zu ethnographieren: Das visuelle und kinaesthetische Verhalten der Balinesen
mache eine visuelle Methode des Sammelns und Festhaltens von ethnographi:
schen Informationen notwendig. Der nebenstehende Text erklärt die Abb. 2:
»Among the Balinese, learning is very rarely dependent upon verbal
(eaching. Instead, the methods of learning are visual and kinaesthetic.
Ihe pupil either watches some other individual perform the act or he is
nade to perform the act by the teacher who holds his limbs and moves
‘hem correctly.« (Mead/Bateson 1942, 84)
Worte und Text sind also unsinnlich und dementsprechend ungeeignet, kinaes-
hetisches Verhalten darzustellen. Die sensuellen Handlungen der Balines_in-
1en sind zu direkt und unumwunden körperlich:
„Ihe Balinese learn virtually nothing from verbal instruction and most
Balinese adults are incapable of following out three consecutive orders
which we regard as the sign of a normal three-year-old intelligence. [...]
Only by such laborious assimilation of words into word gestures made
by oneself, do words come to have any meaning for action.« (Mead/
Bateson 1942, 15)
Das Wort wird zum Zeichen des zivilisierten Westens - komplexer Spracher-
werb zum Indikator einer westlichen Gesellschaft. Implizit zeigt sich hier ein
Entwicklungsparadigma im Vergleich zum eigenen gesellschaftlichen Kontext:
Einfache Gesellschaften bräuchten auch eine unmittelbarere Art des Erfassens
und des Festhaltens. So ergeben sich einerseits die Methoden des ethnographi-
schen Fotografierens und Filmens aus der aisthetischen Konstitution der primi-
iven Gesellschaften heraus; andererseits werden sie erst durch diese visuellen
Methoden als ästhetisch-sinnliche Objekte konstituiert.
Das Medium Film ermöglichte es Mead und Bateson, zusätzlich Rhythmus
und Musik sowie Bewegung im Tanz als kombinierte Momente von Ästhetik
und kulturellem Verhalten darzustellen (Abb. 3). Versinnlichung und Ästheti-
sierung müssen in diesem Kontext als Wissenspraktiken verstanden werden,
lie das kulturell Andere erst auf spezifische Weise darstellbar machen. Die
Menschen und ihre Praktiken werden zu Bildern, die angeschaut, konsumiert
und archiviert werden können. Das Arrangement von unterschiedlichen Bild-
sequenzen imitiert dabei Rhythmus und Bewegung.®“ Die Komposition der
Körper des Lehrers und des Schülers vor den Musikern und den Zuschauern
als Hintergrundkulisse lässt den balinesischen Körper als einzelnen hervor-
treten und macht ihn dennoch als Teil eines Ganzen ersichtlich. Die Betrach-
‚er können das Muskel- und Fächerspiel, die Körperspannung und die Mimik
der Tänzer erkennen. Der Körper wird sowohl zu einem ethnographischen
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