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fullscreen: Deutsches Jahrbuch für Volkskunde, 10.1964

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Ingeborg Müller und Ulrich Bentzien 
rungen von Wachsmann über „Afrikanische Harfen und die Wanderungen ethnischer 
Gruppen“, weil der Referent die in der Musikethnologie bislang vernachlässigte historische 
Betrachtungsweise in den Mittelpunkt rückte. Auf ein ebenfalls wenig bearbeitetes Feld 
wies B. Bayer mit ihrem Vortrag über „Die ersten Saiteninstrumente im Nahen Osten“ hin. 
Sie forderte mit Recht eine engere Verbindung von Archäologie und Instrumentenkunde. 
Das ohnehin randvoll gefüllte Programm, dessen Bewältigung bei den ungewohnten 
klimatischen Verhältnissen von allen Teilnehmern größte physische und psychische An 
strengungen erforderte, wurde durch zahlreiche Konzertveranstaltungen ergänzt. Besonders 
dankbar war man für eine von E. Gerson-Kiwi vorzüglich arrangierte Demonstration der 
verschiedenen Typen biblischer Kantilation und der Volksmusik von mehreren jüdischen 
Volksgruppen. Wenig befriedigen konnten dagegen die Darbietungen auf dem Volkstanz- 
Festival in Beth Berl am letzten Konferenztag. 
Auf der Generalversammlung der IFMC wurde Dr. Maud Karpeles, die als Honorary 
Secretary der Gesellschaft seit ihrer Gründung im Jahre 1947 ihre Arbeitskraft zur Ver 
fügung stellte und nun aus gesundheitlichen Rücksichten zurücktrat, für ihre fruchtbare 
und überaus verdienstvolle Tätigkeit durch die Ernennung zum Ehrenpräsidenten gedankt. 
Gleichzeitig wurde beschlossen, die nächste Jahrestagung des IFMC 1964 in Budapest 
abzuhalten. 
Ungarischer Ethnographischer Kongreß 
Budapest 1963 
Von Ingeborg Müller und Ulrich Bentzien 
Veranstaltet von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, fand in Budapest vom 
16. bis 20. Oktober der Ungarische Ethnographische Kongreß statt. In weitgespanntem 
Rahmen wurde ein beträchtlicher Umkreis ethnographischer Probleme abgeschritten, wobei 
den Fragen der Folklore und der materiellen Volkskultur gleiche Bedeutung zugemessen 
war. Die Erforscher der geistigen Volkskultur hatten außerdem die Möglichkeit, sich auf 
Sektionssitzungen, die sich mit Fragen der epischen Folklore sowie den Beziehungen 
zwischen der Folklore zentral- und osteuropäischer Kulturen befaßten, über neue Ergeb 
nisse auf ihrem Forschungsgebiet zu orientieren. 
Mit seinem Vortrag Zwischen Ost und West vor dem Plenum des Kongresses akzentuierte 
Gyuia Ortutay das Anliegen der gesamten Tagung, indem er am Beispiel seines Heimat 
landes den Aufgabenkreis der europäischen ethnographischen Forschungen absteckte und 
den Weg zu neuen Methoden wies, die über die komplexe Erforschung der einzelnen 
Volkskulturen und ihrer gegenseitigen Verflechtungen in eine Ethnographie Europas 
münden sollen. Ohne eine solche Konzeption ist Verständnis und gültige Interpretation 
nationaler wie regionaler Kulturen, ethnischer Verschiedenheiten und organischer Be 
ziehungen nicht möglich. In ethnischer und historischer Hinsicht spiegelt neben anderen 
europäischen Staaten besonders Ungarn als „Europa im Kleinen“ in Vielschichtigkeit 
und Einheit die große europäische Völkerfamilie wider. Uber die traditionellen Methoden 
der vergleichenden historischen Untersuchungen hinaus seien neue Wege erforderlich und 
in Spezialuntersuchungen bereits beschritten (Bartök, Vargyas, Roheim), die Proportionen 
von Bewahrung und Weiterbildung einheimischer Überlieferungen einerseits, von Auswahl, 
Übernahme, Assimilation und Ausscheidung fremder Elemente andererseits sowie die 
Verschmelzung beider zu erforschen. Gelegen zwischen Ost und West, Einflüssen aus 
beiden Richtungen offen und andererseits selbst Einfluß ausstrahlend und vermittelnd, sei 
Ungarn auch hier ein geeigneter Modellfall für Untersuchungen, die derart durch die Er 
hellung der autochthonen Entwicklung einer Volkskultur in ihren historischen Bezügen 
die Erforschung ihrer Beziehungen zu den umliegenden Völkern auf allen Sektoren
	        
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