Angelegenheiten der dgv 3
Welt. Wissen. Gestalten
42 Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (dgv)
Hamburg | 7 –10 10 2019
Call for Papers
Globale Dynamiken und grundlegende Transformationsprozesse verändern gegenwärtige
europäische Gesellschaften. Es sind vielfältige Einfusskräfte am Werk, die teils
eigenen Logiken folgend, teils interdependent und verfochten zur Dynamisierung
beitragen: Migration, Armut und soziale Ungleichheit, Bedeutungsverlust von Nationalstaaten
(jedoch auch das Entstehen neuer Nationalismen), Technologieentwicklung,
die kapitalistische Wirtschaftsweise mit ihren permanenten Innovationszwängen,
Klimawandel, Biodiversitätsrückgang. Für die Erforschung dieser Dynamiken
bringt die Europäische Ethnologie / Empirische Kulturwissenschaft / Kulturanthropologie
/ Volkskunde mit ihren historischen und gegenwartsbezogenen Zugangsweisen
und aufgrund ihrer spezifschen Forschungsperspektiven besondere Expertise mit.
Mit dem Begrif „Welt“ werden verschiedene Skalierungen zwischen lokal und global
thematisierbar und anhand der Relationen von „kleinen Lebenswelten“ zu größeren
Entitäten, zu Europa, zu anderen Kontinenten und zur ganzen Welt – als global verfochtenem
Lebensraum des Menschen – operationalisierbar. Wichtige Bezugs- und
Refexionspunkte sind dabei die verschiedenen Weisen, wie „Welt“ in wissenschaftlich-disziplinären
ebenso wie in medialen und populärkulturellen Zusammenhängen
als geografsch-territorial diferenzierte Einheit, symbolisch erzeugte Sinnwelt und
als alltäglicher Lebensraum hergestellt und durch Simulation, Fiktion, Kreativität und
Spiel modelliert wird. Dabei weist der Weltbegrif hinsichtlich der Wissenschafts- und
Gesellschaftsgeschichte der Konstruktion von Eigenem und Fremden und nicht zuletzt
im Kontext von ethnologisch-ethnografschen Wissens- und Sammlungstraditionen
auch problematische Dimensionen auf.
In einer verfochtenen Welt sind es verschiedene Weisen, wie Welt gewusst wird, die in
diesen Dynamiken aufeinandertrefen. Wissen wird dabei nicht primär kognitivistisch
verstanden, sondern schließt gerade auch afektive, habituelle und ästhetische Formen
ein. Die Verschiedenheit dieser Wissensformen trägt dazu bei, dass in spezifscher
Weise Wissen über die Welt erworben wird und dieses die Wahrnehmung und Gestaltung
der Welt leitet. Weltsichten kondensieren in symbolische, materielle und praktische
Formen des Wissens, welches wiederum in mannigfaltiger Gestalt vermittelt, angeeignet
und weiterentwickelt werden kann. Wissen materialisiert sich in Objekten,
Diskursen, Praxen, sozialen Ordnungen, moralischen Sichtweisen oder auch Institutionen,
Konventionen, Normen, Regularien, Geschäftsbedingungen und Gesetzen. Die-