Page Banner

Full Text : DGV-Informationen, 118.2009

Abstracts

29

me und Handiungsstrategien der Individuen: Wenn sexuelle und persönliche Bedürfnisse
durch Machtaustausch erfüllt werden, woraus besteht dann die Anziehungskraft solcher
Formen intersubjektiver Kommunikation? Und wenn Sexualität in hierarchischen Beziehungen
 gelebt wird, wie werden diese Verhältnisse von den Individuen verstanden? Sind
die gelebten Realitäten komplexer als die scheinbar klare Rangordnung?
Die empirische Forschung für meinen Vortrag fand zwischen Juni 2007 und August 2009
statt. In diesen sechzehn Monaten habe ich mich durch teilnehmende Beobachtung in
Berlin dem Feld genähert und die Praxen von Akteur_innen untersucht. Die Arbeit unternimmt
 eine Kontextualisierung dieser Praxen durch einen Vergleich mit anderen kontroversen
 Beispielen wie der Geschlechterordnung, Sexualität als soziale Kategorie und anderen
 Hierarchiediskursen im zeitgenössischen deutschsprachigen Raum, namentlich die
Debatten um die „Homo-Ehe“, um Regenbogenfamilien und um den „Kopftuchstreit“.

Sebastian Mohr
Das homosexuelle Subjekt in den Wissenschaften — Homosexuelle als
Wissenschaftler_innen.
Forschung und Forscher_innen in der DDR der 80er Jahre.

Die Konstruktion des homosexuellen Subjekts in den Wissenschaften der DDR der 80er
Jahre speiste sich aus den unterschiedlichsten Perspektiven: das Gesetzt diskriminierte
es, die Kriminalistik und Rechtswissenschaft kriminalisierte es, die Naturwissenschaften
biologisierten es, die Sozial- und Kulturwissenschaften vereinnahmten es, die Psychologie
Problematisierte es und die Sexualwissenschaften thematisierten es. An diesen Konstruktionsprozessen
 waren Wissenschaftler_innen direkt beteiligt, die auf ganz individuelle
Weise bei der Thematisierung von Homosexualität agierten: einige wollten forschen, andere
 wollten helfen und wieder andere wollten emanzipieren — privat und politisch.
In meiner Arbeit nähere ich mich den Debatten, Diskussionen und letztlich den Diskursen
über Homosexualität in der DDR der 80er Jahre auf zwei Ebenen: die Wissenschaften und
die Forschung und die Wissenschaftler_innen und Forscher_innen. Mittels einer
historischen Diskursanalyse wissenschaftlicher Literatur und Forschungsprojekte der Zeit,
Möchte ich die unterschiedlichen Diskursräume und Felder, in denen Homosexualität ver-Und
 behandelt wurde, erschließen. Auf Grundlage empirischen Materials aus mehreren
Gesprächen mit Vertreter_innen der unterschiedlichen Disziplinen, möchte ich parallel
dazu die Persönlichkeiten und deren Perspektiven auf und Positionierungen in den Diskursen
 deutlich und erlebbar machen.
Die Zeitreise in die Wissenschaften und das Eintauchen in das Leben von Wissenschaftler_innen
 in der DDR der 80er Jahre sollen die Wandlungsprozesse der damaligen Zeiten
vergegenwärtigen. Der Einblick in diese Prozesse und das Wissen um das Handeln, der
an diesen Prozessen beteiligten Individuen, sollen dazu befähigen zu verstehen, dass
Selbst in politisch restriktiven Systemen Handlungsräume von Menschen geschaffen
Werden können, die dann Ausgangspunkte für gesellschaftlichen Wandel darstellen. Die
Diskurse um Homosexualität in der DDR der 80er Jahre werden damit beispielhaft für Pro-Zesse
 des Wandels die auch als Postmoderne, reflexive Moderne oder radikalisierte
Moderne bezeichnet werden können.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.