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Volltext: Zeitschrift für Ethnologie, 41.1909

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A. Griinwedel: Die archiologischen Ergebnisse der dritten Turfan-Expedition. 891 
Der Vorsitzende erbittet die Erlaubnis der Gesellschaft, Frl. Lissauer 
zu erwidern, dass sie das Gedächtnis ihres Vaters unverändert hochhält 
und mit Dankbarkeit und Rührung ihr Geschenk für die Bibliothek 
empfängt. Er macht gleichzeitig die Mitteilung, dass ein von Herrn 
Conwentz verfasster, mit Bildnis und Bibliographie ausgestatteter Nekrolog 
Lissauers demnächst in den „Schriften“ der Danziger Naturforschenden 
Gesellschaft erscheinen soll. 
(4) Auf gemeinsamen Vorschlag des Vorstandes und Ausschusses 
werden zu Ehrenmitgliedern erwählt die Herren Richard Andree- 
München, Oskar Montelius-Stockholm und Wilhelm Waldeyer, die 
Jeder Zierde und Ruhm je einer unserer drei Fachdisziplinen darstellen. 
(5) Der Vorsitzende würdigt die Bedeutung der Turfan-Forschung, 
die aus den seit Jahrhunderten im Wüstensand Zentralasiens verschütteten 
Ruinen eine wahre Flut von überraschenden archäologischen, linguistischen, 
handschriftlichen, historischen Ergebnissen zu Tage gefördert und unter 
dem Wettbewerb der Nationen die wichtigsten spezialistischen Unter- 
suchungen veranlasst hat, ruft die Chronologie des in drei Expeditionen 
zerfallenden deutschen Unternehmens in die Erinnerung zurück und gibt 
der Freude Ausdruck, dass Herr Grünwedel, der bereits 1907 heim- 
gekehrt ist, dessen Gesundheit durch die Anstrengungen der Reise aber 
Schwer erschüttert war, sich nun endlich in der Lage sieht, den so lange 
mit Spannung erwarteten Bericht abzustatten. 
Herr Grünwedel hält alsdann seinen Vortrag mit Lichtbildern über: 
Die archäologischen Ergebnisse der dritten Turfan- Expedition, 
Es ist eine geraume Zeit her, seitdem vom Berliner Museum aus auf 
Grund von wenigen Originalskulpturen und einigen Abgüssen seitens des 
Berichterstatters der Versuch gemacht wurde, in einem kleinen Katalog 
darzustellen, welche Bedeutung die damals fast vergessenen sogenannten 
?raecobuddhistisehen Skulpturen (Gandhára-Skulpturen) für die künst- 
lerische und kulturelle Entwicklung Ost- und Siidasiens haben. Als der 
Hauptweg der Verbindung zwischen dem Osten Asiens und der spiit- 
rómischen Welt musste damals schon Zentralasien angesprochen werden. 
Und in der Tat liess sich von einer wiederaufstehenden Kunst Zentral- 
asiens das Hóchste erwarten, denn es hatte sich ergeben, dass nicht nur 
die Haupttypen der legendáren und mythisehen Wesen auf Grund spát- 
antiker Formen entwickelt waren, sondern dass sogar ganze Kompositionen, 
welche ihren gesetzmissigen Aufbau nur der rómischen Provinzialkunst 
verdanken konnten, bis nach Ostasien gebracht und dort weitergebildet 
Worden waren, vom dekorativen Beiwerk ganz zu schweigen. Die Ent- 
deckungen englischer und russischer Reisenden in Zentralasien und be- 
sonders in Chinesisch-Turkistan wurden daher auch von hier aus eifrig 
im Auge behalten und als sich die Gelegenheit bot, selbst tätig ein- 
zugreifen, fanden sich auch opferwillige Förderer, welche die erste Reise 
ermöglichten. Diese erste also durch private Gönnerschaft unterstützte
	        
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