26 Abstracts
Sabrina Mutz
Prozesse des Infrastruktur-machens: Erneuerbare Energien aus Biomasse in
Brandenburg
Regenerative Energieerzeugung und die Diskussionen darüber, wie oder in welchen Infrastrukturen
zukünftig Energie erzeugt werden soll, verweisen darauf, auf welche Art
und Weise Energie aus Biomasse durch und in sozio-technischen Netzen hergestellt und
genutzt wird und welche materiellen Arrangements, Regulationen, Technologien damit einhergehen.
Anhand von Ergebnissen aus meinem Forschungsfeld erneuerbare Energien aus Biomasse
in Brandenburg, möchte ich auf diese Prozesse des Infrastruktur-machens konkreter
eingehen. Infrastruktur als materiell-semiotische Praxis verstehend, argumentiert der
Vortrag, dass die Transformation des Energiesystems situiert stattfndet, indem dieser politisch
gestaltete Umbauprozess – maßgeblich reguliert durch das erneuerbare Energien
Gesetz (EEG) – in konkreten sozio-materiellen settings stattfndet oder anders formuliert:
in Kulturlandschaften. Letztere, so die These, werden dabei ebenso herausgefordert wie
bestehende Machtbeziehungen und Netzwerke. Die Frage: Welche Effekte und Konsequenzen
diese energiepolitisch induzierten Transformationen mit sich bringen, soll abschließend
entlang eines Vergleiches mit einer süddeutschen Region diskutiert werden
(s. Beitrag von Franziska Sperling).
Andrea Vetter
„Is it simple to produce?“ – Konviviale Technik zwischen High Tech und
Kompostklo
Was sind gesellschaftlich wünschenswerte Techniken für eine sozial-ökologische Transformation?
Antworten darauf gaben bereits in den 1970er und 1980er Jahren Theorien
zu „konvivialen Werkzeugen“ (Ivan Illich), „Techniken mittlerer Reichweite“ (E. F. Schumacher),
„angepassten Technologien“ (Leopold Kohr) oder „radikalen Technologien“ (Peter
Harper), die innerhalb einer breiten gesellschaftlichen Debatte zu Technikkritik artikuliert
wurden. Damit einhergehend entwickelten in der Praxis meist idealistische Pioniere alternative
Techniken wie Windkrafträder und Solaranlagen, die heute im großen Stil von
marktorientierten Unternehmen gefertigt werden. Sowohl Praxis als auch Theorie radikalalternativer
Technologien erlebten in Europa erst in der zweiten Hälfte der 2000er Jahre
neue Impulse mit der Décroissance-Bewegung und der Entstehung der an die Open
Source Software angelehnten Bewegung des Open Tech. Zahlreiche lokal oder auch international
vernetzte Gruppen probieren heute neue High und Low Tech-Lösungen aus:
Projekte wie Open Source Ecology oder SolarFire, die nach dem Open Source-Prinzip
mit Hilfe von Freiwilligen Baupläne und Video-Anleitungen für ihre Prototypen von Landmaschinen
bzw. Solarkraftwerken ins Internet stellen. Bewegungen wie die Permakultur,
die mit möglichst einfachen Mitteln möglichst energieextensive lokal angepasste (nicht
nur) landwirtschaftliche Techniken ersinnen, oder Initiativen wie der neu gegründete Verbund
Offener Werkstätten, in denen sich der Do-it-yourself-Geist der 1980er mit FabLabs
trifft. Das besondere an diesen Projekten ist zum einen die Praxis des gemeinschaftlichen
Produzierens und Nutzens (Peer Produktion), zum anderen die Selbstrefexivität. Diese