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Full Text : DGV-Informationen, 116.2007

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Abstracts

des Vertrauens, Formen der Autorität — die Validität von Wissen in biopolitischen Feldern
immer wieder neu erzeugt wird, welche neuen Formen der Mediennutzung hier beobachtet
werden können und in welchen Verlaufsbahnen, durch welche aktualisierbaren Potentiale
und Zwänge, die Transformation von Wissen — und damit Welt — ermöglicht wird.

Sabine Hess
Das Wissen (von) der Migration. Zur Bedeutung von Wissensprozessen
für die neue Kunst des Regierens der Migration in Europa

Untersucht man die EU-internen und -nahen Institutionen und Gruppen, die sich mit europäischer
 Migrationspolitik befassen, wird offensichtlich, dass die Mehrheit der eingesetzten
high-level working groups oder neuartigen Agenturen vor allem mit Wissensprozessen zu tun
haben. So hat die Vergemeinschaftung dieses Politikbereichs und seine Transformation im
Rahmen der EU zu einer massiven Zunahme der Generierung, Erfassung, Speicherung, der
Bearbeitung, des Austauschs und der Weitergabe diverser Daten geführt. Dabei wurde vor
allem der geregelte transnationale und transdisziplinäre Wissenstransfer sowie die Lokalisierung
 und Implementierung des Wissens im (Verwaltungs-)Handeln der EU zum Problem.
Eine wissens-ethnographische und kulturanthropologisch angeleitete Forschung, wie ich
sie in den letzten Jahren zur Implementierung der EU-Migrationspolitik in der Türkei (teils
im Kontext des Forschungsprojekts TRANSIT MIGRATION) und zur neuen Bedeutung von
think tanks in diesem Politikfeld durchführe, kann dabei deutlich machen, dass eine derartige
wissensbasierte Politik nicht nur neue politische Akteure und Praxen hervorbringt bzw. wichtig
 macht, sondern auch ihr Objekt des Wissens neu „erschafft“ und konturiert. Gerade eine
praxeologisch angeleitete Politikanalyse kann zeigen, wie sich der neue Politikstil des „Governance“
 konturiert und bis weit in die sogenannte Zivilgesellschaft ausgreift und sie aktiviert.
Allerdings kann eine multi-sited Ethnographie auch zeigen, dass derartige Wissenspolitiken
— die auch immer als Repräsentationspolitiken zu verstehen sind — selbst nach Innen wie
nach Außen subjektivierend wirken und nie ohne Reaktion bleiben. So haben gerade die auf
spezifischem Wissen basierenden migrationspolitischen Klassifikationen wie beispielsweise
die Kategorie des „Flüchtlings“ und ihre „Beweislast“ neue Wissensmakler, -transfers, -produkte
 und Diskurse unter Migranten und Migrantinnen hervorgebracht, die mit unterschiedlich
 widerständigen Taktiken und Schlichen (De Certeau oder Homi Bhaba) arbeiten.

Katrin Amelang
„Vergewisserte“ Alltagspraxen chronisch Kranker, oder: Die Verhandlung von
medizinischem Wissen zwischen Sprechzimmer, Internet und Alltagsverstand

Medizinisches Wissen spielt in den Alltagen von Patientinnen und Patienten mit chronischen
Krankheiten eine wichtige Rolle. Chronisch krank zu sein bedeutet nicht nur, mit dem Wissen
um die eigene Krankheit und ihre Auswirkungen langfristig umgehen zu lernen, sondern auch,
            
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