Tagungen
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Die Landschaftsplanerin DAGMAR KUHLE (Kassel) referierte zum Thema „Der Plan des
Friedhofs und des Beisetzungswaldes — Orte der Toten in Trägerschaft der katholischen
und evangelischen Kirche“. Ihre Forschungen beziehen sich exemplarisch auf das Gebiet
der Evangelischen Kirche Kurhessen Waldeck sowie der Diözese Fulda, von welchem
eine Bestandsaufnahme heutiger Erscheinungsbilder dörflicher Friedhöfe in katholischer
und evangelischer Trägerschaft erstellt werden soll. Weiterhin soll der erste
Beisetzungswald in Trägerschaft der evangelischen Kirche in Schwanberg in die
Untersuchung miteinbezogen werden, da hier die Integration des Konzepts “Natur” in die
Friedhofsplanung und -gestaltung analysiert werden kann. Dagmar Kuhle will Friedhöfe
zum einen auf konfessionsspezifische Unterschiede hin untersuchen, aber auch auf
mögliche Überformungen auf bestehenden kirchlichen Friedhöfen, ob z.B. Rasen- oder
Baumgräber vorhanden oder geplant sind. Hierbei geht sie von der Beobachtung aus, das
aufwandsreduzierend Bestattungsformen zunehmen.
Zentral sind für Dagmar Kuhle die Wechselwirkungen zwischen sozialer Praxis und
Raum bzw. Raumplanung und -gestaltung.
Die Archäologin und Anthropologin DANA VICK (Hamburg) stellte ihre gemeinsamen
Forschungen mit dem Archäologen Andreas Ströbl zum Thema Gruftenforschung vor:
„Längst bekannt oder voller Überraschungen? Gruftbestattungen der Neuzeit in der
nterdisziplinären Forschung“. Auf der Grundlage ihrer bisherigen Erforschung zahlreicher
Gruftanlagen im deutschsprachigen Raum (z.B. in Berlin, Boitzenburg, Braunschweig,
Brandenburg, Göttingen, Görlitz, Hamburg, Hannover-Wettbergen, Lüneburg,
Quedlinburg, Rheinsberg, Wien) wurde versucht, eine vorläufige Gliederung neuzeitlicher
Gruftanlagen zu erstellen: Einzelgrüfte des Klerus und Adels (bereits im Mittelalter),
Campisanti mit Grufthäusern (16. und 17. Jahrhundert), Grüfte des Hochadels
(ab dem 16. Jahrhundert), Grüfte des niederen Adels (ab dem 16. Jahrhundert),
Klostergrüfte (ab dem 17. Jahrhundert) sowie große städtische Kirchengrüfte
(ab dem 18. Jahrhundert). Die Gruftanlagen wurden sowohl auf ihre Form als auch auf
ihren Inhalt hin untersucht. Beispiele von Grabbeigaben wie Kränze oder Eier,
Hopfenbettungen, Sargverzierungen, Schmuckbeigaben oder auch
Kreuzbandschnürungen stellen sowohl die Frage nach dahinter stehenden Praktiken und
Ritualen als auch die sich daraus ableitende Haltung zum Leichnam. In diesem
Zusammenhang wurde auch die Bedeutung interdisziplinärer Forschungen deutlich, da
hier u.a. Archäologie, Anthropologie, Biologie sowie historische Kulturwissenschaften zu
einem wechselseitigen Erkenntnisgewinn beitragen.
Der Volkskundler ADRIAN ANTON (Hamburg) analysierte unter dem Titel „Der arme Tod:
Sozial- und Zwangsbestattungen“ die Verknüpfungen von Armut und Bestattungskultur,
besonders die Schwerpunkte Sozial- und Zwangsbestattungen. Es geht um die Frage,
welche Auswirkungen Armut auf den Sterbeprozess von Menschen sowie auf die daran
anschließenden Abläufe von der Bestattung bis zu Trauerprozessen hat. “Tod“ ist ein klar
definierter Begriff, “Arm“ oder “Armut“ hingegen sind Bezeichnungen, die zahlreiche
Bedeutungen, Interpretationen und Konnotationen zulassen. Die Frage ist hierbei, wer
Armut wie und warum definiert. Der “arme Tod“ zeichnet sich seit jeher durch eine
auffällige “Spurenlosigkeit“ aus, seien es die Massengräber mittelalterlicher Kirchhöfe oder
anonyme Rasengrabflächen auf heutigen Friedhöfen.