Im Sinne der obigen Fixierung bleibt die neuere Forschung auch
vielfach auf Konsumtion (Produzent = Konsument) beschränkt, es
fehlen jedoch die Aspekte der Überschußproduktion (für den Verkauf)
und der Distribution. Die Stadt ist im wesentlichen charak
terisiert durch ungenügende Eigenproduktion und sehr frühe
Marktwirtschaft (Frühkapitalismus).
Am Beispiel einiger Grundnahrungsmittel sollen die uns am
wichtigsten erscheinenden Probleme großstädtischer Versorgung
(Bedürfnisbefriedigung - Kultur) angerissen werden: Wasser -
Milch - Wein - Bier - Salz - Zucker - Gewürze (Paprika, Pfeffer,
Kräuter) - Getreide - Fleisch - Fisch - Obst - Gemüse (bis zum
biologischen Gemüsebau).
Daraus ergeben sich für uns folgende Problemschwerpunkte: Agrarreform
- Ländliche Überschußgebiete mit Spezialisierung (Stadt -
Land) - Verkehr (Weitung des Vorsorgungshorizontes) - Handel
und Vermarktung (Märkte, Einzelhändler, Wanderhändler, Aufkäufer,
'Greißler', Kettenläden) - Häusliche Vorratshaltung
Nahrungspolitik (Dirigismus) - Technologien: Energie, Kochstätte,
Vorratshaltung, Innovationen - Soziale Differenzierung (Adel, Klerus,
Bürger, Arbeiter; Zuwanderer; 'Aufhebung' ländlicher Nahrungsgewohnheiten;
bürgerliche Kochbücher und -schulen; Restaurants,
Wirtshäuser, Volksküchen, Ausspeisungen) - Einflüsse anderer
Länder (Monarchie!) auf die "Wiener Küche" und Kolonialwaren
(Balkan!) - Krisennahrung - Industrialisierung von Nahrungsmitteln
(Trockenteigwaren, Suppen, Konserven).
Teddy-Boys und Ledermänner - Trachtenkunde aus der Großstadt
Bodo-M. Baumunk, Berlin
(Mi. 28.9.. 10.45 Uhr)
"In Deutschland wuchern die verschiedenen Formen der Jugendkultur
nur so", stellte Paul Willis 1981 nach einem Berlin-Besuch
fest. Unter abweichenden sozialen Voraussetzungen, mit zeitlicher
Verspätung und ohne die historische Reihenfolge wurden die
britischen Vorbilder nachgeahmt: Punks, Skinheads, Teds und
andere.
Im Gegensatz zu den fast jährlich variierten, dem ökonomischen
Zwang zur Abwechslung unterworfenen Moden der Bekleidungsindustrie
verfestigte sich bei diesen Gruppen das Zusammenspiel
von Kleidung, Haartracht und Accessoires zu einem dauerhafteren,
für das Selbstverständnis der betreffenden Subkultur signifikanten
Stil. Das Auftreten der musikalischen Idole, die bevorzugte
Musik selbst, aber auch die Gestaltung der frequentierten Bars
und Diskotheken können als weitere Ausdrucksformen dieser Stile
gelten, deren Wirkungskreis längst jenseits bloßer "Jugendkulturen"
iegt.
Wie auch immer man die soziale Funktion der jugendlichen Subkulturen
einschätzt, ob man "semiotische Stadtguerillas", Sozialisationsagenturen
oder Verfallssymptome traditioneller Arbeiter-