Tagungen
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Konstruktion am Beispiel Nordseeküste“ an. Fischer zeigte auf, dass das jeweilige wissenschaftliche,
touristische oder künstlerische Verständnis von „Landschaft“ in höchstem
Maße ein soziales Konstrukt und Ergebnis der Definitionsmacht einzelner Akteure bzw.
Gruppen ist. Somit bleibt auch die wissenschaftliche Beschäftigung mit Landschaft unaufhebbar
eingebunden in die nicht nur „symbolischen“ Kämpfe, die es — offen oder verdeckt
— um die Durchsetzung der „Realkategorie Landschaft“ gegeben hat. Beispielhaft veranschaulichte
Fischer die Konstitution von „Landschaft“ an den politischen Konflikten und
sozialen Auseinandersetzungen um Naturschutzgebiete.
Die Frage, wie spezifische Bilder der Küste geschaffen und touristisch vermittelt werden,
bildete das Vortragsthema des Geographen Jürgen Hasse (Hannover). Er untersuchte die
Nordseeküste als „Die touristische Konstruktion einer ‚besseren Welt’. Zur kultursoziologischen
und sozialpsychologischen Codierung einer Landschaft“. Auf Basis der Analyse
gedruckter Werbeträger stellte Hasse die sich hier entfaltenden „Erlebnisschablonen“ vor,
wobei die Verknüpfung zwischen Texten und Bildern eine besondere Rolle spielten. Als
eines der Instrumente der Werbung stellte er erotisch konnotierte weibliche Figuren in einem
lokalen Setting vor, die suggerieren, dass die Küste mehr verspreche als nur Meer
und Strand. Tourismus wird auf diese Weise zur „Industrie der Imagination“, wobei die einzelnen
Seebäder auf differenzierende „Alleinstellungs-Merkmale“ achten. Diesem Zweck
dient beispielsweise die Darstellung von Naturlandschaft und Regionalkultur sowie des
Sport- und Freizeitpotentials in den Werbeträgern.
Im zweiten Tagungsblock stellten Referenten Fallbeispiele zu Projektionen, Imaginationen
und Repräsentationen der Küste vor. Die Historikerin Marie Luisa Allemeyer (Göttingen)
referierte unter dem Titel „...dass man dem grausam Toben des Meeres nicht etwa kann
Widerstand thun mit Gewalt’. Eine Diskussion um Deiche und Dünen aus der zweiten
Hälfte des 18. Jahrhunderts“. Sie fokussierte den historischen Diskurs über die Wirksamkeit
der „künstlichen“ und kostenträchtigen Deiche und die Frage, ob die „natürlichen“ Dünen
Deiche ersetzen können. Anhand eines frühneuzeitlichen Beispiels von der Halbinsel
Eiderstedt zeigte Marie Luisa Allemeyer, dass dem technologisch avancierten, nicht zuletz!
der Landgewinnung dienenden Deichbau programmatisch der konservative Küstenschutz
durch Dünen gegenübergestellt wurde. Anhand der Analyse dieser Auseinandersetzung
Wurden mentalitätshistorische („künstliche Technik“ vs. „gottgegebene Natur“) und politi-Sche
(Obrigkeit vs. Untertanen) Gegensätze und Konfliktlinien sichtbar.
Kontroverse Zuschreibungen und Verständnisse der Küste bildeten auch das Thema des
Historikers Manfred Jakubowski-Tiessen (Göttingen). Am Beispiel heutiger Gegensätze
zwischen Naturschutz und Küstenschutz zeigte er in seinem Vortrag „Buten und binnen.
Grenzerfahrungen und Grenzziehungen in der Küstengesellschaft“ Diskrepanzen in der
Wahrnehmung der Natur auf. Verweisen die Verfechter des „Nationalparks Wattenmeer“
auf eine ursprünglich amphibische Landschaft als Leitbild einer noch nicht gezähmten Natur
in der Zeit vor dem Deichbau, so wird von anderer Seite — etwa den Marschenbauern -
die (vermeintliche) technische Notwendigkeit der Deiche für den Küstenschutz akzentuiert.
Beide Gruppen bedienen sich in ihrer Argumentation der Mythenbildung. Anknüpfend an
den vorangegangenen Vortrag verdeutlichte Jakubowski-Tiessen, dass sich diese Gegen-Sätze
bereits in der Frühen Neuzeit herausgebildet hatten. In den aktuellen politischen Dis
kussionen um den „Nationalpark Wattenmeer“ würden demnach langfristige Mentalitäten
Sichtbar und wirksam.