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Full Text : DGV-Informationen, 122.2013

67 Abstracts

Sektion IX

Ding-Beziehungen

Martina E. Becker
Bedeutung und Umgang geschenkter Objekte in interkulturellen Tauschprozessen
am Beispiel des deutsch-polnischen Schüleraustausches

Gastgeschenke, die im Rahmen von Schüleraustauschprogrammen übergeben werden,
sind als Teil der materiellen Kultur in multidimensionale Tauschpraktiken eingebettet. Da,
laut Gottfried Korff, Objekte als artifziell hergestellte Dinge generell vom lebensweltlichen
Handeln ausgehend zu beschreiben sind, lassen Erzählungen über Kauf, Übergabe und
Kontext der Gastgeschenke Aussagen über die Verknüpfung von Handlungsweisen, Erinnerungen
 und Bedeutungen der jeweiligen Objekte zu. Geschenke fungieren als Medium
 nichtsprachlicher Kommunikation, durch die Botschaften und Bedeutungen vermittelt
werden, und stellen somit ein bedeutendes Beziehungszeichen in interkulturellen Beziehungen
 dar. Im kulturell gebundenen Akt der Geschenkübergabe fndet dementsprechend
eine Wissensvermittlung offziellen und inoffziellen Wissens statt, die Vorstellungen von
eigener Identität sowie Wertvorstellungen umfasst. Objektgestaltung, habituell erlernter
Objektgebrauch, Verstehen sowie Nichtverstehen von Geschenken stehen in Zusammenhang
 mit beziehungsstärkenden und -schwächenden Faktoren, die vor allem im Bereich
 des Schüleraustausches als friedens- und freundschaftsstiftende Programme eine
besondere Rolle spielen. Folglich werden die erhaltenen Objekte unterschiedlich in den
Lebenszusammenhang eingeordnet. Die Position und Aufbewahrungsart im privaten Haus
oder im Schulkontext sind ein Anzeiger dafür. Ferner besitzen die sozio-ökonomischen
Veränderungen der letzten Jahrzehnte einen Einfuss auf die gesamtgesellschaftliche Bedeutung
 von Objekten. So lässt sich bei den Akteuren ein intensiver Wandel in der Bewertung
 geschenkter Objekte im deutsch-polnischen Kontext feststellen, dem eine bewusste
Umgestaltung der Geschenkstrategien folgt.
Die Ergebnisse basieren auf 41 leitfragenorientierten Interviews mit deutschen und polnischen
 Lehrkräften, die teilweise seit den 1970er Jahren an diversen Schulen deutschpolnische
 Schüleraustauschprojekte organisieren und begleiten. Die Präsentation ist Bestandteil
 eines Dissertationsprojektes, das unter dem Arbeitstitel „Der deutsch-polnische
Schüleraustausch in der Erinnerung“ am Seminar für Volkskunde / Europäische Ethnologie
der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster angesiedelt ist.

Anamaria Depner
„Ich nehm’ die mit oder ich derschmeiß sie an der Wand!“ Zum Umgang mit persönlichen
 Dingen beim Umzug ins Altenheim

Alters- und Pfegeheime sind für viele Menschen der Ort, an dem sie ihren Lebensabend
verbringen. Senioren, die sich dazu entscheiden, in ein solches zu ziehen, stehen vor einer
 wichtigen Frage, die ihren gesamten Besitz, die Dinge eines ganzen Lebens, betrifft:
            
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