67 Abstracts
Sektion IX
Ding-Beziehungen
Martina E. Becker
Bedeutung und Umgang geschenkter Objekte in interkulturellen Tauschprozessen
am Beispiel des deutsch-polnischen Schüleraustausches
Gastgeschenke, die im Rahmen von Schüleraustauschprogrammen übergeben werden,
sind als Teil der materiellen Kultur in multidimensionale Tauschpraktiken eingebettet. Da,
laut Gottfried Korff, Objekte als artifziell hergestellte Dinge generell vom lebensweltlichen
Handeln ausgehend zu beschreiben sind, lassen Erzählungen über Kauf, Übergabe und
Kontext der Gastgeschenke Aussagen über die Verknüpfung von Handlungsweisen, Erinnerungen
und Bedeutungen der jeweiligen Objekte zu. Geschenke fungieren als Medium
nichtsprachlicher Kommunikation, durch die Botschaften und Bedeutungen vermittelt
werden, und stellen somit ein bedeutendes Beziehungszeichen in interkulturellen Beziehungen
dar. Im kulturell gebundenen Akt der Geschenkübergabe fndet dementsprechend
eine Wissensvermittlung offziellen und inoffziellen Wissens statt, die Vorstellungen von
eigener Identität sowie Wertvorstellungen umfasst. Objektgestaltung, habituell erlernter
Objektgebrauch, Verstehen sowie Nichtverstehen von Geschenken stehen in Zusammenhang
mit beziehungsstärkenden und -schwächenden Faktoren, die vor allem im Bereich
des Schüleraustausches als friedens- und freundschaftsstiftende Programme eine
besondere Rolle spielen. Folglich werden die erhaltenen Objekte unterschiedlich in den
Lebenszusammenhang eingeordnet. Die Position und Aufbewahrungsart im privaten Haus
oder im Schulkontext sind ein Anzeiger dafür. Ferner besitzen die sozio-ökonomischen
Veränderungen der letzten Jahrzehnte einen Einfuss auf die gesamtgesellschaftliche Bedeutung
von Objekten. So lässt sich bei den Akteuren ein intensiver Wandel in der Bewertung
geschenkter Objekte im deutsch-polnischen Kontext feststellen, dem eine bewusste
Umgestaltung der Geschenkstrategien folgt.
Die Ergebnisse basieren auf 41 leitfragenorientierten Interviews mit deutschen und polnischen
Lehrkräften, die teilweise seit den 1970er Jahren an diversen Schulen deutschpolnische
Schüleraustauschprojekte organisieren und begleiten. Die Präsentation ist Bestandteil
eines Dissertationsprojektes, das unter dem Arbeitstitel „Der deutsch-polnische
Schüleraustausch in der Erinnerung“ am Seminar für Volkskunde / Europäische Ethnologie
der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster angesiedelt ist.
Anamaria Depner
„Ich nehm’ die mit oder ich derschmeiß sie an der Wand!“ Zum Umgang mit persönlichen
Dingen beim Umzug ins Altenheim
Alters- und Pfegeheime sind für viele Menschen der Ort, an dem sie ihren Lebensabend
verbringen. Senioren, die sich dazu entscheiden, in ein solches zu ziehen, stehen vor einer
wichtigen Frage, die ihren gesamten Besitz, die Dinge eines ganzen Lebens, betrifft: