehen. Die heutige
Sitzung sollte in keiner Weise als eine Jubiläumsfeier gelten. Dennoch.
hatten sich eine Anzahl Gäste und ausserhalb Berlins wohnende Mitglieder
eingefunden, die der Vorsitzende herzlichst bewillkommnete. Auch hatte
er ein überaus liebenswürdiges, von dem Prásidenten Toldt gezeichnetes
Glückwunschschreiben der Wiener Schwestergesellschaft und ebenso sym-
pathische Telegramme des Vereins für Vôlkerkunde in Leipzig seitens des.
Vorsitzenden Herrn Weule sowie der Herren Buschan in Stettin und
Koch-Grünberg in Freiburg zu verlesen.
(3) Frl. Anna Lissauer überweist „im Andenken ihres Vaters, des.
verstorbenen Professor Dr. Lissauer, der Berliner Anthropologischen
Gesellschaft zur Feier ihres 40 jährigen Bestehens am 20. November 1909
ein Festgeschenk von 1000 Æ zur Anschaffung wertvoller
Bücher“.