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Full Text : DGV-Informationen, 125.2016

Ausstellungen 60

Besonderes. Die Ausstellung zeigt zahlreiche
 Geräte, die zum Zerlegen der Tiere
dienten und mit denen das Fleisch weiterverarbeitet
 wurde.

Welche Art Fleisch und wie viel auf den
Tisch kam, bestimmte lange Zeit vor allem
 der gesellschaftliche Stand. Durch
den steigenden Wohlstand der Wirtschaftswunderzeit
 der 1950/60er   Jahre
kam Fleisch öfter auf den Tisch; der
Sonntagsbraten krönte die Woche. Bis in
die 1990er Jahre stieg der Gesamt eischverbrauch in Deutschland an. Bei 85 Prozent
aller Verbraucher kommen Fleisch- und Wurstwaren täglich auf den Tisch. Den größten
 Anteil hat dabei das Schweine eisch.

Im Schweineschlachten sind wir Europameister. Der Anteil an hochwertigem Fleisch
aus der Region ist dabei aber sehr gering. Der größte Teil unsrer Fleisch- und Wurstwaren
 stammt aus Selbstbedienungsregalen der Supermärkte. Niedrige Preise machen
es zu „Billig eisch“. Die Industrialisierung der Fleischproduktion hat viele negative
Begleiterscheinungen. Neben den Lebensmittelskandalen ist das auch die Verbreitung
 von antibiotikaresistenten Keimen. Die intensive Tierhaltung ist zudem einer der
Hauptverursacher der großen Umweltprobleme. Viele Menschen sind deswegen der
Meinung, dass die industrielle Erzeugung von Fleisch in der jetzigen Form nicht mehr
zu rechtfertigen ist. Vegetarische Ernährungsformen verbreiten sich. Der Vegetarismus
 ist aber keine Er ndung der Moderne. Seine Wurzeln reichen mehr als 2.500 Jahre
zurück.

Ein Jahrzehnt nach unserer Ausstellung Hier gehts um die Wurst zur Fleischwarenherstellung
 in Gütersloh führt die Wanderausstellung „Darf’s ein bisschen mehr sein?“
ihre Besucher mitten in diese gesellschaftliche Kontroverse um den Fleischkonsum.
Sie wagt sich mitten in das verminte Feld der ethischen Auseinandersetzung um
Zucht, Haltung, Schlachtung und Konsum von Tieren. Sie versucht nicht, dem Thema
 seine Sprengkraft durch den Rückzug in Historie und Volkskunde zu nehmen. Das
Thema Fleischkonsum polarisiert, es fordert zu Wertung und Widerspruch heraus. Niemand
 in unserer stark fragmentierten Gesellschaft kann sich dem Topthema der Ernährung
 entziehen, jeder muss Position beziehen, denn jeden Tag müssen wir immer
wieder neu entscheiden, was wir essen und welchen Preis wir dafür zahlen wollen – im
engen wie im übertragenen Sinn.

Die Ausstellung will ein Bewusstsein für ein „Schlüsselproblem“ unserer Gegenwart
vermitteln. Sie will informieren, ohne den mahnenden Zeige nger zu heben, und auf
            
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