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Full Text : DGV-Informationen, 123.2014

4 Angelegenheiten der dgv

Der Zürcher Kongress lädt dazu ein, die aktuell in Gesellschaft und Wissenschaft breit
diskutierte ‚Wiederkehr der Sinne‘ zum Gegenstand kulturwissenschaftlicher Analyse
und die Expertise der in der Tradition des Faches stehenden Kulturforschung sichtbar zu
machen. Themen und Fragen des Kongresses schließen damit an ein sich in den letzten
 Jahren komplex und nicht widerspruchslos ausdehnendes Begriffsfeld an. Neben der
pauschalen Annahme der erwähnten sinnlichen Wende nimmt der Kongress vor allem
auf die als „ sensory / sensual anthropology“ etikettierte kultur - und sozialanthropologische
Forschungsrichtung Bezug, in deren Verständnis es nicht nur um eine „sensual culture“
(D. Howes) als Gegenstand, sondern auch um eine Öffnung der Forschung im Sinne einer
„sensuous scholarship“ (P. Stoller) geht. Diese markiert auch die Spezifk der historisch
und anthropologisch argumentierenden Kulturforschung, für die das Studium sinnlicher
Praxis zugleich Wege zu Formen des Wissens weist, wie sie bislang außerhalb der Wahrnehmung
 rationaler und okularzentristischer Herangehensweisen geblieben sind (C. Classen).
 Dementsprechend haben in den letzten Jahren die Refexion der Epistemiken und
die Diskussion um eine Ausweitung der Methoden breiten Raum eingenommen und die
traditionelle Ethnographie zu einer „sensory ethnography“ (S. Pink) zu erweitern vermocht.

Die Beiträge und Diskussionen des Kongresses könnten die folgenden Probleme bzw. thematischen
 Schwerpunkte adressieren. Dabei sind die Vorschläge nicht ausschließend gedacht,
 sondern mögen als Anregung verstanden werden, Fragen nach den theoretischen
Grundlinien einer Kultur der Sinne, nach ihrer empirischen Bearbeitung und methodischen
Refexion nicht zu separieren, sondern in ihren wechselseitigen Verhältnissen zu thematisieren.


Gebrauch der Sinne: Praxis, Geschichte

Mögliche Themenfelder:
•  Geschichtlichkeit sinnlicher Wahrnehmung und Erfahrung: Wie lässt sich die historische

Modellierung des Wahrnehmens und Fühlens historisch-anthropologisch fassen, und
wie rahmen habitualisierte emotionale Stile Erleben und Handeln?
•  Multisensualität – Multimodalität: Was wissen wir über die kulturell modellierte Beziehung

 der Sinne, über synästhetische und kinästhetische Praktiken, und welche Konsequenzen
 besitzt die Multimodalität sinnlicher Reize für die konkrete empirische Arbeit?

Sinnliche Kultur: Repräsentationen / Populäre Vorstellungen

Mögliche Themenfelder:
•  Sinnliche Kultur und kulturelles Gedächtnis: Was und wie erzählen Museen und Archive

 über historische sensuelle Praktiken, und welche Bedeutung kommt dem sinnlichen
Erbe in den Institutionen des Gedächtnisses zu?
•  Geschlecht der Sinne: Welche Rolle spielt die historische Vorstellung von der Hierarchie

der Sinne für die Aushandlung der Geschlechterverhältnisse, und wo liegt der Beitrag
einer Kulturforschung der Sinne für eine Überwindung dichotomer Konzepte und Macht- beziehungen?
            
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