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Full Text : DGV-Informationen, 110.2001

FORSCHUNGSFORUM

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tation auseinanderzusetzen. Der Austausch soll die berufliche Qualifikation und
die internationalen Berufserfahrungen der Teilnehmer verbessern und sie insbesondere
 in die Lage versetzen, für künftige Arbeitsverhältnisse Perspektiven für
grenzüberschreitende Kooperationen zu entwickeln. Dem Arbeitsaufenthalt im
Museum vorgeschaltet ist ein allgemeines Einführungsseminar sowie ein vierwöchiger
 Sprachkurs. Das Einführungsseminar vermittelt die Grundlagen der Kulturpolitik
 sowie der Berufsausbildung in den beteiligten Ländern. Vertieft werden
diese Kenntnisse in dem anschließenden berufsspezifischen Sprachkurs, der den
Teilnehmern vielfältig Gelegenheit gibt, Erfahrungen, Kenntnisse und Einschätzungen
 zu diskutieren. Den Abschluss des Programms bildet ein zweitägiges
Evaluationsseminar, das von der Direction des musges de France organisiert wird.
Hier werden die Erfahrungen der Teilnehmer ausgewertet und diskutiert.
An dem Programm haben zuletzt drei Belgier, vier Franzosen und sechs Deutsche
teilgenommen. Beteiligt war ein breites Museums-Spektrum, das von archäologischen
 sowie kunstgeschichtlichen Häusern über stadt- und regionalgeschichtlich
ausgerichtete Museen bis hin zu industrie- und naturhistorisch orientierten Institutionen
 reichte.
Der Verfasser konnte sich am kulturhistorischen Musege Dauphinois in Grenoble,
das sich u. a. den Lebens- und Arbeitsweisen in den umliegenden Alpenregionen
widmet, von der Effizienz und Bedeutung eines interregional ausgerichteten und
in der Ecomus&gologie theoretisch sich begründenden Museums überzeugen. Sicher
 würde es zu weit gehen, von der in Grenoble in praxi erlebten sozialen Fundierung
 des Museumsgedankens auf eine allgemeine Engführung von Gesellschaft
und Museum als ein spezifisch französisches Phänomen zu schließen. Bemerkenswert
 bleibt aber dennoch der Eindruck, dass dem regionalen Kulturerbe
("Patrimoine regional") im Vergleich zum sog. "Patrimoine national” zusehends
mehr Bedeutung beigemessen wird. Bestätigung findet dieser Eindruck durch die
Dezentralisierungsbemühungen in der französischen Kulturpolitik, an denen das
Departement Isere neben zwei weiteren Pilot-Departements mit dem Ziel beteiligt
ist, staatliche, in den Regions verankerte Kompetenzen in die Departements zu
verlagern. Dieses Projekt ist sicher nicht zuletzt auch der Idee eines Europa der
Regionen geschuldet; einem Konzept, das aus föderalstaatlicher, deutscher Sicht
vordergründig klar auf der Hand liegen mag, das aber für das zentralstaatlich organisierte
 Frankreich mit vergleichsweise nur bedingt ausgeprägten regionalen
Identitäten eine gewisse Herausforderung darstellt. Welche Bedeutung Museen
hierbei zukommen kann, war am Beispiel des Mus&ge Dauphinois zu beobachten,
das sich in diesem Kontext profiliert und sich als Deutungsinstanz für soziale und
kulturelle Zusammenhänge in seiner Region große politische wie gesellschaftliche
Anerkennung verschafft hat.
Die besondere Stärke des Austauschprogramms liegt darin begründet, seine Teilnehmer
 für die spezifischen Probleme und Eigenheiten in den Nachbarländern zu
sensibilisieren, wobei sich sein spezieller Mehrwert daraus ergibt, dass sich über
den Standpunkt eines kulturrelativistischen Beobachtens hinaus Möglichkeiten
eröffnen, sich auf übernationaler Ebene tatsächlich europäisch auszutauschen. Es
ist in besonderem Maße sinnvoll, dass hierzu gerade die potenziellen Leistungsund
 Verantwortungsträger von morgen eingeladen und in die Lage versetzt werden,
 Einblicke in die Institutionen der Gastländer zu gewinnen, die über das übli-
            
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