Der zweite Tag diente verschiedenen Beispielen für systematische
Quellenerhebungen, vorgetragen von Alfred Höck (Marburg), der über
Quellen zu nichtbäuerlichen Dorfschichten in Hessen berichtete, Walter
Hartinger (Passau), der in Anlehnung an die Münchner Quellenkartei
an einer Erfassung archivalischer Quellen in Niederbayern und der
Oberpfalz arbeitet und die außerordentliche Vielfalt profaner und
geistlicher Überlieferungen dieses Raumes herausstellte, ferner
Silke Göttsch (Kiel), die über ihr laufendes Forschungsprojekt "Erfassen
und Erschließen der Schleswiger Amtsrechnungen' Rechenschaft ablegte.
Nach einjähriger Laufzeit dieses Projekts sind die nördlich an
Holstein angrenzenden großen schleswigschen Ämter Hütten und Gottorf
sowie die Landschaft Eiderstedt bereits bearbeitet und in die Kieler
Quellenkartei eingebracht. Inhaltlich ergaben sich einige Schwerpunkte,
die in der Eigenart dieser Quellen liegen. Sie beziehen sich auf die
wirtschaftlichen Verhältnisse in den Ämtern, auf die Lasten der Untertanen,
auf gewerbliche und handwerkliche Tätigkeiten, auf die
Rechtsausübung, auf die Ausstattung von Haushalt und Wirtschaft. Einblicke
in die dominierenden Konfliktfelder bieten die Brücheregister,
die auch sonst viele wichtige Einzelheiten über das Alltagsleben enthalten.
Abschließend trug Ruth-E. Mohrmann (Münster) Erwägungen über eine
mögliche historische Quellenkunde zur Volkskunde vor, die nicht
regional beschränkt sein und sich auf eine möglichst intensive Aufschließung
der Gerichtsprotokolle konzentrieren solle, Für die Information
in der Quellenkunde schlug Frau Mohrmann ein Muster vor.
das genaue Angaben über die Bezeichnung, den Standort, die Zeit
und den Umfang der Quelle aufnehmen sowie eine inhaltliche Charakterisierung
nach Sachgruppen enthalten soll, die sich an die Gliederung
der Kieler Quellenkartei anlehnt. Über diesen Vorschlag wurde sehr
intensiv in der abschließenden Aussprache diskutiert. Bezweifelt
wurde die Machbarkeit einer solchen detaillierten Quelleninformation,
da es langer und sachkundiger Erhebungen in den in Frage kommenden
Archiven bedürfe, für die sich nur sehr schwer Bearbeiter finden
würden, weiter die Möglichkeit einer alle Unterschiede ausgleichenden
Koordination und schließlich auch der faktische Nutzen eines solchen
umfänglichen Werkes im Hinblick auf die potentiellen Benutzer. Die
Anwesenden diskutierten auch über andere Möglichkeiten einer Quellenkunde
und schlugen einhellig vor, einen Einführungsband in das Arbeiten
mit archivalischen Quellen zu erarbeiten, der über die einzelnen
Quellengruppen einläßlich informiert, gegebenenfalls zu besonders
wichtigen Quellengruppen (Protokolle, Rechnungen, Inventare) detaillierte
Beispiele bringt und volkskundliche Literatur zu den einzelnen Quellengruppen
beibringt.
Durch das ganze Symposion hindurch zog sich die Diskussion über
Möglichkeiten und Nutzen einer historischen Quellenkartei nach dem
Beispiel Kiel. In der Tat sind Probleme vorhanden, die eine derartige
Reihenerhebung von volkskundlichen Materialien belasten, Sie
wurden im Eingangsreferat Karl-S. Kramers bereits artikuliert und
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