Angelegenheiten der dgv
Angesichts der heterogenen hochschulpolitischen Landschaft wird eine strukturelle Kompatibilität
der Studiengänge wohl kaum zu verwirklichen sein. Nur auf der inhaltlich-thematischen
wie methodisch-theoretischen Ebene über vergleichbare Module wäre eine
Annäherung möglich, besonders über Grundmodule des ersten Studienjahres. Wenigstens
aber sollte man sich auf eine allgemeine Anerkennung derselben bei Studienortwechsel
einigen. (Mohrmann, Beck, Welz). Dies wird um so wichtiger sein, als die Umsetzung von
Lernzielen des BA, die laut KMK „wissenschaftliche Grundlagen, Methodenkompetenz und
berufsfeldbezogene Qualifikationen“ (KMK 10/04) vermitteln sollen, hinsichtlich der letzten
zwei Punkte kontrovers diskutiert wurde am Beispiel der Schwerpunktsetzungen empirischer
oder historisch-philologischer Zugänge und am Angebot von Lehrforschungsprojekten.
Bei letzteren stand vor allem zur Debatte, inwieweit diese im zweiten Studienjahr überhaupt
sinnvoll und praktikabel wären, da reflektiertes fachliches Fundament in dieser Phase
noch schwerlich eingefordert werden könne (Bendix). Die möglichst offene Benennung
von Modulen könnte zumindest exemplarisches Lernen in den Seminaren weiter sichern.
Jenseits der nicht absehbaren Reaktionen des Stellenmarktes auf die neuen Studiengänge
wissen wir, dass die potentiellen Tätigkeitsfelder unserer Absolventen von je wenig
vorstrukturiert und schnell wandelbar sind. Im Prinzip sollte Praxisbezogenheit nach den
bisherigen Entwürfen und nach wohl einhelliger Meinung heißen: wissenschaftliche Analysefähigkeit,
selbstständige solide Informations- und Wissenserschließung, Kompetenz zu
gesellschaftsorientierten Fragestellungen, Kritikvermögen und Selbstreflexivität. Die über
alle geistes- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen verlangte soziale Kompetenz und
Kommunikationsfähigkeit sind für unser Fach Vorsetzungen für die erforderliche Sensibilität
im Umgang mit anderen Lebenswelten sowie das Einlassen auf Fremderfahrungen
und deren Verarbeitung. Das „ethnologische Paradigma” sollte daher für ein gemeinsames
Fachprofil betont werden, weitere Strategien hieran entwickelt werden (Braun). Dies gilt es
auch für die im Rahmen des „Bologna-Prozesses“ proklamierte Internationalisierung von
Studiengängen zu überlegen. Die mangelnde nationale Vergleichbarkeit im Aufbau der
diversen Studiengänge deutet schon an, dass eine Mobilität der Studierenden in Europa
schwerer und nur noch bis zum dritten Semester oder nach dem BA praktikabel sein wird.
Eine Internationalisierung kann durch Empfehlungen eines Fremdsprachenstudiums in der
sog. freien Modulen erreicht werden, sowie durch Werbung für Praktika im Ausland und
nicht zuletzt durch ein Interesse der Lehrenden am Austausch und Vergleich mit anderen
europäischen Ethnologien und Anthropologien, ihren ethnographisch-folkloristischen Traditionen.
Reinhard Johler mahnte dies schon 2000 in Tübingen an. Internationale Studiengänge
werden in den Geistes- und Kulturwissenschaften insgesamt wohl die Ausnahme
bilden, die Beteiligung an internationalen Promotionskollegs könnten Ausgleich schaffen.
Blickt man auf die Dokumentation „Volkskunde °00“ der Hochschultagung in Tübingen zur
Hochschulreform und Fachidentität zurück, zeigt sich vier Jahre später, dass ein Großteil
der damals in den Berichten und Stellungnahmen kritisch betrachteten Entwicklungen sich
nun klarer abzeichnen: mangelnde Lehrkapazitäten durch überbordende Regularien, Leistungskontrollen,
Zulassungsbeschränkungen, Wegbrechen von Themenbereichen. Einer
selbstständigen und selbstverantwortlichen Gestaltung des Studiums durch die Studierenden
wird kaum mehr Aufmerksamkeit gezollt, entgegen den vielgepriesenen Freiheiten
des Baukastensystems, denn mangelnde Kapazitäten zwingen zu eng gezurrten Studienplänen.
Der Übergang vom BA zum MA wird sich bei Ortswechsel schwieriger gestalten,
nicht nur aufarund der Vergleichbarkeit der Studiengänge, sondern aufgrund der Kapazitä-