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Abstracts
Praxen und Politiken dabei leisten. Welche Handlungsräume nutzen Lesben und Schwule
zur Veränderung von Wahrnehmungshorizonten, Selbstverständlichkeiten, Wert- und
Denkmustern in Europa? Wie erzeugen lesbisch-schwule Individuen und lesbisch-schwule
Emanzipationsbewegungen Handlungsfähigkeit und wie setzen sie diese ein? Welche
Rolle spielen Lesben und Schwule bei der Verständigung zwischen sozialen und
kulturellen Räumen? Wie machen sie ihren Einfluss geltend und wie trägt dieser Einfluss
zu einem sich wandelnden Europa bei? Diese Fragen sollen vor dem Hintergrund von Me:
thodik, Forschungsdesign und Analyse des empirischen Materials reflektiert und diskutiert
werden.
Andrea Bettels
Identitäten im Wandel — Lesbische Frauen in der Slowakei
Die Diskussion um lesbische Lebens- bzw. Identitätsentwürfe in der Slowakei gibt es seit
der Wende, dem Umbruch von der staatssozialistischen Gesellschaft zur Demokratie. Erst
hier begannen sich Öffentlichkeiten für Lesben und Schwule zu bilden, die eine Thematisierung
lesbischer Identitäten möglich machten. Aber auch vor dem Umbruch gab es
Frauen, die andere Frauen liebten, und die mit diesem in der tschechoslowakischen
Gesellschaft der 60er, 70er und 80er Jahre völlig aus der Norm fallenden Begehren versuchten
glücklich zu werden. Ob sie es nun im Geheimen lebten oder nicht, die heterosexuelle
Norm beeinflusste ihre (Überlebens)Strategien und Selbstdeutungen. Mit dem
Beginn einer lesbenpolitischen Öffentlichkeit ab Mitte der 90er Jahre begannen auch in deı
Slowakei Diskurse, die die Bedeutungen und Beschränkungen der Kategorie „lesbische
Identität“ thematisierten. Die innerhalb der lesbischen Community geführten Diskussionen
weisen dabei Ähnlichkeiten aber auch Unterschiede zu den großen Identitätsdiskussionen
innerhalb westlicher Lesbenbewegungen in den 70er Jahren auf.
Im Beitrag werden anhand biografischer Fallbeispiele unterschiedliche Typen lesbischer
Selbstdeutungen und Strategien im Wandel vorgestellt und diskutiert. Besonders interessiert
dabei die Frage nach der Bedeutung und dem Einfluss der heterosexuellen Norm
einerseits sowie der entstehenden lesbisch/schwul/queeren Öffentlichkeit andererseits.
Richard Joseph Martin
Freiwillige Unterwerfung: Theoretische Paradoxa und gelebte Erfahrungen
sexueller Hierarchie in Berlins BDSM Szene
In der Theorie bestehen Beziehungen sadomasochistischer Art aus einem grundsätzlichen,
hierarchieproduzierenden Machtaustausch, welcher anscheinend im Gegensatz zu
den liberalen Idealen von individueller Autonomie und Gleichwertigkeit steht. Auf der
anderen Seite werden in solchen Beziehungen Konzepte wie Einwilligung und Selbstbestimmung
betont, Konzepte die den genannten Idealen entsprechen. Obwohl es viele theoretische
Debatten gibt, die versuchen dieses Paradoxon aufzulösen, besteht es
weiterhin. Eine Lösung des Widerspruchs scheint nur möglich durch eine intensive empirische
Untersuchung sadomasochistischer Praxen, die deren Bedeutungen deutlich
macht. Die Fragen, die ein solches Feld aufwirft, konzentrieren sich um die Handlungsräu-