‚U
Forschungsforum
Zugleich ist die zunächst historisch aufgenommene Fragestellung auch von hoher Aktualität
und führt unmittelbar zur fächerübergreifenden Analyse gegenwärtiger Wissensgesellschaften.
Denn der Forschungsverbund sieht eine weitere wichtige Aufgabe auch darin,
aus der genaueren Untersuchung der Konstruktions- und Distributionsprozesse volkskundlichen
Wissens zu einer historisch fundierten kulturwissenschaftlichen Theorie des
Wissenstransfers zu kommen. Volkskunde wird dabei als beides verstanden: sowohl als
überregionale Wissenskultur wie als regionales Wissensmilieu, das seine Kraft vor allem
im 18. und 19. Jahrhundert aus dieser thematischen wie sozialen Verankerung in den Regionen
bezieht. In beiden Gestalten geht es um das Verhältnis zu anderen Disziplinen und
Wissensbereichen, um konkrete Beziehungen und deren Veränderung zu Experten- und
Laienwissen und natürlich auch um das Zusammenspiel kultureller und medialer Repräsentationen
dieses Wissens in Gestalt von Texten wie von Bildern wie von Dingen und in
Einrichtungen, von den Vereinen über die Museen bis in die Akademien.
Entscheidend ist, dass diese Fragestellungen und Forschungen in den einzelnen Projekten
nicht isoliert bearbeitet werden sollen. Vielmehr sollen im Kooperationszusammenhanc
des Forschungsverbunds und später der Forschergruppe die Einzelforschungen systematisch
aufeinander bezogen werden. Die Einzelprojekte sollen also Fallstudien zur volkskundlichen
Wissensproduktion erarbeiten, die innerhalb unterschiedlicher lokaler/regionaler
Wissenschafts- und Öffentlichkeitsstrukturen die spezifischen fachlichen Szenarien,
die politischen Bühnen und die öffentlichen Akteure analysieren. Von dort aus sollen dann
personelle und institutionelle Netzwerke auf den vielfältigen regionalen wie nationalen und
internationalen Ebenen untersucht werden, die sich wandelnden Felder und Themenstellungen
und vor allem auch die spezifischen Orte und Medien der Repräsentation volkskundlichen
Wissens.
Im Sinne dieser Kooperation versteht sich der Verbund damit auch als ein Pilotprojekt auf
der Suche nach neuen kooperativen Arbeitsweisen, die unserem Fache angemessen und
wichtig sein können. Dazu gehören neben Workshops und Arbeitstreffen auch Formen
webbasierter Quellenarbeit und Kommunikation, projektübergreifende Archivarbeit und
engmaschig verknüpfte Konzept- und Schreibarbeit. Die für die geplante Forschergruppe
aufzubauende interdisziplinäre Kooperation wird auch unser Verhältnis zu Nachbarwissenschaften
reflektieren müssen, weil diese Zusammenarbeit natürlich unverzichtbar und
notwendig ist.
Soviel in wenigen Stichworten zu diesem neuen Vorhaben. Einblicke in die Arbeit dieses
Verbundes soll eine erste Vorstellung auf dem nächsten Kongress der Deutschen Gesell.
schaft für Volkskunde ermöglichen. Näheres zu dem Gesamtkonzept wie zu den Teilprojekten
siehe unter www.volkskundliches-wissen.de
Sprecher des Verbundes und Ansprechpartner: Wolfgang Kaschuba