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Full Text : DGV-Informationen, 111.2002

AUSSTELLUNGEN

® Im Marburger Haus der Romantik ist bis zum 12. Januar 2003 die Ausstellung
„Schaukelpferd und Schnürkorsett —- Kindheit 1800” zu sehen. Sie wurde im
Rahmen eines Seminars des Instituts für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft
 der Philipps-Universität Marburg unter der Seminarleitung
von Frau PD Dr. Marita Metz-Becker konzipiert. Die Ausstellung nähert sich der
Geschichte der Kindheit nicht allein mit dem Blick auf das spielende Kind. Es geht
vielmehr um die Öffnung der Perspektive auf die Kinderwelten in ihren jeweils
verschiedenen Milieus und historischen Kontexten. So war die „neu entdeckte“
Kindheit im Bürgertum um 1800 zwar leitbildgebend —-.bis sich diese Muster aber
in bäuerlichen Schichten oder im Arbeitermilieu durchsetzten, wo das Kindsein
noch lange von der Notwendigkeit des Broterwerbs geprägt war, verging noch
mehr als ein ganzes Jahrhundert. ’Schnürkorsett’ steht somit auch im übertragenen
 Sinn für Zwänge und Entbehrungen, die Kinder betroffen haben, die nicht zur
gesellschaftstragenden Schicht des Bürgertums gehörten. Vor dem Hintergrund
der Aufklärung und der Französischen Revolution, den tragenden geistigen und
politischen Ereignissen des 18. Jahrhunderts, kam es zu einer Befreiung des
Menschen in der konkreten Gestalt des Bürgers, des selbstbewusst für sein
Schicksal und das der Menschheit eintretenden Subjekts. Für das Kind bedeutete
dies, dass es aus seiner tradierten mythologischen und biblischen Symbolfunktion
herausgelöst und im Bewusstsein der Öffentlichkeit allmählich zum anerkannten
Mitglied der menschlichen Gemeinschaft wurde. Seine neue Position, die es ins
Zentrum der Aufmerksamkeit rückte, will die Ausstellung anhand konkreter Lebenszeugnisse
 (autobiografische Texte, Bilder, Spielzeug, Kleidung etc.) erfahrbar
machen.
Marburger Haus der Romantik, Markt 16, 35037 Marburg

s Das Historische Museum Bielefeld zeigt bis zum 2. Februar 2003 die Ausstellung
 „Die Winterreise, Historische Schlitten aus der Sammlung Bollweg“. Der
Schlitten in seiner ursprünglichen Form ist das älteste Transportmittel überhaupt.
Eine Last auf zwei Gleitkufen fortzubewegen, war in allen Ländern mit schneereichen
 Wintern üblich, wobei sich unterschiedliche Schlittentypen herausbildeten.
Daneben wurden zur Personenbeförderung Schlitten mit Zugtieren eingesetzt. Als
Sportgerät war der Schlitten vor allem in Skandinavien bekannt und breitete sich
erst mit dem Aufkommen des Wintersports im 19. Jahrhundert auch in Deutschland
 aus. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl verschiedener Schlittenarten und
stellt die Kulturgeschichte dieses Beförderungsmittels vor. Etwa 60 Schlitten aus
der Sammlung Horst-August Bollweg, der wohl größten privaten Sammlung dieser
 Art in Deutschland, bieten dabei die ganze Bandbreite des Themas. Von niedlichen
 Puppenschlitten bis zu mächtigen Lastschlitten, mit denen früher Langholz
befördert wurde, reicht das Spektrum. Die Winterreise ist auch das Thema von
dekorativen Grafiken, die in der Ausstellung zu sehen sind, und selbst das Gehör
wird angesprochen durch die zahlreichen Schlittengeläute.
Historisches Museum Bielefeld, Ravensberger Park 2, 33607 Bielefeld, Tel.: 0521/513630, Fax:
03521/516745, E-Mail: historisches.museumÖ@bielefeld.de

a» Aus Anlass seines 100-jährigen Bestehens zeigt das Museum für Post und
Kommunikation bis zum 9. Februar 2003 die Ausstellung „Immer wieder Neues.
            
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