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Full Text : DGV-Informationen, 120.2011

Tagungen

3°

Seinem gesellschaftlichen Wandel nicht angepasst hat. Auch diese implizite Differenz von
Signifikant und Signifikat ruft den Widerspruch all jener auf den Plan, die programmatisch
Mit Sprache arbeiten.
Darüber hinaus ist noch im neuen Jahrtausend der Arbeitsbegriff nicht gendered, sondern
Nach wie vor an einer männlichen Vollbeschäftigungsbiographie orientiert. Dies impliziert
Sine diskursive Verfestigung stereotyper Rollenmuster und das Fortschreiben spatialer
Ordnungen von männlicher Öffentlichkeit und weiblicher Intimität, gegen das nicht erst
Schriftstellerinnen wie Elfriede Jelinek oder Marlene Streeruwitz aufbegehren.
Auf literatur- und medienwissenschaftlicher Ebene schließlich verweisen etwa Poetik und
Selbstreferenzialität paradigmatisch darauf, dass jede künstlerische Arbeit einem Arbeitspro-Yramm
 und einem Arbeitsethos folgt, dass Arbeit mithin nicht nur künstlerisches Sujet sein
kann, sondern dass Theater und Literatur, Film und bildende Kunst umgekehrt Produkte vorn
Arbeit sind. die ihre Produktion(sbedingungen) bisweilen metadiskursiv ausstellen.

Angesichts dieses Spannungsbogens, den die Arbeitsproblematik heute offeriert, fragt die
Tagung nach künstlerischen Strategien zur Erfassung, Bewältigung und Verwindung von
Arbeit und deren Narrativen.

Der Zugang zur Arbeit wird zunehmend von den Faktoren Bildung, Alter, Geschlecht, Ethni-Zität
 und Mobilität determiniert. Hier können Instrumentarien der Cultural- und Gender Studies
 sowie der Interkulturalitätsforschung einen Zugang zur Analyse der medialen Reflexion
Von Arbeitsdiagnosen auf dem Theater, in Spiel-, Dokumentarfilm und Literatur eröffnen.
Beispiel für die mediale Präsenz von Arbeitslosigkeit ist etwa das (englische) Sozialdrama
Mit Filmen wie Brassed Off (Mark Herman), das dabei auch nach den geschlechtlichen
Stereotypen der Erwerbsarbeit fragt, so in Made in Dagenham (Nigel Cole). Im tsche-°hischen
 Film legt beispielsweise. „Vratne lahve“ (deutsch „Leergut“) von Jan Sveräk einen
 Fokus auf das Alter, während die polnischen Produktionen „Edi“ von Piotr Trzaskalski
Und „Rezerwat“ von Lukasz Palkowski auf die gesellschaftliche und spatiale Randständig
keit durch Arbeitslosigkeit verweisen.
Dieses Umschlagen von Arbeit in Arbeitslosigkeit wird auch im deutschsprachigen Film um
die Jahrtausendwende zu einem wichtigen Narrativ, so in „Schulze Gets the Blues“ von
Michael Schorr und wird, wenngleich verhalten, zum literarischen Sujet vor allem in Prosatexten
 ostdeutscher Autoren der älteren (Volker Braun) und der jüngeren Generation (Ingo
Schulze, Clemens Meyer). Die dramatische Bearbeitung des Themas entdeckt ab Ende
der 1990er Jahre nach den unteren und mittleren Einkommensschichten nun auch das
Scheitern der Top Dogs (Urs Widmer).
Dass schließlich im Zeitalter der Globalisierung eine neue Qualität von Arbeitsmigration
Und -prostitution auftritt, reflektieren wiederum jüngere Filme, zum Beispiel von Ken Loach
(„It's a Free World“) oder die deutsch-polnische Co-Produktion „Swinki“ (deutsch „Ich, To-Mek“
 von Robert Glinski).

IV.
Über die affirmative Bejahung der. Arbeitswelt hinaus sind andererseits Strategien einer
Subversiven Verweigerungshaltung in einer Nischenexistenz Zu beobachten, die sich nicht
            
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