(Walldorf, Überau, Groß-Zimmern) zu bieten, wo gerade Untersuchungen
zum Problemkomplex "proletarische Vergangenheit und Oral History" angelaufen
sind. Methodische Überlegungen würden dabei ein weiteres Mal
zum Museumsthema hinführen, nachdem die Oral-History-Forschung maßgeblich
im Umkreis englischer Industriemuseen entwickelt worden ist
(worüber zu berichten wäre).
Befürchtungen, daß bei einem Tagungsthema wie Arbeiterkultur und
Geschichtsverständnis doch die Gegenwart zu kurz kommen würde,
sei mit Wolfgang Kaschubas Hamburger Diskussionsbeitrag prinzipiell
entgegengehalten, daß nicht nur von der Gegenwart Fragen an die Vergangenheit,
sondern von der Vergangenheit auch an die Gegenwart zu
richten sind.
Peter Assion, Marburg
Der Ruf nach gegenwartsbezogenen Themen stand in der Hamburger Abschlußdiskussion
unüberhörbar im Raum, aber dennoch wurde nachdrücklich
- vor allem unter Hinweis auf Klaus Tenfeldes Überlegungen zur
Kommunikation und Sozialisation im Arbeitermilieu - auch für historische
Untersuchungen der Arbeiterkultur plädiert. Eine Beschränkung auf nur
aktuelle Probleme bietet die Gefahr einmal des Abkippens in industriesoziologische
Fragestellungen und zum anderen der Themen-Diffusität.
Jedenfalls ist die "Gegenwartsbezogenheit" allein nicht ‘geeignet, der
nächsten Tagung - wo sie auch immer stattfinden mag! - Struktur und
Richtung zu geben. Erforderlich ist vielmehr ein Thema, das einen
Rahmen bildet, in dem Geschichte und Gegenwart zu ihrem Recht kommen
und wo gerade dieses "und" möglicherweise auch einen Problemansatz
bietet. Denn die Frage nach Kontinuität, nach "Persistenzen", nach Linien
aber auch nach Bruchstellen und Wandlungen innerhalb der Geschichte
der Arbeiterkultur bis hin zur These vom "Ende der Proletariatät"
(J. Mooser) ist selten gestellt worden, würde aber sicher manche neue
Perspektive eröffnen - etwa auf historisch-wechselnden Verarbeitungsformen
von Politik- und Gesellschaftserfahrung.
Wie ändert sich das Symbolverhältnis im Laufe der Arbeiterbewegung?
Warum kommt es in den zwanziger Jahren zum Aufbau neuer Formen? Warum
kommt es im Nachkriegsdeutschland zu einer Symbolentwicklung auf den
Nullpunkt zu und in den letzten Jahren zu ihrer - gewissermaßen folkloristischen
- Restitution? Oder: Welche Rolle spielte und spielt das Wirtshaus
in der Arbeiterkultur? Wie ist das jeweilige Mischungsverhältnis von
politischer und/oder kommunikativer Funktion des Wirtshauses, das einmal
als Parteibudike eine eminente politische Bedeutung hatte (ohne daß die
kommunikativen Belange zurücktraten), das aber heute vielfach nur noch
Unterhaltungscharakter hat, obwohl dort auch heute noch spezifische
Formen des "proletarischen Gruppenverhaltens" tradiert werden (wie es
etwa Negt/Kluge am Beispiel des "Rundenschmeißens" erläutert haben).
Themen dieser Art ermöglichen einen historischen Zugang mit Richtung
auf die Gegenwart; sie geben den Fragen nach der Arbeiterkultur (was
ist das? gibt es sie noch?) erst Sinn und Form, sie umkreisen die
Gruppenexistenz des Arbeiters heute auf dem Hintergrund tradierter und
tradierbarer Arbeitererfahrungen. Eine Themenzentrierung, die Fragen und