TAGUNGEN
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rungen durch die Restaurierungswerkstätten des Museums, in denen kurze Einblicke
in verschiedene Themenkomplexe gegeben wurden, beispielsweise die Behandlung
von Textilien (Gabriele Braun), die Alters- und Echtheitsbestimmung bei
Keramik (Beate Müller) und klimatische Anforderungen an Standorte (Sabine
Weik). Ein gerade im Völkerkundemuseum mit seinem großen Bestand an Gegenständen
aus verschiedensten organischen Materialien wichtiger Schwerpunkt war
das Thema Schädlingsbekämpfung (Irmela Hartung).
Nach diesem Blick hinter die Kulissen konnten die Fortbildungsteilnehmer zwischen
drei Führungen durch die Abteilungen Afrika, Nordamerika und Orient der
Dauerausstellung wählen.
Den Abschluss des ersten Tages bildete eine Führung durch die Staatsgalerie, bei
der die mit der Unternehmensberatung McKinsey erarbeitete Neukonzeption im
Ausstellungsbereich erläutert wurde. Anschließend fand ein Gespräch mit dem
Direktor der Staatsgalerie, Prof. Dr. Christian von Holst, statt.
Am zweiten Tag begrüßte Prof. Dr. Claus König, der Direktor des staatlichen Museums
für Naturkunde, die Fortbildungsteiilnehmer im Museum am Löwentor. Er
sprach über die Fachrichtungen, die in der Naturkunde vereint sind (Zoologie, Entymologie,
Botanik, Paläontologie) und über den geplanten neuen Ausstellungsbereich
für Mineralogie im Rosensteintunnel. Die Initiative der Volontärinnen und
Volontäre zu dieser Fortbildungsveranstaltung unterstützend, beschrieb er das
Volontariat als eine Zeit, in der junge Wissenschaftler den Arbeitsbereich Museum
erproben könnten.
Unter dem Titel "Speicher und/oder Generator? Zum Verhältnis von Deponieren
und Exponieren im Museum" legte Prof. Dr. Gottfried Korff vom Ludwig-Uhland-Institut
für Empirische Kulturwissenschaft an der Universität Tübingen seine Thesen
über die Aufgaben der Museen dar. Er konstatierte einen Trend zur Musealisierung,
zu einer vermehrten Ausstellungstätigkeit von Nicht-Museen. Für das
große Bedürfnis nach Ausstellungen führte er drei Gründe an: den Ausgleich eines
Vertrautheitsschwundes (Lübbe, Kompensationstheorie), den Wunsch nach
Authentizität, nach Realpräsenz in der medialen Gesellschaft und die Suche nach
einer xenologischen Institution (Sloterdijks Schule des Befremdens). Die ausstellende
Institution führt diese Erfahrungen zusammen als Begegnung mit dem
Fremden, dem alten, dem neuen oder dem exotischen Objekt. Dabei sollte das
Museum nicht als Depot (= kulturelles Gedächtnis) dienen, sondern Stätte des
Exponierens (= Erinnerns) sein. Im Museumsboom der 80er Jahre sei ein Übergewicht
auf das Depot gelegt worden, Gegenreaktion sei die verstärkte Ausstellungstätigkeit
von Nicht-Museen.
Des weiteren sprach er über die Vermitteltheit kultureller Erinnerungsprozesse in
Ausstellungen und die Spannung zwischen den Polen der Objekt-Autonomie und
der Kurator-Autorität, die die Exponate in den Rahmen einer Inszenierung einbringt.
Das Museum, das zum Erlebnisort "verkommt”", sei ein erinnerungskultureller
Ort, ähnlich wie ein Denkmal oder ein Grab, in dem der Besucher mittels der
eigenen Rezeption zum Produzenten der Erinnerung wird. Deshalb die Forderung,
das Museum solle als "Bühne" (im schwäbischen Sprachgebrauch) Speicher und
Darstellungsort zugleich sein.
In der anschließenden Diskussion wurde konstatiert, die Museen hätten sich zu
lange mit dem Sammeln und Bewahren beschäftigt. Die neu entstehenden Aus-