50
Abstracts
hungen der Union im Bereich der Regionalförderung widerspiegelt. Während sich für die ir
den Anfangsjahren des Programms beteiligten Städte auf Anhieb historische europäische
Anknüpfungspunkte über Akteure, Orte, Entwicklungen und Entscheidungen herstellen
lassen, müssen sich die seit dem Jahr 2000 ausrichtenden Städte zuallererst in einem
europäischen Kontext verorten und sich entlang der eigenen städtischen Biographie und
der offiziellen Anforderungen „europäisieren“. Den dabei stattfindenden Codierungsprozessen
gemein ist die Produktion von innerstädtischen Konsumtionsräumen (mit austauschbarem
Warenangebot) und die Ästhetisierung, symbolische Ökonomisierung und
Prädikatisierung von Stadtlandschaften, die sich an einer international-standardisierten,
touristischen Nachfrage orientieren müssen um im globalen Verteilungs- und Aufmerksamkeitswettstreit
bestehen zu können. Die Investitionen aus regionalen, nationalen und
privatwirtschaftlichen Geldern unterscheiden sich zwar für jede Kulturhauptstadt je nach
nationalem Verwaltungsaufbau, doch zeigt etwa das Beispiel Liverpool 2008 wie allein
die Vergabe des Titels an die Stadt im Jahr 2003 durch „Beschwören des Gemeinschaftsgeistes“
als ein urbaner Multiplikator und Hoffnungsträger funktioniert, der ähnlich wie
andere (meist sportliche) Großereignisse innerstädtische Konsensstrukturen schafft.
Anhand einiger Beispiele aus den letztjährigen Kulturhauptstädten (Patras 2006, Sibiu &
Luxembourg 2007, Liverpool 2008, Graz 2009) möchte dieser Beitrag nach dem europäischen
Selbstverständnis der Städte fragen, die Leitmotive und Inszenierungsstrategien
aufzeigen und die Aushandlungsprozesse der EU-Vorgaben im urbanen Spannungsfeld
zwischen lokalen, regionalen und (inter-)nationalen Akteuren untersuchen.
Annina Lottermann
Mobilität und Transfer von Wissen in deutsch-polnischen und deutsch-türkischen
Städtepartnerschaften des Ruhrgebiets
Städtepartnerschaften sind ein etabliertes Format des europäischen Einigungsprozesses
Einst als Instrumente der Völkerverständigung ins Leben gerufen, zeichnet sich im Zuge
von verstärkten Globalisierungs- und Europäisierungsanforderungen an Städte und ihre
BewohnerInnen ein Wandel ab: Der Transfer von Wissen und die Bewältigung urbaner
Probiemlagen sind zu einer zentralen Aktivität von Städtepartnerschaften geworden, an
der sich (kommunal-)politische ebenso wie zivilgesellschaftliche Akteure und nicht zuletzt
die Europäische Union beteiligen.
Der Vortrag soll Praktiken des Wissenstransfers anhand von empirischen Fallbeispielen
aus ausgewählten deutsch-polnischen und deutsch-türkischen Städtepartnerschaften
beleuchten. Dabei sollen erstens Arten, Formen und Bedeutungen des städtepartnerschaftlichen
Wissenstransfers aus der Perspektive der beteiligten Akteure aufgezeigt,
zweitens dargestellt werden, wie der Wissenstransfer über strukturelle Unterschiede und
Wohlstandsgefälle in Europa hinweg so verhandelt wird, dass beide Partner etwas davon
haben und drittens auf die Spezifik der Mobilitäts- und Handlungsoptionen eingegangen
werden, die städtepartnerschaftliche Netzwerke ihren Akteuren innerhalb EU-Europas und
über europäische Grenzen hinweg bieten.
Diese Aspekte sind Teile eines Dissertationsprojekts zu Europäisierungsprozessen in
deutsch-polnischen und deutsch-türkischen Städtepartnerschaften des Ruhrgebiets im
Vorfeld der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010. Die Annahmen basieren auf einer ein-