Glantal. — Lauterecken. — Disibodenberg. 793
als bis vor etwa 30 Jahren (1880) die Schafzucht in hoher Blüte stand,
wanderte ein großer Teil der im Remigiuslande erzeugten Wolle hierher.
Bekannt sind aͤber auch die Kuseler Preis-Viehmärkte für Glan-Donners—
berger Vieh, das am Glan und in seinen Seitentälern gezüchtet wird.
Das Städtchen, dessen Geschichte mit der des Remigiuslandes, der
Grafschaft Veldenz und dem Fürstentum Zweibrücken eng zusammenhängt,
hat trübe Tage erlebt.
Im Jahre 1635 brannten es die wilden Scharen des kaiserlichen Feldherrn Gallas
nieder, weil die Kuseler ihrem Landesherrn, dem Herzog von Zweibrücken, die Treue
nicht brechen wollten.
Wider alles Kriegsrecht verfuhren die Truppen der französischen Republik. Im
Jahre 1794 wurden am Rheine mehrfach falsche Assignaten (Papiergeld) gefunden. Da
duch Kuseler Geiseln, die sich bei andern pfälzischen in Metz befanden, bis die hohen
Kontributionen exlegt waren, solche verausgabten ohne zu wissen, was sie taten, befahl
der Volksrepräsentant Hentz oder Heinz bei der Rhein- und Moselarmee am 26. Juli 1794
die Einäscherung des schönen Städtchens. Wie gründlich die Franzosen dieses Geschäft
hesorgten, davon zeugt heute noch das Stadtbild.
Der Kuselbach (Pfeffelbach) führt uns in einer Stunde nordwärts
in das
Glantal.
Folgen wir diesem, so begleiten uns, die wir auf wohlgebauter Straße
dahin wandern, Fluß und Eisenbahn (strategische Bahn seit 1904). Die
Landschaftsbilder, die uns diese Wanderung bietet, sind so mannigfaltig,
daß wir es gar nicht eilig haben wollen.
Überall sehen wir wohlhabende Bauerndörfer mit hohen stattlichen
Bauernhäusern von Stein, 3. B. Altenglan, Ulmet, St. Julian. Die
schönen alten Dorfkirchen ruhen zum Teil auf römischer Grundlage und
ihre festen Türme bezeugen, daß in bewegten Zeiten die Bauern hinter
den wehrhaften Kirchhof (um die Kirche) flohen.
Da, wo die Lauter in den Glan fällt, liegt das
Städtchen Lauterecken,
einst Sitz der Wittelsbacher Linie Lauterecken-Veldenz, heute durch seine
Steinbrüche auch über die Pfalz hinaus bekannt.
Die bedeutendsten Orte des Glantales außer Lauterecken, Offenbach
und Meisenheim, obwohl eng mit der pfälzischen Geschichte verwebt,
liegen auf preußischem Boden; aber da, wo der Glan in die Nahe fällt,
bei dem ehemaligen Städtchen (heute Dorf) Odernheim, dicht an der
Grenze, schaut ein wohlangebauter Hügel ins weite Nahetal.
Auf seinem Rücken verhüllen wohlgepflegte Anlagen die Reste der
uralten Benediktinerabtei
Disibodenberg,
die dem frommen irischen Bischof Disibodus ihre Entstehung verdankt.
Die Edlen der Gegeüd schenkten ihm den Berg uͤnd bald rodeten die Bauern
mit dem frommen Irländer und seinen Begleitern den Berg vom Fuße bis zum Gipfel.
Bald erhoben sich an Stelle der Zellen feste Gebäude (seit 690). Im Jahre 445 be—