£
Verschiedene Mitteilunger
Richard Wossidio — ein Pionier der Volkskunde
Veranstaltungen anlässlich seines 150. Geburtstages
Jubiläen, die an bedeutsame Personen oder Ereignisse erinnern, bestätigen kulturelles
Erbe oder erschaffen es neu. Die Kulturwissenschaften beschreiben nicht nur die Mechanismen
und Rituale der cultural heritage production, sondern brauchen ihre eigenen Jubiläen
— und geraten dabei selber in die Rolle von Produzenten und Werbungtreibenden.
Mit mehr als 60 Veranstaltungen geriet das Wossidlo-Jubiläum zu einem informativen, fast
möchte man meinen: Werbe-Feldzug, der in diesem Umfang gar nicht geplant war.
Richard Wossidlo, Sohn eines bürgerlichen Gutsbesitzers, wurde am 26. Januar 1859
geboren. Sein Geburtstag jährte sich 2009 zum 150. Mal. Das Rostocker Institut für Volkskunde
und ein 2002 gegründeter Förderverein, die „Gesellschaft zur Förderung des Wossi
dlo-Archivs“, nahmen dieses Jubiläum zum Anlass, an das vielfältige Wirken des Warener
Gymnasialprofessors zu erinnern, der mit vielen Helfern die Volkskunde Mecklenburgs
begründete, ihr Museumswesen initiierte und die Quellengrundlage für den „Wossidlo-Teuchert“.
das „Mecklenburgische Wörterbuch“, schuf.
Wossidio war in der Frühphase des Faches kein Unbekannter. So bat ihn der Dachverband
auf seiner Gründungsveranstaltung, die im Oktober 1905 in Hamburg stattfand,
den Eröffnungsvortrag zu halten. Hier legte er seine Feldforschungstechnik offen, die als
vorbildlich galt. Die Fachwelt schätzte neben seiner Sammlungstiefe und auch Unkonventionelles
umfassenden Sammlungsbreite seine Editionen. Freilich konnte sein Privatgelehrtentum,
das ihn später gegen Zugriffe der Nationalsozialisten immunisierte, keine Lehr
tradition begründen. Auch die Berliner Akademie der Wissenschaften, die auf Basis der
umfangreichen Sammlungen Wossidlos durch Initiativen von Wolfgang Steinitz und des
Rostocker Lehrers Dr. Paul Beckmann 1954 eine „Wossidlo-Forschungsstelle“ schuf, bot
diesbezüglich keinen Ersatz. So nimmt es nicht wunder, dass Wossidlo von der jüngeren
Volkskundegeneration vergleichsweise unbeachtet blieb.
Ähnlich verhält es sich mit der populären Wossidlo-Rezeption: Wurde der kuriose Sammleund
Gestalter von Volkskultur noch zu Lebzeiten in Mecklenburg wie eine Ikone verehrt,
weiß man im nordöstlichen Bundesland außerhalb von Fachkreisen vielfach wenig mit
dem Namen zu verbinden.
Umso erstaunlicher war die Resonanz, die das von langer Hand vorbereitete Jubliläumsjahr
erbrachte. An mehreren Orten Mecklenburg-Vorpommerns erklärten sich kulturelle
Institutionen bereit, Beiträge über Wossidlos Leben, Werk und Wirkung in ihren Veranstaltungskalender
aufzunehmen, darunter wissenschaftliche Vorträge, Rezitationen, Aussteljungen
und Tanzdarbietungen (u.a. des Mecklenburg Pommeraner Folkloreensembles
Richard Wossidlo). Feierlich eröffnet wurde das unter der Schirrmherrschaft von Ministerpräsident
Erwin Sellering stehende „Wossidlo-Jahr“ am 30. Januar mit einem Gedenksym:
posium in der Aula der Universität Rostock. Den Festvortrag hielt Prof. Dr. Silke Göttsch.
Am Abend fand eine Ehrenfeier im Rostocker Rathaus statt, die das Volkskulturinstitut des
Kulturbunds veranstaltete. Sie wurde von Ministerpräsident a.D. Dr. Harald Ringstorff begrüßt
Zu den Höhepunkten zählt eine Wossidlo-Ausstellung, die im Deutschen Bernsteinmuseum