ANGELEGENHEITEN DER DGV
berger und Friedemann Schmoll anschaulich gezeigt haben. Auch der eher ganzheitliche
Blick von einigen Referenten (zu nennen wären hier beispielsweise Adelheid
Schrutka-Rechtenstamm, Christoph Köck und Ronald Lutz) öffnete neue Perspektiven.
Gerade diese drei Vorträge machten auch deutlich, daß der Themenschwerpunkt
„Mensch — Natur — Tourismus“ seine Virulenz seit dem ersten
Treffen der Kommission Tourismusforschung nicht verloren hat.
Das Nebeneinander von unterschiedlichen, historisch geprägten Einstellungen und
Erwartungshaltungen angesichts der natürlichen Umgebung am Urlaubsort führte
den Tagungsteilnehmern auch das Phänomen der Aufhebung fester Zeitstrukturen,
das Hasso Spode bereits bei der 3. Arbeitstagung in Münster angesprochen
hatte, deutlich vor Augen. Tourismus als Aufhebung von Raum und Zeit war denn
auch Thema eines besonders rege diskutierten Beitrags von Karlheinz Wöhler
vom Lüneburger Institut für empirische und angewandte Tourismuswissenschaft.
Wöhlers Ansatz, daß dem Touristen Räume angeboten werden, die er selber
nach Belieben mit Bedeutung aufladen kann, und seine Feststellung, daß Touristen
gegebene Zeitstrukturen entsubstantiieren und sich über räumliche Bezüge
hinwegsetzen (Grenzüberschreitungen im wörtlichen und übertragenen Sinne),
dementsprechend also feste räumliche und zeitliche Bezüge einer gewissen Auflösung
unterliegen, da sie im Rahmen des touristischen Angebots nicht so vielseitig
verwertbar sind, stieß zwar auf durchaus ernstzunehmende Kritik, erscheint mir
aber auch sehr inspirierend und nachdenkenswert, da gerade dieser Beitrag
neue Perspektiven für die Tourismusforschung aufgezeigt hat.
Der erste Tagungstag wurde mit einem Referat von Ueli Gyr beschlossen, das
sich an die Präsentation eines Filmes des Schweizer Fernsehens anschloß. Dieser
Beitrag wäre auch als öffentlicher Abendvortrag geeignet gewesen, da er die
Problemstellung der Arbeitstagung am Beispiel des „Heidi-Images” sowohl
anschaulich als auch unterhaltsam präsentierte; nicht zuletzt deshalb, weil in dem
Vortrag von Gyr anhand eines konkreten Beispiels noch einmal alle im Laufe des
Tages geäußerten Kritikpunkte angesprochen und diskutiert werden konnten, fühlten
sich die Anwesenden trotz der fortgeschrittenen Stunde zu einer vorgezogenen
Abschlußdiskussion angeregt.
Auch der zweite Arbeitstag wurde von einem inspirierenden Beitrag beschlossen,
der jedoch eher die Randbereiche der Tourismusforschung betraf. Klara Löffler
berichtete über die Vorbereitungen zu einem Projekt über „Die neue Schaulust“,
in dem sie vor allem hinsichtlich der Methodik neue Wege beschreitet und dessen
Fortgang alle Tagungsteilnehmer sicherlich mit Interesse verfolgen werden.
In der Abschlußdiskussion kristallisierten sich vor allem zwei Perspektiven für die
volkskundliche Tourismusforschung heraus: So könnte man sich angesichts der
Vielschichtigkeit des Problemfeldes künftig wieder mehr auf kleinräumige Untersu-