Abstracts
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Mit vielfältigen Formen medizinischen Wissens. An welchen Punkten wird dieses Wissen (und
Seine Autorität) akzeptiert, wo aber auch ignoriert oder hinterfragt? Medizinisches Wissen ver-Stehe
ich hier als Werkzeug, mit dem beispielsweise Befinden und Erfahrungen gedeutet und
Srklärt und Argumente geliefert werden, um Alltagspraxen oder Lebensstile zu verändern. Die
Aneignung und Verhandlung medizinischer Wissensangebote findet nicht allein in der Arzt-Patienten-Interaktion
statt, sondern auch im Austausch mit anderen Patientinnen und Patienten,
der biographischen Einordnung von Krankheitserlebnissen, der alltäglichen Auslegung
therapeutischer Vorschriften etc. Eine Informationsressource, die dabei immer wieder heraus-Sehoben
wird, ist das Internet und der damit verbundene Zugang zu sehr unterschiedlichen
Medialen Präsentationen und Aufbereitungen von (medizinischem) Wissen.
Anhand ethnographischer Forschungsarbeit zu Organtransplantierten und Patientinnen und
Patienten mit genetischen Erkrankungen möchte ich diese alltägliche Auseinandersetzung
Mit und Verhandlungen von medizinischem Wissen genauer in den Blick nehmen. Inwiefern
Wird in diesem Prozess medizinisches Wissen durch alltägliches Wissen erweitert und modifziert?
Aber auch umgekehrt, wie verändern sich Konzepte von Gesundheit/Krankheit durch
Medizinisches Wissen und damit verbundenen Handlungsangeboten. Kurz: Wie reflektieren
und interpretieren Patientinnen und Patienten ihre Wissens- und Alltagspraktiken mit der
Hilfe — aber auch jenseits — von medizinischen Erklärungen und Handlungsoptionen?
Nevim Cil
Medien und Geheimnisse: IVF in Istanbul-Türkei
Die Zahl hoch technisierter, reproduktionsmedizinischer Kliniken und IVF-Zentren in Groß-Städten
der Westtürkei ist in den letzten zehn Jahren explosionsartig gestiegen. Wissen
über hier angebotene Verfahren wie beispielsweise IVF (in vitro-Fertilisation) oder ICSI
(Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) wird primär über verschiedene Massenmedien
Weitergegeben, die moralische, soziale oder politische Tabus in Bezug auf männliche oder
Weibliche Unfruchtbarkeit und ungewollte Kinderlosigkeit nicht einhalten.
Um das gesetzliche Werbeverbot für den Gesundheitssektor zu umgehen, senden und
Veröffentlichen Fernsehsender und Printmedien Gesundheitsmagazine und Reihen zu IVF
Zur Aufklärung und Information der Bevölkerung. Die Verbreitung von IVF-Wissen und der
Versuch, assistierende Reproduktionsmedizin in der Gesellschaft mit Hilfe von Medien zu
Stablieren, erweitern die Handlungsspielräume betroffener, kinderloser Paare. Medien veräNdern
gleichzeitig das gesellschaftliche Selbstverständnis, indem sie Tabus, die der Re-Produktionsmedizin
angehaftet werden, durchbrechen. Denn reproduktionsmedizinischen
Verfahren und Behandlungen, obwohl stark genutzt, wird in der Bevölkerung mit Skepsis be-Segnet.
Weit verbreitet ist die Vorstellung, dass IVF-Behandlungen mithilfe von Fremdsamen
durchgeführt werden. Aus diesem Grund halten viele betroffene Paare ihre IVF-Behandlung
auch vor der eigenen Familie geheim. Das über die Medien erworbene reproduktionsmedizi-Nische
Wissen wird jedoch in ein Alltagswissen transferiert, das es gestattet, mit der eigenen
Situation anders umzugehen. Erklärungen und Begründungen für Kinderlosigkeit werden
Entlang zweier Dimensionen entwickelt. Die eine Dimension dient als Erklärungsfolie für die
Sigene, persönliche und familiäre Ebene, die andere für die soziale Umwelt.