62
Ausstellungen
tung fand die in Marburg hergestellte Keramik durch einen florierenden Handel: Johann
August Koch schrieb 1850 zum Handel mit dem Marburger Geschirr: „Der größte Absatz
desselben ist nach Hannover, Hamburg, die Ostsee-Provinzen etc., wohin jährlich an 3000
Centner versendet werden, die von da weiter zum Theil in die überseeischen Länder gehen.“
Insgesamt galt die Töpferei zeitweise als wichtigster Wirtschaftszweig im Marburg
des 19. Jahrhunderts, da um 1840-1850 ca. 600 Menschen direkt von dem Gewerbe ernährt
worden sein sollen.
Hier will das Ausstellungs- und Tagungsprojekt zur Marburger Keramik ansetzen. Eröffnet
wird die Gesamt-Ausstellung am 10. März mit der Schau „Marburger Sozialgeschichte um
1800“ im Marburger Haus der Romantik (bis 26. Juni), Markt 16, Öffnungszeiten: Di-So
11—13 Uhr und 14-17 Uhr. Vom 1. Mai bis 26. Juni wird dann die Haupt-Veranstaltung die
Ausstellung „Bunte Kannen — bunte Schüsseln. Töpferei des 19. Jahrhunderts aus Marburg“
im Universitätsmuseum für Kulturgeschichte im Marburger Landgrafenschloß dem
Publikumsverkehr zugänglich gemacht. Im Anschluss werden beide Ausstellungen im
Freilichtmuseum Hessenpark in Neuanspach gezeigt (24. Juli- 25. September). Öffnungszeiten:
Di-So 10-18 Uhr. Im Juni 2005 finden begleitend die interdisziplinären Tagungen
‚Keramik und Landesgeschichte“ (4. 6. 2005) in Zusammenarbeit mit dem Verein für
hessische Geschichte und Landeskunde im Fürstensaal im Landgrafenschloß und die Tagung
„Dinge deuten und darstellen“ (am 17.-18. 6. 2005) in Kooperation mit dem Institut für
Europäische Ethnologie/ Kulturwissenschaft, im Seminarraum im Landgrafenschloß, statt.
Weitere Informationen unter: http://www.vhghessen.de/inhalt/aktuelles_keramik.htm
Marburger Haus der Romantik, Markt 16
„Geheimnisvolle Masken aus der Rhön“
Von jüdischen und christlichen Bartmännern
Ausstellungsdauer: 6. Februar — 18. September 2005
Ort: Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Die volkskundliche Sammlung des Hessischen Landesmuseums Darmstadt zeigt vom
06.02.-18.9.2005 anlässlich ihres zehnjährigen Jubiläums in der Außenstelle Lorsch folgende
Sonderausstellung: Geheimnisvolle Masken aus der Rhön. Von jüdischen und
christlichen Bartmännern.
Den Besuchern werden Holzmasken einer nahezu unbekannten Fastnachtsregion aus
der Rhön vorgestellt. Dieses bayerisch-, hessisch-, thüringerische Grenzgebiet ist die
nördlichste Fastnachtshochburg Deutschlands, in der die Akteure immer noch Holzlarven
tragen. Wie umfassende Recherchen ergaben, ist der Holzmaskenbrauch zur Fastnacht
um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Oberelsbach entstanden, wo er auf die demokratischen
Bestrebungen der damaligen Zeit zurückreicht. Der Brauch erhielt weitere Verbreitung
durch die spätere Holzschnitzschule in Bischofsheim, Die in der Maskenlandschaft
überwiegend in barocker Tradition dargestellten Männer- und Frauengesichter werden
durch eine auffallend hohe Anzahl von „Judenantlitzen“ aus der Sichtweise der ortsansässigen
Christen bereichert. Anders als in den „Stürmer-Fratzen“ karikieren diese Larven
Juden nicht in antisemitischer Weise. Hierbei stellt eine weitere Besonderheit die Figur
des „Blaue Jüd“ dar, die auf eine historische Aufführung „Der Auszug der Kinder Israel aus